Wärmestube - Respekt, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein Wo bleibt bei uns allen das soziale Gewissen?

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Zum Leserbrief „Nicht gern gesehen“ vom 12. Februar wird uns geschrieben: Schon die Prä-Neandertaler sollen sich vor 200 000 Jahren um ihre schwächeren und kranken Artgenossen gekümmert haben. Im Laufe der menschlichen Entwicklung und Industrialisierung und erst recht in unserer heutigen Zeit scheint das „menschliche Miteinander und das menschliche Mitgefühl“ jedoch immer weniger Bedeutung zu haben. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft sind so sehr mit sich und ihrem vermeintlich von Stress und Problemen geplagten Leben beschäftigt, dass sie sich leider oft gar keine Zeit mehr nehmen, nach dem „Nebenan“ zu schauen.

Wenn wir uns alle aber fragen würden: Kann ich mich nicht um einen älteren, kranken, behinderten, schwächeren Mitmenschen – um einen Menschen, der Hilfe, egal welcher Art benötigt – kümmern? Wenn wir alle nur einem Menschen helfen würden, wäre der Menschheit doch so sehr geholfen. Ich bin der Meinung, jeder kann – wenn er will.

Werte wie Respekt, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeit, Nächstenliebe sollten Eltern ihren Kindern schon früh genug auf ihrem Weg in das Erwachsenwerden mitgeben. Aber oft können es die Eltern wohl nicht, weil sie selbst diese Werte nicht erfahren und kennengelernt haben.

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Veröffentlicht
Von
Stefan M. Dettlinger
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Oft bekommen Kinder von klein auf schon demonstriert, dass das eigene Vorankommen, der eigene Vorteil viel wichtiger ist als das der anderen. Ist das die sogenannte Ellenbogengesellschaft? Stärker, besser, reicher, schneller, wichtiger, egoistischer und kälter als andere sein zu wollen? Wollen wir das wirklich? Wollen wir so leben? Wollen wir so weiter machen?

Nein, ich persönlich will das nicht. Zu mir sagen viele Menschen immer wieder: „Raquel, du kannst nicht die ganze Welt retten.“ Das weiß ich, denn ich kenne ja die Realität. Aber wenn ich in meinem kleinen Radius dem einen oder anderen Menschen durch meine Unterstützung und Hilfe ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, bin ich selbst sehr glücklich, zufrieden und froh damit. Ich bin sicher, das würde vielen anderen genauso gehen.

Wieso aber fokussieren sich viele – gerade in der Politik – nach den äußeren Gegebenheiten? Der mit dem dicksten Auto, dem fettesten Konto, der teuersten Villa und dem wichtigsten Posten oder gar der Sternekoch – er wird oft beneidet, um den scharen sich viele wie Schmeißfliegen um einen Hundehaufen.

Dabei sind diese Menschen oft bemitleidenswert, weil sie meistens im Schein und nicht im Sein leben (müssen). Wir dürfen die Ärmsten der Armen, die Schwachen und Benachteiligten nicht vergessen. Ich meine, dass dies die Aufgabe einer funktionierenden Gesellschaft ist. Vor allem sollten die Politik und ihre Akteure als Vorbilder vorangehen. Kein Geschwafel und keine bloßen Lippenbekenntnisse immer wieder. Wo ein wahrer Wille ist, findet sich auch ein Weg.

Ich hoffe, dass viele Schwetzinger Stadträte sich mit dem Thema „Wärmestube“ in Schwetzingen mit Herz und wahrem Willen weiter beschäftigen werden und nicht nur so tun, als sei ihnen das Thema wichtig.

Ich hoffe, dass sie gemeinsam mit den Stadtspitzen ein Obdach finden für diesen für unsere Stadt enorm wichtigen Verein „Die Brücke“ und somit uns Bürgern zeigen, dass das soziale Gewissen in der Schwetzinger Politik nicht verloren gegangen ist und eben nicht alles nur Schein ist.

Zeigen Sie den Schwachen in der Gesellschaft, dass sie Ihnen nicht egal sind. Dass sie Ihnen genauso wie jeder andere in der Stadt gleichermaßen wichtig sind. Dass Sie ihnen gegenüber genauso wie jedem Doktor und Professor Respekt zollen. Beweisen Sie Leserbriefschreiber Jan Fuhrmann, dass er nicht richtig liegt und die Schwachen und Obdachlosen wie jeder andere Mensch gern in unserer Stadt gesehen sind. Helfen Sie ihnen, eine neue Bleibe zu finden, oder erschaffen Sie eine. Die Bürger werden es Ihnen nicht vergessen. Davon bin ich überzeugt.

Raquel Rempp, Schwetzingen