Inzidenzwert und Vertrauensverlust - Alles hängt mit allem zusammen und niemand blickt mehr durch / Aber das Leben ist zu schön, um es mit Misstrauen zu vergiften Wo Menschen zusammenkommen, geschehen Wunder

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Von dem Moment an, an dem wir das Licht der Welt erblicken, erlernen wir eine Art soziale Grammatik, kurzum das, was man Vertrauen nennt. Und eigentlich ist das Leben zu schön, um es mit Misstrauen zu vergiften.

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Laut eines Vertrauensforschers gibt es eine Reihe von Bausteinen, aus denen sich Vertrauen zusammensetzt: Ehrlichkeit, Respekt und Verschwiegenheit, aber auch Aufrichtigkeit, Unterstützung und Neutralität. Wir hinterfragen Vertrauen meist erst dann, wenn es verletzt wird.

Daran sind aber nicht die Schuld, die hinterfragen, sondern die, welche durch Unaufrichtigkeit Vertrauen verspielen. Wenn aber sogar Politiker zur Denunziation auffordern, ist es um das Vertrauen schlecht bestellt. Weltweit macht sich Misstrauen breit und infiziert die Menschen wie ein Virus!

Gerade auch in Sachen Corona.

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Da gibt es in der Tat die verrücktesten Fake News und Verschwörungstheorien, dass man meinen könnte, seit einem Jahr herrsche Fasching.

Bei einer Sache war ich schon erstaunt: In einer Talkshow waren FDP, Grüne sowie eine Redakteurin des „Spiegel“ einig in ihrer Manöverkritik, was die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung angeht (Stichworte: Impfen und andere Versäumnisse). Um es mit meinen Worten auszudrücken: Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass die Kanzlerin am „Kuba-Syndrom“ leidet, also an einem Tunnelblick in Sachen Meinungsfindung.

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Da anderseits viele Bürger einer besonderen Form des „Stockholm-Syndroms“ anhängen, also ziemlich alles schlucken, was von ihnen verlangt wird, hätte dies schon eine geradezu bestechende Logik. Eins ist aber auch klar: Vertrauen lässt sich weder einfordern noch verordnen!

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Schließlich hängt ja alles mit allem zusammen und niemand blickt mehr durch! Im Grunde herrschte ja ein Tag – ausgerechnet am Schmutzigen Donnerstag – „Narrenfreiheit“, da das Verwaltungsgericht in Mannheim die Ausgangssperre in Baden-Württemberg aufhob. Denn mittwochs galt noch die alte Regelung (ab 20 Uhr) und erst am Freitag die neue Verordnung, also ab 21 Uhr Ausgangssperre – jeweils bis 5 Uhr.

„Am besten besiegt man die Pest (Pandemie) mit Ehrlichkeit“ – schrieb Albert Camus in seinem Roman „Die Pest“. Die Ehrlichkeit fehlt mir bei Spahn, Merkel und Co. schon seit Beginn dieser Pandemie (Stichworte: fehlende Schutzausrüstung, trotz eines warnenden RKI- Pandemiepapiers von 2012 und vieles mehr).

Fehlende Ehrlichkeit führt zu Vertrauensverlust, vor allem, wenn man aus Fehlern nicht lernt. Wer den verstolperten Impfstart herunterspielt, wie Spahn oder Merkel und – im Gegensatz zu von der Leyen – keine Fehler wirklich einräumt und nur nach vorne blicken will (armseliges Ablenkungsmanöver), der lernt auch nicht aus seinen Fehlern. Denn dazu gehört die Aufarbeitung, um es künftig besser zu machen.

Passend dazu hier ein bisschen Aufklärungsmathe rund um die neue Superzahl 35: Ein Inzidenzwert von 35 bedeutet, dass 0,035 Prozent der Bevölkerung innerhalb einer Woche positiv auf Corona getestet sind. Bei 50 sind es also 0,050 Prozent. Dass es da verhältnismäßig sein soll, Menschen pleitegehen oder depressiv werden zu lassen und Menschen, vor allem Kinder, weiter zu Hause einzusperren, kann mir bisher niemand vernünftig erklären.

Wo hört dieser „Wahnsinn“ auf? Bei einem Inzidenzwert null oder bei minus zehn? Wer Angst schürt, nach dem Motto „es könnte sein“ – und damit Verbote rechtfertigt – braucht dringend ärztlichen Beistand, denn jeder, der morgens aufsteht, könnte sich das Genick brechen!

Und was die zögerlichen Soforthilfen angeht: Die Übernahme der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof entpuppt sich für den Tiroler Milliardär René Benko angeblich zu einem milliardenschweren Fiasko.

Ich frage mich, weshalb man hier einem Konzern fast 500 Millionen Euro Staatshilfe gewährt, während der Einzelhandel verzweifelt ums Überleben kämpft (Benko hat längst andere Pläne für die defizitären Häuser und die Grundstücke sind zig Milliarden wert).

Dagegen sind 9000 Euro Corona-Hilfe eines Schwetzinger Würdenträgers, was die Schwetzinger Zeitung zurecht „analysiert“, geradezu Peanuts.

Ja, für viele sind die Schuhe des Fischers schon zu groß, aber die Schuhe des Zimmermanns erst recht.

Resümee: Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen. Erwachsenen, damit sie aufwachen. Wacht endlich auf! Wo Menschen zusammenkommen, können Wunder geschehen. Lasst das euch nicht länger nehmen!

Herbert Semsch, Brühl