Tiefengeothermie - Die Erdbebenereignisse in Straßburg bleiben offensichtlich außen vor / Da können sich die MVV und EnBW die Hände reiben Wo existiert ein risikofreier Standort?

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Zum Artikel „Kern: Beben durch Geothermie ist reine Angstmache der BI“ in der Ausgabe vom 3. Februar erreichen uns gleich mehrere Leserbriefe: So viel Einleitung muss sein: Die BI Brühl/Ketsch ist wohl keinesfalls generell gegen regenerative, das heißt erneuerbare Energieformen. Ziel der Initiative ist aber eine, wie auch immer geartete Geothermie-Anlage in dicht besiedelten Gebieten, insbesondere an besagtem Standort zu verhindern.

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Sie verdient dafür wachsende Unterstützung! Die in diesem Fall entscheidenden Standortprobleme wurden in der Stellungnahme leider völlig ignoriert, aber immerhin die Bedeutung erkannt „geeignete Standorte zu definieren“.

Das Brühler Projekt steht leider nicht auf einer „grünen Wiese“, sondern in unmittelbarer Nähe einer Schule, Sporthalle, von Vereinseinrichtungen, der Kläranlage, dem künftigen Sportpark-Süd und Wohngebieten. Was müsste sich noch dort befinden, um die berechtigten Sorgen der Bürger ohne politischen Tunnelblick ernst zu nehmen? Vielleicht der eigene Wohnort?

Alle Geothermie-Projekte wurden irgendwann ohne ersichtliche Gefährdung genehmigt. Diese Erkenntnisse kamen später – man hatte ja schließlich dazugelernt. Jedes Projekt ist anders und dass niemand ein Restrisiko seriös ausschließen kann, hat sich bis heute nicht geändert (siehe auch Artikel in der SZ vom 6. Februar).

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Bruchsal ist als Beispiel nicht geeignet – es handelt sich bekanntlich um einen Probebetrieb (als Forschungsprojekt konzipiert), bislang ohne nennenswerten wirtschaftlichen Nutzen. Wo aber existiert ein risikofreier Standort – vergleichbar mit dem in Brühl?

Ich bin kein Mitglied der Bürgerinitiative Brühl/Ketsch. Politiker sollten jedoch nach meiner Meinung legitime, nachvollziehbare Ablehnungsgründe einer Bürgerinitiative aushalten können. Ein sachbezogener Kommentar hätte gereicht. Den BI-Standpunkt als Angstmache abzuqualifizieren, ist nicht zielführend. Noch weniger, ihn in den Bereich des neudeutschen Begriffs „Fake News“ zu rücken. Der, der ihn zuerst international verbreitet und permanent missbraucht hat, wurde bekanntlich abgewählt.

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Gerd Herweh, Brühl

Gegner nicht gehört

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Der Redakteur des Mannheimer Morgens, Martin Geiger, hat mit gleich mehreren Artikeln auf einer Sonderseite in der Ausgabe vom 6. Februar über Tiefengeothermie (TG) geschrieben. Alle Artikel zu diesem umstrittenen Thema sind aus meiner Sicht dermaßen tendenziös, dass man sich fragen muss, ob das mit seriösem Journalismus noch etwas zu tun hat. Kritiker beziehungsweise Gegner der TG kommen so gut wie nicht zu Wort, obwohl es in einer gesonderten Spalte (die online dann schon nicht mehr zugänglich ist) eine Aufzählung von zahlreichen Fehlversuchen gibt. Diese werden jedoch nicht weiter ausgewertet und spielen als Fakten für die Stellungnahmen keine Rolle. „Wenn Ideologie und Fakten sich widersprechen, dann ist es umso schlimmer für die Fakten.“ Seit Präsident Trump ein gängiges öffentliches Verfahren! MVV und EnBW können sich die Hände reiben für so viel kostenloser Reklame. Mit der jüngst – auch von Geiger – immer wieder beschworenen Information der Bürger hat das nichts zu tun. Da war die Diskussion in Brühl vor rund zehn Jahren schon weiter!

Als einer der maßgeblichen „Experten“ wird der Leiter des Bergamtes Freiburg angeführt. Er mag Experte in dem Geschehen sein, aber unabhängiger Wissenschaftler ist er gewiss nicht, denn er ist Landesbeamter von Baden-Württemberg und als solcher ausführendes Organ der Regierungspolitik. Sein Dienstherr ist der Stuttgarter grüne Umweltminister Franz Untersteller, bekanntlich ein rücksichtsloser Befürworter der TG. Wenn man die Erde vor gravierenden Eingriffen schützen möchte, darf man offensichtlich nicht mehr Grün wählen.

Die Erdbebenereignisse der letzten Monate aus dem Raum Straßburg werden von Geiger zwar erwähnt, aber eine nähere Auseinandersetzung damit findet nicht statt, sonst hätte dargestellt werden müssen, dass die Erdbebenserie auch auf deutscher Seite noch weithin spürbar war und sogar sichtbare Auswirkungen auf Häuser hatte. Es hätte auch dargestellt werden müssen, dass die zuständige französische Behörde das TG-Projekt im November schon endgültig gestoppt und stillgelegt hat. Und es hätte dargelegt werden müssen, dass man solche, von Menschen verursachte Beben, nicht mehr stoppen kann, wenn sich die entsprechenden Druckverhältnisse in der Erde aufgebaut haben. Denn nach dem Stopp gab es zahlreiche Nachbeben!

Es muss inzwischen als Märchen gelten, wenn anderes behauptet wird, zum Beispiel „Überwachung“ und „gut beherrschbar“, auch wenn es sogenannte Experten (siehe Geigers Interview mit den „Experten“ des KIT Prof. Schilling und Dr. Müller) sagen – wer weiß aus welchen Gründen auch immer. Dort vor Ort am aktuellen Geschehen etwa recherchiert, wie es sich für seriöse Information gehören würde, hat Martin Geiger nicht – keiner der Verantwortlichen, keiner der dortigen Experten ist dazu gehört worden. Nicht mal einer der inzwischen zahlreichen Presseartikel dazu aus der dortigen Region wurde zitiert oder auch nur genannt. Von solchen „Informationen“ kann man sich nur dankend abwenden. MM und SZ – bitte nicht mehr davon. Eure Leser haben ein besseres Niveau verdient!

Hat unserer Regionalzeitung noch niemand verraten, dass der eigentliche Fehler in Mannheim gemacht wurde, als trotz jahrzehntelanger Kohle-Öl-Gas-Klima-Debatte das Kohlekraftwerk kurz vorm absehbaren Kohlestopp fleißig und teuer ausgebaut und über die Fernwärme die Energieversorgung der ganzen Region darauf aufgebaut wurde? Jetzt ist man offenbar darauf angewiesen, zulasten der Bevölkerung in dicht besiedelten Wohngebieten sogar in Erdlöchern nach solchen dürftigen Energiequellen zu suchen.

Die von Geiger angegebenen Zahlen zur Ergiebigkeit von TG entspringen alle der Fantasie und reinem Wunschdenken! Es würde nicht schaden, sich tatsächlich mit vorhandenen Fakten zu beschäftigen – wenn man es denn wollte. Es gibt nämlich durchaus Alternativen, nicht nur zur Geothermie, sondern auch zum Heizen mit Fernwärme für den einzelnen Haushalt! Prof. Dr. Antonius Sommer, Brühl

Wir haben alle Angst davor

Es ist schon erschütternd und gleichzeitig empörend, wenn man sieht, wie Landtagsabgeordneter Manfred Kern seine Aussagen zur Geothermie macht. Seine Ansicht über die Unterschiedlichkeit von Geothermie und Tiefengeothermie ist grotesk. Vermutlich hat er in letzter Zeit die Meldungen über Beben nicht verfolgt. Als Ketscher Bürger mit unmittelbarer Wohnnähe zum Brühler Bohrloch haben wir alle Angst, dass es bei weiterer Bohrung zu einer Katastrophe kommen kann.

Wenn ja, würde ich gern Manfred Kern bei irgendwelchen Schäden an meinem Haus zur Verantwortung ziehen. Kern hat vermutlich, wie viele andere schlaue Bürger, die dafür sind, weit weg vom Geschehen rund um das Bohrloch, sein Wohndomizil.

Wir haben immer geglaubt, die Grünen seien für eine saubere Umwelt. Eines steht für viele Bürger jetzt sicher fest, sie werden die Grünen Befürworter der Geothermie nicht in den nächsten Landtag wählen.

Erhard Mühlich, Ketsch