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Kriegbach - Landtagsabgeordneter Baumann optimistisch

Probelauf um Kriegbach-Pegel dauerhaft zu sichern

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zg/aw
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Zentimeterweise kehrt das Wasser am Wochenende in den Kriegbach zurück. Probeweise wird die Wasserverteilung zwischen Kraich- und Kriegbach neu geregelt. Nun wird nach einer dauerhaften Lösung gesucht. © Rösch

Altlußheim/Reilingen. Das Niedrigwasser am Kriegbach und am Kraichbach sorgte seit Anfang August für jede Menge Gesprächs- und Handlungsbedarf bei Anglern und Naturschützern in Altlußheim und Reilingen. Auch beim Landesbetrieb Gewässer (LBG) im Regierungspräsidium Karlsruhe wurde Alarm geschlagen und eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu ändern sowie Planungen für die Zukunft zu erstellen. In einer Pressemitteilung informiert das Regierungspräsidium (RP) über durchgeführte und geplante Vorhaben.

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Am Kraichbachpegel in Ubstadt-Weiher seien in den vergangenen Wochen weiterhin Abflüsse von größtenteils weniger als 600 Liter pro Sekunde zu beobachten gewesen. Das entspreche einem geringeren Abfluss als dem Mittelwert niedrigster jährlicher Abflüsse. Der normale mittlere Abfluss liege bei fast dem Doppelten. „Diese Situation führte auch in den letzten Wochen immer wieder zu einem abschnittsweisen Trockenfallen des Kriegbachs zwischen Schneidmühlwehr und dem seitlichen Zufluss des Duttlacher Grabens südlich von Neulußheim“, so das RP.

Funktion als Hochwasserschutz

Bestimmungsgemäß diene der Kriegbach in erster Linie der Hochwasserentlastung des Kraichbachs. Nördlich des Pegels Ubstadt-Weiher werde der Abfluss des Kraichbachs am Schneidmühlwehr zwischen Kraichbach und Kriegbach – gleichzeitig der Beginn des Kriegbachs – aufgeteilt. Der Hauptanteil des Abflusses verbleibe gemäß der wasserrechtlichen Genehmigung im Kraichbach. Der Zufluss in den Kriegbach erfolge bei niedrigen und mittleren Abflüssen über die Fischtreppe. Das Schneidmühlwehr selbst werde nur im Hochwasserfall gesteuert. Eine Steuerung im Niedrigwasserfall sei planmäßig bisher nicht vorgesehen gewesen und gestaltete sich daher mit den vorhandenen baulichen und technischen Einrichtungen sehr schwierig.

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Der LBG habe in den vergangenen Wochen den Verein Tierrettung Unterland mit der Sondierung der Situation am Kriegbach sowie, falls erforderlich, mit der Durchführung von Fischversetzungsaktionen beauftragt. Gleichzeitig hätten Mitglieder des SFC Rheinsalm Altlußheim und des ASV Reilingen in Abstimmung mit dem LBG mehrere solcher Aktionen durchgeführt.

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Gleichzeitig habe der Landesbetrieb ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung eines Konzeptes für eine mögliche Aufteilung des Kraichbachwassers am Schneidmühlwehr in Form eines temporären Probebetriebs beauftragt, stellt das RP fest. Bei einem Vor-Ort-Termin am Montag, 20. September, mit einem Vertreter des Ingenieurbüros, des BUND und Vertretern des LBG seien hierzu Abflussmessungen an mehreren relevanten Stellen vorgenommen worden und habe ein erster Austausch stattgefunden.

Das so erarbeite Konzept sei bereits im Laufe der letzten Woche zur Erteilung einer temporären wasserrechtlichen Erlaubnis vom LBG bei der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Karlsruhe eingereicht worden. Diese Erlaubnis liege seit Freitag, 24. September, vor, sodass bereits am gleichen Tag versuchsweise mit dem Probetrieb begonnen werden konnte.

Wasserverteilung neu geregelt

„Die Steuerung erfolgte dabei durch ein sukzessives Herunterfahren des Schützes im Kraichbach direkt unterhalb am Schneidmühlwehr. Der dadurch erzeugte Rückstau im Kraichbach erhöht den Zufluss in den Kriegbach über die Fischtreppe. Aufgrund des aktuell sehr geringen Abflusses im Kraichbach von 510 Liter pro Sekunde am Pegel Ubstadt-Weiher muss der LBG die ausgeleitete Wassermenge auf das unbedingt erforderliche Maß begrenzen. Die Rahmenkriterien ergeben sich dabei aus dem mit dem Ingenieurbüro entwickelten Konzept und der temporären wasserrechtlichen Erlaubnis“, schildert das RP.

Für Dienstag, 5. Oktober, hat der Landesbetrieb außerdem zu einem Informationsaustausch Vertreter aller betroffenen Kommunen, des BUND, der ortsansässigen Angelvereine sowie der zuständigen Unteren Wasserbehörden in den Bürgersaal der Gemeinde Altlußheim eingeladen.

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„Das Wasser im Kriegbach fließt wieder“, freut sich der Landtagsabgeordnete der Grünen Dr. Andre Baumann in einer Pressemitteilung über die kurzfristigen getroffenen Maßnahmen und hofft auf eine dauerhafte Lösung. „Dem Kriegbach wird kurzfristig mehr Wasser zugeteilt. Das ist eine sehr gute Botschaft“, so Baumann. „Ich danke dem Landesbetrieb Gewässer und der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt, dass schnell und unbürokratisch eine Übergangslösung gefunden wurde.“

„Das grundsätzliche Problem für die Niedrigwassersituation an unseren Gewässern sind zu geringe Niederschläge – auch im nassen Sommer 2021“, betont Baumann. Obwohl die Pegelstände des Kraichbachs in den vergangenen Jahren keinen deutlichen Trend zeigten, gebe es beim Grundwasser in der Schwetzinger Hardt eine deutliche Tendenz. „Der Grundwasserspiegel sinkt und sinkt. Und natürlich gibt es Wechselwirkungen zwischen Bach und Grundwasser. Aber wie sich der sinkende Grundwasserstand auf den Kriegbach auswirkt, das ist bislang noch nicht ausreichend bekannt.“ Er ist froh, dass bei Begehungen des Kraichbachs vom Landesbetrieb Gewässer keine illegalen Wasserentnahmen festgestellt werden konnten.

Keine illegalen Entnahmen

„Die Renaturierung des Kriegbachs ist nach Ansicht aller Gewässerexperten nicht verantwortlich für das Trockenfallen“, so der Landtagsabgeordnete. Im vergangenen Jahr hat der Landesbetrieb Gewässer den Kriegbach zwischen Altlußheim und Bad Schönborn aufwendig renaturiert. Querbauwerke wurden entfernt, damit Fische und Kleinstlebewesen den Bach durchwandern können. Aus dem meist schnurgeraden Bach sei ein sich schlängelndes Gewässer mit Kiesbänken, Stein- und Wurzelbuhnen geworden. „Die Renaturierung des Kriegbachs ist eine sehr wichtige Maßnahme, um dem Bach mehr Leben einzuhauchen“, sagt Baumann und verweist auf die Wasserrahmen-Richtlinie der EU, die vorschreibt, dass bis 2027 alle europäischen Gewässer in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden müssen.

„Wichtig ist es, eine dauerhafte Lösung zu finden. Es ist darum positiv, dass der Landesbetrieb Gewässer ein Konzept bei Niedrigwasserphasen für den Kriegbach erarbeiten wird und dabei verschiedene Akteure beteiligt“, sagt Baumann. Es gehe darum, für die nächste Niedrigwasserphase besser vorbereitet zu sein. Baumann ergänzt: „Auf Hochwasserereignisse an unseren Bächen und Flüssen sind wir gut vorbereitet, auf Niedrigwasserereignisse noch nicht im erforderlichen Maße.“

Wie im grün-schwarzen Koalitionsvertrag verankert, werde das Land außerdem eine Strategie zur Vermeidung von Risiken und Nutzungskonflikten bei Niedrigwasser und abnehmenden Grundwasserreserven erarbeiten, die bis Ende 2021 vorliegen soll. Außerdem sollen Instrumente zur Bewirtschaftung und Steuerung von Wassernutzungen in Niedrigwasserphasen entwickelt werden. „Wenn Wassermangel herrscht, dann muss gehandelt werden. Und zwar planvoll, schnell und mit den richtigen Mitteln. Dazu gehört auch, dass dann vielleicht die eine oder andere genehmigte Wasserentnahme zeitweise gestoppt werden muss“, so Baumann. zg/aw

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