Hochwasser - Sperrungen bleiben trotz niedrigerer Pegelstände / Noch keine Aussage über Sanierung des gebrochenen Sommerdamms / Entwässerung im Fokus Ausmaß der Flutschäden in Brühl ist noch unklar

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Ralf Strauch
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Auch wenn die Wege – auf dem Bild der Landwirtschaftsweg von der Mühlgasse zur Teufelsbrücke – in den Schwetzinger Wiesen so aussehen, als wären sie wieder problemlos begehbar, bleiben sie gesperrt. Gründe sind laut Gemeindeverwaltung die weiterhin wegen des Wassers auf den Wiesen geltende Lebensgefahr sowie der Schutz der Wildtiere. © Ertl

Brühl. Die Pegelstände des Rheins gehen nach dem Hochwasser wieder runter. Im Vergleich zum Wochenende liegt der Wert am Dienstagmorgen etwa einen halben Meter tiefer – Tendenz: weiter sinkend. Doch das bedeute nicht, dass das Wasser innerhalb kürzester Zeit wieder ins Bett des Flusses zurückfindet. „Es fließt nicht so schnell ab, wie manche hoffen“, erklärt der Brühler Amtsleiter Jochen Ungerer, „die Wiesen zwischen Ortsbebauung und Sommerdamm werden noch eine ganze Zeit lang überflutet bleiben“.

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Aus diesem Grund würden die Sperrungen wegen des Hochwassers auch noch nicht so zügig wieder aufgehoben werden. „Es besteht weiterhin Gefahr für Menschen und für die Wildtiere dort“, erklärt der Amtsleiter auf Nachfrage unserer Zeitung. Über den Zeitpunkt einer Öffnung von Weidweg und Kollerstraße müsse zudem das Landratsamt entscheiden. Dazu sei es jedoch notwendig, dass die Straßenmeisterei zunächst Asphaltdecke und Unterbau dieser Landesstraße 630 auf eventuelle Schäden untersucht.

Hochwasser Brühl: Sommerdamm ist gerissen

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Auch die Stadt Schwetzingen, die für den Sommerdamm zuständig ist, kann derzeit noch keine Auskunft geben, wie es mit dem durch den Wasserdruck nahe dem Rohrhofer Friedhof gerissenen Deich weitergeht. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussage dazu machen, wann und auf welche Weise der Sommerdamm saniert werden wird. Wir müssen erst das Ausmaß des Schadens genau kennen“, erklärt die Schwetzinger Amtsleiterin Andrea Baisch auf unsere Anfrage.

Aktuell sei durch das Hochwasser noch nicht zu sagen, wie groß der Grad der Zerstörung ist. „Das volle Ausmaß kann erst begutachtet werden, wenn das Wasser auch zum größten Teil aus den Flächen hinter dem Damm abgelaufen ist.“ Sollte eine Instandsetzung die Kosten von 20 000 Euro überschreiten, müsste der Schwetzinger Gemeinderat darüber entscheiden, erklärt Baisch.

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Es gab auch schon Überlegungen von Naturschutzgruppen über einen Rückbau des Sommerdamms zwischen Rohrhof und Leimbach – dabei geht es nicht um den Hochwasserschutzdamm, der die Ortsbebauung direkt schützt, sondern um den deutlich niedrigeren Deich. Damit sollen die Schwetzinger Wiesen wieder renaturiert und zusätzliche Überflutungsflächen geschaffen werden. Auf der Gesamtfläche von 280 Hektar – zur einen Hälfte Naturschutzgebiet zur anderen Landschaftsschutzgebiet – wird noch auf 88 Hektar Ackerbau betrieben. Die Aufgabe des Sommerdamms würde sich aber doch erheblich auswirken.

Wiesenwart zeigt Bedeutung auf

„Wäre der Sommerdamm in seiner Funktion nicht vorhanden, würde bei so ziemlich jedem Hochwasser der Rhein am Ortsrand stehen – mit Damm passiert es erst ab einem Pegelstand von mehr als sieben Metern, dass der Damm an mehreren Stellen überflutet wird“, meint Wiesenwart Fritz Fichtner.

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Was bei einer Überflutung geschützt werden müsse, sei die Schließe beim Schneckengraben nahe dem Rohrhofer Friedhof. Nachdem abzusehen gewesen sei, dass der Sommerdamm gegen das Wasser keine Chance haben werde, hatte der Wasser- und Bodenverband Schwetzinger Wiesen, der sich aus den Eigentümern der Flächen vor dem Sommerdamm zusammensetzt, deshalb zum Schutz des Schleusenbauwerks 150 Sandsäcke ausgelegt, um größere Schäden zu vermeiden.

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Nachdem die Pegelstände nun sinken, müsse dafür Sorge getragen werden, dass das Oberflächenwasser schnell abfließen könne, erklärt Fichtner und verweist auf die insgesamt 5000 Meter langen Entwässerungsgräben im Landschaftsschutzgebiet. „Sie werden über das Jahr vom Wasser und Bodenverband instand gehalten und dienen ausschließlich der schnellen Ableitung von Oberflächenwasser nach einer Überflutung des Sommerdamms und nicht – wie oft behauptet wird – der allgemeinen Trockenlegung der Flächen“, betont Fichtner.

Der Schneckengraben, der 1781 erbaut wurde, sei die einzige direkte Verbindung zum Rhein, deshalb könne das Wasser nur über diesen Weg von den Schwetzingen Wiesen abfließen. „Bis vor einigen Jahren wurden alle 20 Jahre Maßnahmen ergriffen, um das Abfließen des Wassers über den Schneckengraben zu gewährleisten – durch eine Verlandung dieses Grabens ist inzwischen eine Ableitung des Überschwemmungswassers jedoch seit einigen Jahren nicht mehr möglich“, kritisiert Fichtner und bilanziert, dass die Stadt Schwetzingen seit 2014 versuche, den ursprünglichen Zustand des Grabens wiederherzustellen.

„Schneckengraben ist wichtig“

Dies scheitere aber laut Fichtner an der Naturschutzbehörde und dem Regierungspräsidium. „Für uns ist es nicht nachzuvollziehen, dass diese Genehmigung bis heute noch nicht erteilt wurde“, stellt Fichtner für den Wasser- und Bodenverband fest.

„Es ist für den Naturschutz, die Naherholung und die Landwirtschaft mit Sicherheit nicht förderlich, dass das Oberflächenwasser über Wochen oder womöglich Monate nicht abfließen kann, sondern nur sehr langsam auf den ohnehin vollgesogenen Wiesen versickern muss“, meint er.

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