Gerichtsprozess - 37-jährige Frau erhält wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eineinhalb Jahre Gefängnis auf Bewährung / Richterin ordnet regelmäßige Drogenscreenings an Amphetamine und Haschisch im Gefrierfach

Von 
Volker Widdrat
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Brühl. Wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge musste sich eine 37-jährige Brühlerin vor dem Schöffengericht verantworten. Die Marokkanerin hatte Amphetamin sowie 200 Gramm Haschisch in ihrer Wohnung aufbewahrt.

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Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, die mit 13 Jahren in Marokko zwangsverheiratet und gegen ihren Willen nach Deutschland gebracht worden war, hatte nach der Scheidung von ihrem Mann einige Zeit in einem Frauenhaus gelebt. Sie habe dann den Hauptschulabschluss nachgeholt und eine Ausbildung zur Friseurin gemacht, schilderte die Angeklagte dem Gericht ihre persönlichen Lebensumstände. Wegen einer psychischen Erkrankung müsse sie Medikamente einnehmen, ab und zu rauche sie auch Marihuana, um besser schlafen zu können.

Die Drogen, die von der Polizei in einem Gefrierfach gefunden worden waren, habe sie für einen Bekannten, dessen Namen sie nicht nennen wolle, für ein paar Tagen aufbewahrt. Dafür habe sie 20 Euro bekommen.

Ein 54-jähriger Anwohner hatte nahe der Wohnung der Angeklagten eines Morgens eine Brotdose „mit weißem Pulver und braunen Stücken“ gefunden. Die 37-Jährige hatte die Betäubungsmittel aus dem Fenster geworfen, als Polizei in dem Haus wegen Ruhestörung ermittelt hatte.

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Eine 30-jährige Mieterin berichtete, dass es in der Wohnung der Angeklagten oft „extrem laut“ gewesen sei. Außerdem habe man öfters den Geruch von Marihuana wahrnehmen können. Der Untersuchungsbericht des Landeskriminalamtes zeigte im Blutentnahmeprotokoll, das die 37-Jährige am Vorabend der Durchsuchung einige Joints geraucht hatte. Ein Beamter des Polizeireviers Neckarau bestätigte, dass es zu Auffälligkeiten gekommen sei: „In der Wohnung war ein süßlicher Geruch. Die Frau war aber nicht zugedröhnt.“

Die Angeklagte hatte bereits beim Kriminaldauerdienst umfassende Angaben gemacht. Das Haschisch und die Amphetaminpaste habe sie für einen Bekannten versteckt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft konnte keinen minderschweren Fall erkennen. Die Frau habe aber keine Vorstrafen. Er forderte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, dazu regelmäßige Drogen-screenings und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit.

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Verteidiger Martin Merkel-Günther appellierte an die Anklage, „die Kirche im Dorf zu lassen“. Seine Mandantin stehe unter Betreuung und sei in medizinischer Behandlung. Sie habe den Tatvorwurf eingeräumt und nur ein geringes Entgelt für die Aufbewahrung der Drogen erhalten. Die 37-Jährige weiche weit von „normalen Tätern“ ab. Der Rechtsanwalt stellte eine mäßige Bewährungsstrafe in das Ermessen des Gerichts. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Sarah Neuschl urteilte auf ein Jahr und sechs Monate. Die Angeklagte habe in dem minderschweren Fall alles zugegeben. Marihuana sei eine weiche Droge, die Rauschmittel seien auch nicht in den Konsumentenkreislauf gelangt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Die 37-Jährige, die zudem 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss, darf künftig nicht mehr kiffen. Das müsse sie durch regelmäßige Drogenscreenings nachweisen. „Die Tests müssen negativ sein, sonst gehen Sie ins Gefängnis“, warnte die Vorsitzende.