Marion-Dönhoff-Realschule - Für die Prüfungen sind umfangreiche Maßnahmen getroffen worden / Improvisieren und Kreativität sind auch für Abschlussfeier nötig Auf die Plätze, fertig, los – in der Halle

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Volker Widdrat
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Ab hier geht es nicht mehr weiter. Schulleiter Martin Jendritzki zeigt, dass in der Schule die Hygienevorgaben zum Infektionsschutz eingehalten werden müssen. © Volker Widdrat

Brühl/Ketsch. Achim Koob hatte in den vergangenen Wochen sehr viel zu tun. Der Hausmeister der Marion-Dönhoff-Realschule musste neben seiner täglichen Arbeit noch die Tische und Stühle für die schriftlichen Abschlussprüfungen in den notwendigen Abständen aufstellen. Aber nicht im Schulgebäude selbst, denn die Zehntklässler schreiben dieses Mal in der Sporthalle. Dort können die Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie am besten gewährleistet werden. Außerdem ist durch das hohe Raumvolumen ein ausreichender Luftaustausch gegeben.

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Die Prüfungen für die 107 Realschüler in vier 10. Klassen starteten am Mittwoch mit dem Fach Deutsch. Am Montag, 25. Mai, folgt dann Mathematik und am Mittwoch, 27. Mai, das Fach Englisch. Die mündlichen Prüfungen finden im Juli statt. Die Hygienevorgaben zum Infektionsschutz gelten auch für die Abschlussprüfungen. Der Zutritt in die Sporthalle erfolgt gestaffelt nach Klassen über die Rampe und nicht über den eigentlichen Eingang. Alle Schüler müssen an Desinfektionssäulen ihre Hände desinfizieren. Jede Klasse hat ihre eigenen Reihen. Die richtige Zuordnung erfolgt mittels eines Farbcodes auf dem Tisch. Für die Schüler gibt es einen zugewiesenen Platz, an dem Taschen deponiert werden können.

Sechs Lehrkräfte sind für die Aufsicht zuständig. Schüler, die zur Toilette wollen, müssen ihren Namen und die Klasse bei der jeweiligen Aufsicht angeben. Die Durchführung der Abschlussprüfungen in der Sporthalle seien mit dem staatlichen Schulamt sowie dem Schulträger abgestimmt worden, sagt Schulleiter Martin Jendritzki.

Um die Infektionsgefahr durch Corona einzudämmen, mussten umfangreiche Maßnahmen getroffen werden. Vor den jeweiligen Prüfungstagen werden die Sporthalle sowie alle Tische und Stühle von einer Reinigungsfirma entsprechend der Maßgaben desinfiziert und gereinigt. Auch die Toiletten werden von einer Reinigungskraft ständig gesäubert.

„Betrieb bisher problemlos“

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„Die Wiederaufnahme des Schulbetriebs hat bisher problemlos geklappt“, freut sich Jendritzki. Seit 4. Mai sind die neunten und zehnten Klassen wieder zurück. Am 15. Juni, dem ersten Schultag nach den Pfingstferien, geht es dann schrittweise mit den Klassenstufen fünf bis acht weiter.

Die Marion-Dönhoff-Realschule hat für alle 621 Schüler einen Flyer mit „Verhaltensregeln im Corona-Schulbetrieb“ aufgelegt. Vor dem Betreten der Klassenzimmer muss eine Handdesinfektion durchgeführt werden. Hausmeister Achim Koob hat dazu vor jedem Klassenraum eine Desinfektionsstation aufgestellt. Im Schulgebäude stehen noch mehr solcher Desinfektionsspender und in den Klassenzimmern liegen Desinfektionstücher aus.

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Jeder Unterricht ist doppelt besetzt, so dass die Gruppen möglichst klein gehalten werden können. Um die Abstandsvorschriften einhalten zu können, dürfen sich maximal 15 Schüler in einem Klassenzimmer aufhalten. Die Klassenzimmer werden bewusst nicht abgeschlossen, damit sich vor den Räumen sowie auf den Fluren keine Schüleransammlungen bilden. Im Schulgebäude oder auf dem Gelände wird das Tragen einer Mund-Nase-Maske empfohlen. „Im Unterricht kann die Maske abgesetzt oder getragen werden, ganz wie die Schüler wollen“, meint Jendritzki.

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Die Auf- und Abgänge in das obere Stockwerk sind getrennt. Die Bibliothek und die Leseecke unserer Zeitung dürfen nicht genutzt werden. Einbahnregeln sind zu beachten. Der Bereich zum Rektorat und zum Lehrerzimmer ist Sperrzone. In den Pausen befindet sich jede Klasse in dem für sie reservierten Bereich. Dort hat jeweils eine Lehrkraft Aufsicht. Es sind dann immer maximal fünf Klassen in der Pause. Sportunterricht gibt es zurzeit auch nicht. Ein Bäckerverkauf darf noch nicht angeboten werden. Die Berufsberatung ist weiterhin für die Schüler da. Fragen oder Ausbildungswünsche können telefonisch oder per Mail gemeldet werden.

Eigener digitaler Klassenraum

Auch die Schulsozialarbeit hilft. Manche Schüler haben bestimmt Redebedarf. Sebastian Köppe ist telefonisch, über WhatsApp oder Instagram zu erreichen. Homeschooling wird in der derzeitigen Situation großgeschrieben. Die Dietmar- Hopp-Foundation ermöglicht Schreib-, Audio- und Videochats in jeder Klasse und jedem Fach. Durch das Videokonferenztool Jitsi hat so jede Klasse ihren eigenen digitalen Klassenraum zur Verfügung. Die Teilnahme ist via Smartphone und Tablet problemlos über die kostenlose App „Digitales Klassenzimmer“ möglich.

Ganz neu nutzt die Realschule das Webkonferenz-Tool „Big Blue Button“ für das Online-Lernen. Dadurch können Schulungen in Echtzeit durchgeführt werden. Es gibt sogar ein Live-Whiteboard, auf dem Notizen den Schülern automatisch angezeigt werden. Das Lernen findet also weiterhin im Austausch mit einer Lehrkraft statt. Lehrkräfte, die zur Risikogruppe zählen, sind aber nicht im Präsenzunterricht.

Wie es nach den Sommerferien im neuen Schuljahr weitergehen soll, weiß auch Rektor Martin Jendritzki noch nicht: „Wir stellen uns auf alles ein. Solch eine Herausforderung haben wir alle noch nicht erlebt. Die Corona-Krise hat alles auf den Kopf gestellt.“ Wenn die Zehntklässler ihre schriftlichen Abschlussprüfungen und auch das Mündliche gemeistert haben, muss noch weiter improvisiert werden.

Eine Abschlussfeier, wie sie in der Festhalle stattfinden sollte, wird dieses Mal nicht möglich sein. Dass das Ende der Schulzeit einen unvergesslichen Höhepunkt im Leben darstellt, ist aber auch klar. Zeugnisausgabe und Grußadressen per Video-Box, eine von den Schülern gestaltete Abschlusszeitung, ein besonderer Cocktail – es gibt schon einige Ideen. Schließlich soll der erste – und hoffentlich letzte – „Corona-Jahrgang“ der Schule gebührend verabschiedet werden. „Wir werden kreativ sein“, verspricht Jendritzki.