Coronavirus 15 Infizierte in Brühler Pflegeheim

Von 
Katja Bauroth
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Heimbewohner und -mitarbeitende wurden getestet (Symbolbild). © dpa

Brühl. „Bedauerlicherweise wurde in unserem Hause ein Bewohner positiv auf Covid-19 getestet“, heißt es am Montagmittag noch immer in einer aktuell veröffentlichten Stellungnahme des B+O-Seniorenzentrums in Brühl. Man stehe seither im engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht, wird betont.

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In einer Pressemitteilung des Rhein-Neckar-Kreises klingt es allerdings inzwischen ganz anders. Dort wird mitgeteilt, dass in der Brühler Alten- und Pflegeeinrichtung nach aktuellem Stand der Ermittlungen bereits 15 Bewohnende positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Das Gesundheitsamt teilt mit, dass dabei momentan zwei Wohnbereiche der Einrichtung in der Mannheimer Landstraße betroffen seien.

Mitarbeiter suchen den Kontakt

Nach mehreren positiven Schnelltests bei Bewohnern hatte das Gesundheitsamt bereits Ende vergangener Woche bei Senioren der betroffenen Wohnbereiche entsprechende eigene Test durchgeführt. Die Mitarbeitenden der Einrichtung seien zudem teilweise über die Hausärzte oder in den Corona-Testzentren getestet worden. „Hier ist der abschließende Ergebnisrücklauf noch abzuwarten“, heißt es seitens der Behörde zum Infektionsgeschehen im Seniorenheim.

Das Gesundheitsamt ermittele aktuell die bisherigen Kontaktpersonen der Infizierten, hebt das zuständige Landratsamt hervor. Gemeinsam mit der Heimleitung wurden ein Aufnahmestopp und ein absolutes Besuchsverbot für die Pflegeeinrichtung verhängt.

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Mitarbeiter des Hauses würden in den kommenden Tagen alle Angehörigen telefonisch über die neue Situation informieren, bittet das Team des B+O-Seniorenheims in der Mannheimer Landstraße in einer offiziellen Stellungnahme noch um Geduld und Mithilfe der Angehörigen. Bislang, so wird der Eindruck vermittelt, sei alles Weitere unter Kontrolle.

Dennoch werde es weiterhin beim Besuchsverbot bleiben, wird angekündigt, deshalb solle man als Angehöriger über Angebote wie Skype oder Telefonanrufe den Kontakt zu seinen Liebsten im B+O-Seniorenzentrum pflegen, wird seitens der Heimleitung appelliert.

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Bislang, so zeigen Anrufe von besorgten Angehörigen bei unserer Zeitung, fühlen die sich allerdings eher alleingelassen. „Seit Freitag sind die Ergebnisse bekannt“, bemängelt ein Anrufer im Gespräch, „und mir konnte bislang niemand – weder bei den Behörden noch im Seniorenzentrum – wirklich verbindlich mitteilen, wo ich als Kontaktperson zeitnah einen entsprechenden Corona-Schnelltest machen lassen kann“, berichtet ein Mann, der ungenannt bleiben möchte, von seinen Erfahrungen.

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In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie es in der Gemeinde mit Impfungen für die Senioren aussieht? Menschen in Pflegeeinrichtungen gehören per Definition zu den Personen, denen der Corona-Impfstoff vorrangig zur Verfügung steht. Nicht nur B+O, insgesamt sind mit der Pro-Seniore-Residenz zwei, der 166 im Rhein-Neckar-Kreis befindlichen stationäre Pflegeeinrichtungen in der Hufeisengemeinde angesiedelt. Dazu kommen weitere betreute Wohnanlagen mit Pflege im ambulanten Bereich.

Doch sind mittlerweile alle impfwilligen Bewohner und das in den Einrichtungen beschäftigte Pflegepersonal zwischenzeitlich tatsächlich geimpft? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

„Bei Pro Seniore in der Mannheimer Landstraße warten wir aktuell noch auf einen Impftermin, der zentral vom Land vergeben wird“, erklärt Peter Müller, Pressesprecher der Pro-Seniore-Gruppe, die deutschlandweit rund 100 Einrichtungen betreibt. „Zunächst mussten wir von allen Bewohnern oder deren Betreuer Einverständniserklärungen einholen, denn das Impfen ist eine absolut freiwillige Angelegenheit. Die genaue Ermittlung des Bedarfs an Impfstoff, der dann von einem mobilen Impfteam zum Termin mitgebracht wird, ist im Vorfeld sehr wichtig, denn wie in den Medien bereits mitgeteilt, ist der Impfstoff aktuell sehr begrenzt. Erfreulicherweise haben sich über 98 Prozent der 104 Bewohner in unserer Brühler Residenz für eine Erstimpfung entschieden. Nun hoffen wir, dass der Impftermin schnell zustande kommt“, führt Müller im Gespräch weiter aus.

Information des Personals

Beim Pflegepersonal würden im ersten Schritt rund die Hälfte der Beschäftigten in der Brühler Pro-Seniore-Residenz geimpft werden. Dabei möchte man seitens des Unternehmens keinen Druck auf das ohnehin durch die Corona-Situation schon sehr geforderte Personal ausüben. „Uns ist es wichtig, dass wir unser Personal umfassend informieren, und bieten deshalb aktuell Infoveranstaltungen an, in denen solche Pflegekräfte zu Wort kommen, die einerseits in einer Einrichtung arbeiten, die von einer Infektion betroffen war, oder selbst eine Covid-19-Infektion überstanden haben. So können sich unsere Pflegekräfte einen Überblick verschaffen und dann frei entscheiden, ob sie eine Impfung wünschen“, erklärt Peter Müller die Vorgehensweise weiter.

Auch für den zweiten Impftermin, der laut Empfehlung nach wenigen Wochen erfolgen solle, bedürfe es dann einer erneuten Erklärung der Bewohner – das sei natürlich auch ein weiterer zusätzlicher Aufwand im Tagesablauf.

Beim Pflegedienst Triebskorn, der in der Ahornstraße und in der Hauptstraße der Hufeisengemeinde Wohnanlagen für Senioren betreut, gestalte sich die Situation rund um das Thema Impfen völlig anders. „Unsere Wohnanlagen sowie der ganze ambulante Pflegebereich werden im Vergleich zu stationären Einrichtungen anders eingestuft. Daher können wir uns nicht an eine zentrale Terminvergabestelle wenden und zu unseren Anlagen wird auch kein mobiles Impfteam kommen. Hier müssen sich die Bewohner oder die Betreuer in deren Vertretung selbst um Impftermine und den späteren Transfer zu dem gewählten Impfzentrum kümmern“, erklärt Gazmend Wiedmaier, Geschäftsführer des Pflegedienst Triebskorn auf Anfrage unserer Zeitung.

Beim inzwischen von Corona-Infektionen betroffenen B+O-Seniorenzentrum könne unsere Anfrage, wie es in diesem Seniorenzentrum mit der Impfung aussieht, wegen der aktuell angespannten Situation nicht beantwortet werden, heißt es seitens der Unternehmensleitung gegenüber unserer Zeitung. Man wolle aber engmaschig über die weitere Entwicklung informieren, verspricht die Gruppe auf ihrer Homepage.

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Ralf Strauch
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Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.