Im Interview - Ziele und Herausforderungen für das Jahr 2021 / Nächster Sanierungsabschnitt an der Rheinfrankenhalle / Mensa ist in der Planung Altlußheims Bürgermeister Uwe Grempels schaut auf 2021

Von 
Vanessa Schwierz
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Der zweite Sanierungsabschnitt an der Rheinfrankenhalle steht an: Das obere Dach ist bereits saniert, nun folgen die unteren Dachelemente. © Lenhardt(2)/Schwierz(2)

Altlußheim. Trotz Corona hat sich 2020 einiges in der Gemeinde getan. Die Sanierungsmaßnahmen an der Rheinfrankenhalle gehen voran, der Kindergarten ist fertiggestellt – nur Kleinigkeiten müssen noch gemacht werden. Wie sehen die Pläne und Ziele für die Gemeinde im Jahr 2021 aus? Welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen? Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Bürgermeister Uwe Grempels, wie es mit einigen Projekten weitergeht, wie die Finanzen aussehen und was er sich für seine Gemeinde wünscht.

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Was sind Ihre Ziele für die Gemeinde im Jahr 2021?

Uwe Grempels: Ein Ziel ist die Stärkung der Gemeindeverwaltung. Nach insgesamt drei Jahren und den Herausforderungen im zurückliegenden Pandemiejahr bin ich im Amt der Bürgermeisters „so richtig“ angekommen. Verwaltungsintern haben wir im Hinblick auf die technischen, personellen und finanziellen Ressourcen so einige Grenzen aufgezeigt bekommen. Daher ist jetzt aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt, uns auch mal kritisch hinterfragen zu lassen – wo sind unsere Stärken und Schwächen. Diese Aufgabe wird die Gemeindeprüfanstalt im Rahmen einer Organisationsbetrachtung der Verwaltung übernehmen. Dabei erhoffen wir uns zusätzliche Hinweise auf Veränderungsbedarfe, da wir einige bereits kennen. Allerdings muss man diese immer auch in einen Kontext mit anderen Kommunen in unserer Größenordnung und mit ähnlichen Herausforderungen setzen. Daher haben wir die Gemeindeprüfanstalt aus Karlsruhe – die diesbezüglich sehr viele Erfahrungen hat – mit dieser Aufgabe beauftragt.

Welche Bereiche sehen Sie bei der externen Organisationsbetrachtung besonders in der Priorität?

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Grempels: Ich sehe, dass die Kernverwaltung – bestehend aus 18 Mitarbeitern (neun davon in Teilzeit) – an der ein oder anderen Stelle nicht alles bewältigen kann, was an sie herangetragen wird. Mal abgesehen von der Corona-Pandemie gibt es viele Themen, die es früher nicht gab, für eine Verwaltung eine untergeordnete Rolle spielten oder heute einen anderen Stellenwert haben. Zum Beispiel Natur- und Umweltschutz, Digitalisierung, Social Media, Datenschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Lärmschutz. Daher ist die Frage berechtigt, ob wir die adäquaten Strukturen für diese Themen und Entwicklungen haben. An der ein oder anderen Stelle habe ich meine Zweifel. Und das möchte ich mir von externen Fachleuten bestätigten oder widerlegen lassen. Natürlich möchte ich dabei auch niemanden vor den Kopf stoßen, sondern die Mitarbeiter sollen ihre Erfahrungen miteinbringen können. Es soll ein gemeinsames Vorgehen sein, um die Gemeinde voranzubringen. Wenn wir daraus die richtigen Konsequenzen ziehen, kommt die externe Organisationsbetrachtung letztendlich den Bürgern zugute. Zudem soll der Bauhof im Grünbereich personell verstärkt werden. Eine Gärtnerstelle mit Teamleiterfunktion soll den Bauhofleiter unterstützen und letztlich die Aufgaben im Grünbereich koordinieren. Aktuell reagieren wir leider sehr oft auf Zuruf der Bürger, aber mit dieser neuen Stelle können wir aktiver die Herausforderungen bewältigen – das, was wir derzeit aufgrund von Personalmangel leider zu wenig machen können. Die von mir eingeführten Bürgerdialoge musste ich wegen der Corona-Pandemie ausfallenlassen. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr die Kommunikation mit den Bürgern wieder aufnehmen und zu alten Formaten zurückkehren können. Darüber hinaus wird die Gemeinde in diesem Jahr 1075 Jahre alt. Diesen Geburtstag würde ich gern mit vielen Menschen feiern. Das Hauptziel 2021 ist und bleibt allerdings nach wie vor die Gesunderhaltung der Menschen in unserer Gemeinde.

Welche Herausforderungen muss die Gemeinde 2021 meistern?

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Grempels: Die Finanzen! Es ist unklar, wie sich die Steuereinnahmen entwickeln und welche Ausgaben wir aufgrund der Pandemie noch haben werden. Dies hängt auch mit der Entwicklung dieser zusammen. Außerdem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und somit die Sicherstellung von Betreuungsplätzen weiterhin eine Daueraufgabe. Mit dem neuen Kindergarten haben wir die notwendigen Räume geschaffen, allerdings fehlt jetzt noch das erforderliche Personal, um die achte Gruppe öffnen zu können.

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Wie sieht es mit dem Haushalt und den Finanzen aus?

Grempels: Wir haben ein Defizit im Ergebnishaushalt von 1,1 Millionen Euro. Abschreibungen von 900 000 Euro schlagen da zu Buche, was aber auch mit der Umstellung des Haushalts zusammenhängt. Ich bin sehr dankbar, dass Bund und Land uns unterstützt haben. Durch die Corona-Soforthilfen und der Kompensation der Gewerbesteuer haben wir 832 000 Euro bekommen. Das hat uns natürlich geholfen. Ich hoffe, dass wir auch dieses Jahr wieder von Bund und Land unterstützt werden. Denn wir müssen vor Ort weiter investieren und können uns nicht zurücklehnen oder einfach eine Auszeit nehmen.

Haben Sie da ein Beispiel?

Grempels: Ja, der neue Kindergarten. Den haben wir zwar fertig gebaut, aber eben noch nicht komplett. Die Außenanlage muss noch fertiggestellt werden, auch wenn er für die Notbetreuung seit 11. Januar in Betrieb ist. Und es gibt, wie bei jedem Neubau, noch einige Kinderkrankheiten. Die Beleuchtung, Lüftung und Heizung müssen noch justiert und den betrieblichen Abläufen angepasst werden.

Ist die Gemeinde für die kommenden Jahre im Bereich der Kinderbetreuung gut aufgestellt? Schließlich wurde in diesem Bereich viel investiert.

Grempels: Ja. Im Kindergartenbereich gehen wir davon aus, dass die Bedarfe gedeckt werden können. In der Schülerbetreuung wird im laufenden Schuljahr eine Gruppe und mit Beginn des neuen Schuljahrs eine zweite Kernzeitgruppe eingerichtet. Diesbezüglich müssen wir mittelfristig die Essensituation verändern.

Das heißt?

Grempels: Aufgrund der vielen zu betreuenden Kinder und der engen Räumlichkeiten müssen diese Essensbedingungen einfach verbessert werden. Daher werden wir eine neue Mensa planen müssen, denn im alten Lehrerwohnhaus kann die Essensausgabe auf Dauer nicht bleiben. Die Mensa wird dann sowohl für einen eventuellen Ganztagsbetrieb einer Schule geeignet sein oder für den Halbtagsbetrieb mit Kernzeitbetreuung. Durch die Auslagerung aus dem alten Lehrerwohnhaus stehen dann wiederum mehr Räume für die Schülerbetreuung zur Verfügung. In diesem Zusammenhang müssen wir gemeinsam mit allen Beteiligten die Frage klären, ob der Mensaanbau mit Klassenräumen aufgestockt wird oder nicht. Diese Themen werden wir mit dem Gemeinderat, der Schulleitung und der Einrichtungsleitung besprechen. Bis zu einer endgültigen Lösung wird es eine Übergangsphase geben, in der wir wegen der vorübergehenden Dreizügigkeit der Schule Containerklassenzimmer anmieten oder kaufen werden.

Gibt es Themen, die aus Ihrer Sicht wegen Corona 2020 liegen geblieben sind?

Grempels: Das gesellschaftliche Leben – es lag brach. Keine Begegnungen, Feste und Feierlichkeiten. Eine Gemeinschaft braucht das aber.

Die Badesaison am Blausee war 2020 ein voller Erfolg. Wie sehen dazu aktuell die Pläne aus?

Grempels: Wir gehen derzeit von einer Badesaison unter Pandemiebedingungen wie im vergangenen Jahr aus. Wir versuchen, die Situation technisch zu verbessern wie zum Beispiel durch E-Payment. Wir wollen eben die Voraussetzung schaffen, Tickets auf elektronischem Weg zu kaufen. Außerdem prüfen wir, ob es auch eine Reservierungsmöglichkeit geben wird. Darüber wird der Zweckverband im März entscheiden.

Das neue Gemeindezentrum der katholischen Seelsorgeeinheit stockt. Wie sehr betrifft dies die politische Gemeinde? Schließlich geht es dabei um die Zukunft des Geländes am Messplatz.

Grempels: Die Rahmenbedingungen für ein neues Gemeindezentrum haben wir bereits vor Jahren geschaffen – also, dass ein Neubau an der Kreisstraße Richtung Neulußheim entsteht. Noch im Januar will Dekan Jürgen Grabetz auf mich zukommen, um die Pläne zu besprechen. Im Grunde wartet die Gemeinde darauf, dass der Bauantrag eingeht. Wie es mit dem aktuellen Gelände der katholischen Kirche weitergeht, darüber machen wir uns derzeit noch keine Gedanken, denn zuerst muss der Zeitplan für die Errichtung des neuen Gemeindezentrums stehen.

Wie geht es mit der Rheinfrankenhalle weiter?

Grempels: In diesem Jahr steht der zweite Abschnitt der Sanierung an. Die Lüftung und das große Dach sind bereits saniert und die neue PV-Anlage fertiggestellt. Nun sind die niederen Dachelemente an der Reihe – über dem Foyer, der Umkleide, der Gaststätte und Großküche, der Bühne, dem Gymnastik- und Technikraum. Darüber hinaus soll auch der Hallenboden noch in diesem Jahr ersetzt werden. Die Sanitäranlagen werden in einem dritten Sanierungsabschnitt ertüchtigt.

Die beliebte Trauerweide am Rhein musste gefällt werden.

Grempels: Die Menschen waren traurig, das konnte ich verstehen, denn es war einer der schönsten Plätze am Rhein. Doch der Baum war krank und musste gefällt werden. Seine Standfestigkeit war nicht mehr gesichert. Er stellte eine Gefahr für Spaziergänger und Radfahrer dar. Dies hat der Abbruch eines großen Astes gezeigt. In diesem Zusammenhang gibt es aber auch eine gute Nachricht. Es wurden bereits zwei neue Trauerweiden gepflanzt.

Was wünschen Sie sich für das laufende Jahr?

Grempels: Gesundheit – auch für die Bürger! Durch die Pandemie wird man für das Thema noch viel stärker sensibilisiert. Und dann wünsche ich mir wieder ein gesellschaftliches Leben, dass man unter normalen Umständen wieder feiern, lachen aber auch streiten kann – das gehört dazu. Besonders wichtig ist mir, dass die Begegnungen von Mensch zu Mensch wieder möglich sind.

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen