Fundstück - In der Weimarer Republik sorgt ein Beschäftigungsprogramm für Hochwasserschutz Arbeitsdienst rettet die Dämme

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ras
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Brühl. Die Geschichte des Kampfes gegen die Rheinfluten ist lang. Ein früher Vorkämpfer war da Ritter Johann von Jung. Als er 1571 Rohrhof erwarb, konnte er darangehen, seine hochtrabenden Pläne für den Weiler zu verwirklichen. Er wollte die wenigen Häuser dort, die Wiesen und Felder eindeichen, um sie vor dem regelmäßigen Hochwasser zu schützen.

Der Freiwillige Arbeitsdienst ist beim Hochwasserschutz aktiv gewesen. © rieger
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Dazu umgab er die gesamte Gemarkung mit Deichen und Gräben, die von derart guter Qualität in Planung und Ausführung waren, dass sie noch Jahrzehnte später den Ort vor der Überflutung durch den Rhein schützen sollten. Doch es war schon damals ein kostenintensives Geschäft, so musste der Ritter jährlich 50 Gulden allein für die Instandhaltung der Dämme investieren – das überforderte in schließlich finanziell.

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Von einem viel späteren Kapitel des Hochwasserschutzes berichtet ein Fundstück unseres Mitarbeiters Gerhard Rieger. Er hat in seinem „Kartonarchiv“ einzelne Seiten einer Zeitschrift gefunden, in der über den Arbeitsdienst in den frühen 1930er Jahren berichtet wird. Der Freiwillige Arbeitsdienst war ein 1931 eingeführtes öffentlich gefördertes Beschäftigungsprogramm der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung der Weimarer Republik. Junge, arbeitslose Menschen sollten sich freiwillig zusammenfinden, um von für eine befristete Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit einen Nutzen stiften und andererseits den Betroffenen das Gefühl geben sollte, gebraucht zu werden. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich entstand daraus 1935 der Reichsarbeitsdienst.

Mit vier Bildern und einem kurzen, aber informativen Text wird berichtet, wie der Arbeitsdienst gegen die Fluten kämpft. „Wenn der Damm gebrochen ist, dann ist jede Minute kostbar. Der Arbeitsdienst kommt mit Spaten und Brettern im Laufschritt an“, heißt es in einer Bildunterschrift. Es wird gezeigt, wie Pfähle zur Sicherung des Dammes eingerammt werden, walzenförmige Reisigbündel – sogenannte Faschinen – werden in den Schutzwall eingearbeitet und Sandsäcke sorgfältig aufgeschichtet.

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Der Autor macht sich zudem Gedanken über die Katastrophe Hochwasser. „Das Gefährliche an diesen Naturereignissen ist ihr plötzliches Eintreten“, heißt es da, nach einem 24-stündigen Dauerregen könnten schon „unvorhersehbare Dammbrüche eintreten, die Überschwemmungen nach sich ziehen“. Um den schwersten Schaden zu vermeiden, müssten sofort starke Einsatzkräfte „an die gefährdete Stelle geworfen werden, um den durchbrochenen Damm auszubessern und dahinter neue Schutzwälle zu errichten“.

Darum werde der Arbeitsdienst „neuerdings geschult, in außerordentlichen Fällen Hilfe zu leisten“. So habe die Landbevölkerung in gefährdeten Bezirken auch nicht mehr das Gefühl, Naturereignissen schutzlos gegenüberzustehen. ras

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