Theater-Pensionär - Horst Itschner blickt auf seine lange Karriere als Schauspieler zurück „Jede Rolle war ein großartiges Erlebnis“

Von 
Franz Anton Bankuti
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Altlußheim. Er hatte sich darauf gefreut: Erstmals in aller Ruhe zuzuschauen, zu genießen, zu erleben. Und jetzt mussten die Freilichtspiele im Steinbruch von Nußloch abgesagt werden. Horst Itschner wollte die Aufführungen der „Drei Musketiere“ gemütlich und entspannt erleben, als „Theater-Pensionär“ gewissermaßen. Zwei Jahrzehnte lang hatte er sie bereits miterlebt, aber anders, denn er stand stets auf der Bühne, mitten im Geschehen, oft in einer der Hauptrollen.

Horst Itschner glänzte bei der Jedermann-Aufführung 2009 in Nußloch als Dämon Mammon. © sal_itschner
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Der Altlußheimer Horst Itschner war und ist zeitlebens fasziniert vom Schauspiel, vom Theater, vom Rollenspiel, stand schon in frühester Jugend gerne auf der Bühne. „Sich verwandeln zu können, nicht nur in die Figur des anderen hineinzudenken, sondern seine Persönlichkeit anzunehmen, das war schon immer für mich der Reiz des Theaterspielens“, blickt Horst Itschner zufrieden zurück. Die Sachlichkeit seines Verwaltungsberufes in der Arbeitsagentur konnte diese stille Leidenschaft nicht verdrängen. In den letzten zwei Jahrzehnten erlebte Horst Itschner so etwas wie die Blüte seines Theater- und Bühnenlebens bei den Freilichtspielen im Steinbruch in Nußloch, die längst einen hervorragenden überregionalen Ruf haben.

Natürlich stand Horst Itschner in der Zwischenzeit immer wieder im Rampenlicht auf der Bühne. Bei den Reilinger „Passionsspielen“ vor genau zwei Jahrzehnten beispielsweise hatte er als „Kaiphas“ eine der Hauptrollen. Knapp ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Horst Itschner erfahren hatte, dass zu einer Theateraufführung in Nußloch Statisten für „Heckerhut und Gockelsfedern“ gesucht werden.

Nach drei erfolgreichen Aufführungen im Bereich des ehemaligen Schlösschens Bettendorf hatte man in Nußloch Interesse und Freude am Theaterspiel gefunden, eine Interessengemeinschaft Volksschauspiele wurde gegründet und in dem stillgelegten Steinbruch hatte man eine ideale Theaterkulisse gefunden.

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Ein hohes Niveau hatte sich die Interessengemeinschaft zum Ziel gesetzt, ein „Vollprofi“ der aktuellen Theaterszene führte und führt stets Regie und an alle Mitwirkenden werden hohe Anforderungen gestellt. Künstlerischer Leiter ist derzeit Georg Veit vom Capitol in Mannheim. „Was hier Jahr für Jahr geboten wird, ist genau an der Schwelle zum professionellen Theater, das scheint nahtlos ineinander überzugehen“, sind sich viele Stammgäste der alljährlichen Aufführungen einig. Dies zeigt auch die Auswahl der Schauspiele, die auch auf den Spielplänen der „großen Theater“ stehen.

Horst Itschner nahm Kontakt zur Interessengemeinschaft Volksschauspiele in Nußloch auf und erhielt gleich eine Statistenrolle. Doch dabei blieb es nicht, denn schnell war dem Regisseur klar, welch schauspielerisches Talent in dem wandlungsfähigen Altlußheimer steckt und fortan war er fast zwei Jahrzehnte lang in attraktiven Hauptrollen zu sehen. Im „Wilhelm Tell“ (als Attinghausen) und beim „Schinderhannes“ war er mit dabei, in „Jedermann“ hatte er nicht nur eine Glanzrolle, sondern konnte auch sein gesangliches Können und beim „Raub der Sabinerinnen“ als Geschichtsprofessor Gollwitzer auch sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen.

Auf den Leib geschrieben

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In Carl Zuckmayers „Fröhlicher Weinberg“ schien ihm die Rolle des Weingutbesitzers Gunderloch auf den Leib geschrieben zu sein. In Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ konnte Itschner in der Hauptrolle des Alfred Ill die emotionale Bandbreite seines schauspielerischen Könnens regelrecht demonstrieren.

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Horst Itschner fühlte sich wohl in all seinen grundverschiedenen Rollen. „Ich konnte meine Theaterleidenschaft voll ausleben“, blickt Horst Itschner heute zufrieden zurück, harte Probenarbeit von Dezember bis Juni, stets über 70 Probentermine, waren schnell vergessen, wenn man die Atmosphäre bei alljährlich zehn restlos ausverkauften Aufführungen mit nahezu 9000 Besuchern erleben konnte und der Beifall zeigte, dass das Publikum begeistert war.

„Jede einzelne Aufführung und jede Rolle waren ein großartiges Erlebnis für mich“, resümiert Horst Itschner, kommt aber doch nicht umhin, auf die Spielzeiten 2008 und 2009 hinzuweisen. „Sehen Sie, ich hatte das Glück, meine Traumrolle als Pfarrer in „Don Camillo und Peppone“ unter dem damaligen Regisseur und Kammerschauspieler Peter Nassauer zu spielen, kommt Itschner nach über einem Jahrzehnt noch ins Schwärmen. Er vergesse nicht, so Itschner, den begeisterten Applaus des Publikums und auch nicht, wie ihn einige Geistliche nach der Aufführung persönlich angesprochen haben: „Sie meinten, den Pfarrer habe man mir voll abnehmen können. Was wollte ich mehr?“

Im „Hauptmann von Köpenick“ in der letzten Saison spielte er noch den Gefängnisdirektor, jetzt will er sich mit 78 Jahren von der Bühne zurückziehen, zur eingeschworenen Gemeinschaft der Nußloch Theaterleute gehört er aber weiterhin, ebenso wie seine Frau Sigrid. In all den Jahren half sie nämlich tatkräftig im Servicebereich mit.

In Nußloch legt man nämlich bei den Theateraufführungen viel Wert darauf, dass die Gesamtveranstaltung einen gewissen Volksfestcharakter hat, dass kulturell und kulinarisch etwas geboten wird und die Stammbesucher wissen, dass „Schwartenmagen und Salzweck“ ganz einfach zum Gesamterlebnis gehören.

Ob er es sich nun selber eingestehen will oder nicht: Die Bühnenpräsenz wird schon ein wenig fehlen, die unauslöschliche Erinnerung an markante Aufführungen und das Bewusstsein, zwei Jahrzehnte lang auch so etwas wie „ein fester lebender Bestandteil“ der Nußlocher Freilichtaufführen gewesen sein, machen zufrieden und naturgemäß neugierig darauf, wie es dort weitergeht. Sich zurücklehnen, den andern die Daumen drücken, mitfiebern und mitfreuen, das möchte Horst Itschner künftig tun, auch wenn es in diesem Jahr coronabedingt nicht klappt.

Langeweile wird trotzdem im Hause Itschner nicht aufkommen, dafür sorgen auch schon die fünf Enkelkinder und auch Sigrid und Horst Itschner haben viele Ideen und Pläne, die stets hintanstehen mussten, weil Textlernen und Proben viel Zeit in Anspruch genommen hatten. Aber, und darauf legt Horst Itschner Wert: „Es hat sich gelohnt“.