Hochwasser Betreten des Altlußheimer Deiches birgt Lebensgefahr

Von 
Katrin Dietrich
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Altlußheim. Seit über einer Woche stehen Schilder rund um den Altlußheimer Rheindamm: Weißer Kreis mit roter Umrandung und darunter die Aufschrift „Hochwasser“. Auch der Zusatz „Vorsicht Lebensgefahr“ warnt nochmals vor dem Betreten des Dammes – eine Warnung, die leider immer wieder ignoriert wird, obwohl das Betreten immer gefährlicher werde, wie Kommandant Thorsten Lehrenkrauß erklärt.

Der Rehbock schwimmt im eiskalten Hochwasser um sein Leben. © Wehr
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„Seit knapp einer Woche drücken enorme Wassermassen gegen den Sommerdamm, der eigentlich nur für ein leichtes Hochwasser ausgelegt ist. Der Damm weicht immer mehr durch und wird zunehmend rutschiger.“ Außerdem schade es der Stabilität des Dammes im Moment sehr, wenn immer wieder Menschen darüber laufen – im schlimmsten Fall könnte er sogar brechen.

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An drei Stelle weise der Damm bereits Sickerstellen auf, die ständig von der Feuerwehr kontrolliert werden, genau wie der gesamte Deich. Durch die aufgeweichte Erde ist auch die Gefahr, auszurutschen und ins Wasser zu fallen, noch größer geworden. Schon am Sonntag konnte man beobachten, dass Spaziergänger, die sich zu nah an die Kante wagten, ins Straucheln kamen. Ein Sturz in das Rheinwasser würde höchste Lebensgefahr bedeuten. Egal auf welcher Seite, denn mittlerweile hat sich auch auf der Ortsseite des Dammes viel Druckwasser gebildet, das ebenfalls an Höhe zunimmt.

Die meisten zeigen Verständnis

Immer wieder machen die Feuerwehr und Bürgermeister Uwe Grempels Menschen auf die Gefahr aufmerksam. Meistens stoßen sie dabei auf Verständnis, wenn sie erklären, wie gefährlich es zurzeit ist, sich auf dem Damm aufzuhalten. Auch Radfahrern hat man den Ernst der Lage verständlich machen müssen, genau wie Familien mit Kindern.

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Aber leider gibt es auch einige, die die Warnungen ignorieren. „Mir macht das echt Sorgen und ich habe Angst, dass etwas passieren könnte“, sagt Uwe Grempels.

„Auch wenn das Wasser nah am Damm recht ruhig aussieht, sollte man die Lage auf keinen Fall unterschätzen“, warnt Thorsten Lehrenkrauß eindringlich und zeigt auf ein Schild, von dem nur noch wenig aus dem Wasser schaut. Hier ist deutlich eine Strömung zu erkennen und zu sehen, dass auch am Rande das Wasser mit viel Kraft entlangfließt. Zudem bringt der Strom auf seiner Reise allerhand Treibgut mit, das auch gefährlich Richtung Damm treibt.

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Im Moment ziehen in der Stunde mehr als 14 Millionen Liter Wasser an der Gemeinde Altlußheim mit einer Fließgeschwindigkeit von acht Stundenkilometern vorbei. Auch wenn man sich die Masse und die Kraft, die dahintersteckt, nur schwer vorstellen kann, so sollte man doch verstehen, dass es äußerst gefährlich ist. Dazu kommt eine Wassertemperatur, die zwischen null und fünf Grad liegt. Eine Kälte, die für Mensch und Tier sehr bedrohlich ist. Deshalb appellieren die Verantwortlichen nochmals eindringlich an die Bevölkerung, sich vom Damm fernzuhalten.

Dem Rehbock geht es wieder gut

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Auch für Tiere ist die Hochwasserlage mehr und mehr bedrohlich, denn auch deren Wege sind überschwemmt. Wenn sie die Gefahr erkennen, sich aber Menschen oder freilaufende Hunde in der Nähe befinden, folgen sie ihrem Fluchtinstinkt und laufen immer zum oder in das Wasser. Am Mittwochmittag hat der Bürgermeister selbst Rehspuren am Damm entdeckt und am Abend musste ihnen die Feuerwehr zu Hilfe kommen (wir berichteten).

Da einige Menschen die Rettungsaktion beobachten wollten, wurde dem flüchtenden Wild erneut der Rückweg versperrt und die Polizei musste die Schaulustigen wegschicken. Erfreulich ist jedoch, dass der Rehbock, um den es am Mittwochabend sehr schlecht stand, sich wieder erholte und zurück in seine Sicherheit gefunden hat.

Der Rhein hatte in der Nacht zum Montag seinen Höchststand mit 7,98 Meter erreicht. Am Mittwoch gegen 13 Uhr ist er auf 7,56 Meter gefallen und ist seitdem wieder angestiegen. Am Freitag um 16 Uhr wurde ein erneuter Höchststand von 7,94 Meter gemessen. Nun ist angekündigt, dass der Pegel kontinuierlich sinkt.

Verhaltensregeln am Deich

Gehen Sie nicht auf den Damm.

Machen Sie andere Menschen auf die Gefahr aufmerksam.

Halten Sie Hunde an der Leine, damit diese das Wild nicht aufscheuchen.

Folgen sie den Anweisungen der Behörden und Rettungsdienste.

So hoch waren die Rekordpegel:

8,86 Meter: 31. Dezember 1882

8,67 Meter: 18. Januar 1955

8,58 Meter: 27. Mai 1983

8,55 Meter: 15. Mai 1999

8,40 Meter: 26. Mai 1978

8,38 Meter: 27. März 1988

8,38 Meter: 28. November 1944

8,34 Meter: 4. Juni 2013

8,29 Meter: 11. April 1983

8,28 Meter: 23. Februar 1999

7,98 Meter: 31. Januar 2021 kd

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Freie Autorenschaft Seit 2001 fotografiere und schreibe ich regelmäßig und gerne als Freie Mitarbeiterin für die Schwetzinger Zeitung. Vor meine Linse und unter meine Feder kommen gerne die Feuerwehr, Tiere, Natur, Kinder, Kirche, Feste, Kultur, mein Heimatort Reilingen und