Gemeinderat - Knappe Mehrheit für Aufstellung des Bebauungsplans / Kritik wegen fehlender Zahlen Domizil für Camper erhitzt die Gemüter

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Vanessa Schäfer
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Das Areal für den Campingplatz in unmittelbarer Nähe des Blausees (rechts) wurde auf 3,4 Hektar verkleinert. Es befindet sich in Schutzgebieten. Geplant ist ein saisonaler Betrieb von Ostern bis Oktober.

© Modus Consult/Gemeinde Altlußheim

Altlußheim. "Sie machen den fünften Schritt, bevor Sie den ersten gemacht haben", richtete Bürgermeister Hartmut Beck seine Worte in die Runde. Bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend gab es gleich mehrere Tagesordnungspunkte, die die Gemüter erhitzten. Besonders der Campingplatz am Blausee sorgte für regen Diskussionsbedarf. Galt es, einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Campingplatz zu fassen, um die Voraussetzungen für das geplante Vorhaben des Zweckverbands Lußheim zu schaffen (wir berichteten), so drehte sich eine Vielzahl der Fragen der Räte bereits um Details, etwa ob der Campingplatz nachts geöffnet wäre und wie der Zugang zum Blausee aussehen soll.

"Haben eine andere Situation"

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"Wir beantragen die Vertagung, weil wir konkrete Zahlen haben wollen", forderte Uwe Grempels im Namen der SPD-Fraktion und erinnerte an die ursprüngliche Ausgangssituation: der Versuch, einen Dauercampingplatz einzurichten, bei der mit Einnahmen von etwa 1000 Euro pro Dauercamper im Jahr kalkuliert wurde. Bei der Sitzung des Zweckverbands im Oktober hatte Verbandsvorsitzender Gunther Hoffmann jedoch einen neuen Umfang des Vorhabens vorgestellt, den Erasmia Vlatsa vom Planungsbüro Modus Consult noch einmal zusammenfassend dem Rat vorstellte.

So habe sich nach Gesprächen mit beteiligten Behörden anstelle der geplanten Fläche von 6,5 Hektar (Stand Juni) nun ein deutlich kleineres, 3,4 Hektar umfassendes Areal in unmittelbarer Nähe zum Blausee ergeben. In ihren Ausführungen wies Vlatsa auf die hohen Anforderungen an die Umweltplanung hin, da sich das Areal in einem landschaftlich wertvollen Gebiet befindet: Es liegt in einem Vogelschutzgebiet und kreuzt einen FFH-Schutzgebietsstreifen. Ziel sei es, so die Diplom-Ingenieurin, ein attraktives Camping mit rund 150 Plätzen in einem städtebaulichen Zusammenhang zu schaffen, das sich mit der Nutzung des Sees verträgt. Dauercampen sowie das Abstellen von Wohnwagen über das ganze Jahr seien nicht vorgesehen. "Es soll ein saisonaler Betrieb von Ostern bis Oktober stattfinden", erklärte Vlatsa. Die Erschließung solle schrittweise - je nach Bedarf - von Norden erfolgen, "wobei die Wiesenfläche mit den Parkmöglichkeiten erhalten bleiben soll".

Auf Nachfrage von Ines Schweickert (CDU) erläuterte Bürgermeister Beck, dass die Wiese in der Tat wertvoll sei, jedoch bereits seit Jahren als Notparkplatz genutzt werde. Dass keine Zahlen vorlagen, die Hinweise zu den geplanten Kosten und möglichen Einnahmen durch Camper lieferten, daran störten sich die Fraktionen der SPD und Grünen maßgeblich. "Man will doch, dass sich das Minus, das durch den Blausee entsteht, minimiert", argumentierte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Holger O. Porath, weshalb seine Fraktion ohne diese Zahlen hier nicht zustimmen könne, zumal die Standortverhältnisse nicht ausgiebig berücksichtigt worden seien, verwies er unter anderem auf die regelmäßigen Überschwemmungen auf der geplanten Fläche.

"Nicht nur monetär sehen"

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Der Antrag, die Entscheidung zu vertagen, bis ein Rentabilitätsgutachten vorliegt, wurde mit 7:6 Stimmen abgelehnt. "Man darf das Ganze nicht nur monetär sehen. Der Campingplatz soll auch der Attraktivität des Sees dienen", erläuterte der Gemeindechef und Friedbert Blaschke (FWV) pflichtete ihm bei: "Der Gedanke war, den Blausee noch attraktiver zu machen. Dafür müssen wir einen Bebauungsplan aufstellen, um dann diskutieren zu können." Was machbar sei und was nicht, das sei Bestandteil des Verfahrens, ergänzte Matthias Steffan (FWV) und versuchte damit etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit sieben Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen wurde der Beschluss, den Bebauungsplan für den Campingplatz aufzustellen, schließlich gefasst.