AGV Frohsinn - Der Verein feiert sein 110-jähriges Bestehen / Blick in wechselvolle Geschichte / Maria Löhlein-Mader dirigiert seit 1991 Fest in der Gemeinde verankert

Von 
Franz Anton Bankuti
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Sängerschar vor 60 Jahren: Das Bild zeigt den gemischten Chor im Jahr 1958 anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des AGV Frohsinns. © Gemeinde

Altlussheim. „Na ja, vielleicht ist es kein direkt klassisches Jubiläum, wir finden es aber einfach klasse, dass wir das 110-jährige Bestehen unseres Vereines feiern können“, freut sich Vorsitzender Manfred Henkel. Die Vorbereitungen für das Festkonzert laufen auf Hochtouren. Der Ausblick für ein Jubiläum beinhaltet aber auch immer einen Rückblick, elf Jahrzehnte wechselvoller Vereins- und Weltgeschichte sind seit der Gründung vergangen.

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Viele waren in der damaligen Zeit beeindruckt von der Arbeitersängerbewegung, auch eine Reihe entschlossener Männer in Altlußheim, die sich nach einigen Vorgesprächen im damaligen „Ochsen“ zusammensetzten und im Jahre 1908 den Arbeitergesangverein gründeten, der später noch den Beinamen „Frohsinn“ erhielt. Dass man gleich 30 aktive Sänger hatte, zeigt, dass ein gewisser Bedarf bestanden hatte. Heinrich Nagel war an die Spitze des Vereins gewählt und Karl Hornung war zum Dirigenten bestimmt worden. Bereits zwei Jahre nach der Gründung nahmen die Sänger all ihren Mut und natürlich ihr zwischenzeitlich erzieltes musikalisches Können zusammen und traten in Heidelberg bei einem Bezirkswertungssingen auf. Und die Arbeitersänger aus der Gemeinde am Rheinbogen bekamen mit ihrem schwungvollen Lied „Frühling am Rhein“ das Prädikat „sehr gut“.

Schnell in Region etabliert

Das gab natürlich in jeder Beziehung viel Aufschwung, Anfang 1912 nahm man zusammen mit dem neuen Chorleiter Flößer an einem Gemeinschaftskonzert mit Hockenheim und Neulußheim teil. An Pfingsten 1913 war der Arbeitergesangverein erfolgreich beim Gastsängerfest in Karlsruhe mit dabei, der Verein war also schon nach wenigen Jahren bestens etabliert.

Der Erste Weltkrieg war schließlich auch hier eine schlimme Zäsur, viele Sänger waren nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt. Erstmals traf man sich Ende 1918, zehn Jahre nach der Gründung, wieder. Johann Stephan wurde zum Vorsitzenden gewählt und schon damals fasste man den Entschluss, mit einem gemischten Chor aufzutreten, Frauen waren danach für knapp ein Jahrzehnt mit dabei.

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Die Vereine insgesamt und vor allem die Arbeitergesangvereine kamen in der Folgzeit mehr und mehr in politische Bedrängnis durch die immer stärker werdenden Nationalsozialisten. Das für 1933 geplante und vorbereitete 25-jährige Jubiläum fand nicht statt, die Nationalsozialisten hatten die Macht übernommen, die Vereine wurden verboten.

Wieder zog weit über ein Jahrzehnt ins Land, bis man sich selbst zu neuem sängerischem Leben erwecken konnte. Im Jahre 1946 konstituierte sich der Verein aufs Neue, Friedrich Büchner stand jetzt an der Spitze, Dirigent August Dengler kam aus Hockenheim.

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Die Arbeitersängerbewegung hatte in Altlußheim nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt. Zunächst trat man als Männerchor auf, seit 1957 gibt es beim AGV nur noch den gemischten Chor. Als man im Jahre 1958 das 50-jährige Bestehen feierte, standen 60 Aktive des Männerchores auf der Bühne, der gemischte Chor zählte über 120 Sängerinnen und Sänger.

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Wie bei allen kulturtragenden Vereinen landauf, landab ist auch beim Arbeitergesangverein „Frohsinn“ die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger schwankend. Geblieben ist aber die Tatsache, dass der Verein nach wie vor als eine feste Vereinsgröße in der Gemeinde anzusehen ist. Veranstaltungen aller Art werden vom AGV musikalisch bereichert, eigene Konzerte fanden und finden fast jährlich statt und auch das gesellige Leben zeugt von der kurpfälzischen Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Dazu gehören kulturelle Reisen, an denen auch viele Nichtmitglieder teilnehmen konnten, die Altpapiersammlung des Vereins ist seit Jahrzehnten ein Zeichen dafür, dass man auf allen Ebenen „voll im Einsatz“ ist.

Jubiläumskonzert am Sonntag

Im 110. Jubiläumsjahr hat der Arbeitergesangverein „Frohsinn“ etwa 110 Mitglieder, knapp drei Dutzend davon sind aktive Sängerinnen und Sänger. Für die musikalische Kontinuität sorgt die Dirigentin des Arbeitergesangvereins, Maria Löhlein-Mader. Bereits seit dem Jahre 1991 trägt Maria Löhlein-Mader, die Vizepräsidentin des Badischen Chorverbandes ist, die musikalische Verantwortung und versteht es immer wieder aufs Neue, die Sänger zu motivieren und neue Akteure für den Chorgesang zu gewinnen.

Eine vierköpfige Band und ein Projektchor werden das Jubiläumskonzert unter dem Titel „Von Schubert bis Silbermond“ in der evangelischen Kirche am Sonntag, 14. Oktober, musikalisch ergänzen, spezielle Lichteffekte in der Kirche werden zusätzlich zu der akustischen auch für eine optische Überraschung der Besucher sorgen.