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Schrankenbuckel - Offener Brief zum Bebauungsplan für das derzeitige FVB-Areal verschickt / Bürgerinitiative kritisiert die fehlende Einbindung von zahlreichen Beschlüssen des Runden Tischs

BI sieht Räte nicht richtig und umfassend informiert

Von 
Ralf Strauch
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Im nächsten Jahr soll der FVB sein angestammtes Areal mit dem Alfred-Körber-Stadion verlassen. Danach soll dort ein neues Wohnquartier entstehen, dessen Bebauungsplan derzeit öffentlich ausgelegt ist. © strauch

Brühl. Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung im Juli mehrheitlich dem in der Öffentlichkeit umstrittenen Bebauungsplan für das geplante Wohnquartier auf dem heutigen Sportareal des Fußballvereins grundsätzlich zugestimmt und dessen Offenlegung beschlossen. Wenn im nächsten Jahr der Verein sein bisheriges Domizil am Schrankenbuckel nach über sechs Jahrzehnten in Richtung Sportpark-Süd verlassen wird, soll ein Investor das Gelände erschließen und dort die Wohnhäuser errichten. Gegen die Größe der Bebauung hat sich eine Bürgerinitiative (BI) gebildet. Deren Sprecher Rüdiger Lorbeer wollte in der Ratssitzung im Anfrageteil Stellung dazu nehmen – doch da dies die Sitzungsordnung nicht vorsieht, wurden seine Ausführungen nach kurzer Zeit durch Bürgermeister Dr. Ralf Göck unterbrochen (wir berichteten).

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„Daher bitten wir Sie mit diesem Offenen Brief, sich noch einmal intensiv mit dem Bebauungsplanentwurf, dessen rechtlich unumstößlichen Folgen und unseren Einwänden zu beschäftigen, bevor Sie dem Bebauungsplan in der vorliegenden Ausgestaltung zustimmen“, erklärt Lorbeer in einem Schreiben an die Ratsmitglieder, der unserer Zeitung vorliegt. „Bevor wir zu den Details unserer Einwände kommen, möchten wir festhalten, dass sich die Brühler Bürger an der Stelle des heutigen Sportareals eine ganz andere oder zumindest deutlich aufgelockerte Bebauung gewünscht haben“, stellt die BI ihre Einschätzung der öffentlichen Meinung vor, „getrieben durch die Argumentation, dass der geplante Ertrag aus diesem Projekt anderen Ortes bereits ausgegeben sei, konnte keine Bereitschaft im Gemeinderat erwirkt werden, sich mit anderen Konzepten zu beschäftigen – und das, obwohl auch damit der gleiche Profit erwirtschaftet werden könnte“.

Durch das Format des Runden Tisches sei den Teilnehmern lediglich ermöglicht worden, das bestehende Konzept nachzubessern. „Damit war von vornherein klar, dass das Ergebnis des Runden Tisches bestenfalls Schlimmeres verhindern und nicht eine Lösung im Sinne unserer Bürger sein würde“, kritisieren Herbert Seitz und Rüdiger Lorbeer namens der BI. Wenn den Ratsmitgliedern nicht gelinge, die Entscheidungen des Runden Tischs vollumfänglich umzusetzen, „ließe das die Bürger [...] an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln“.

Konsequenzen vorenthalten

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Zugleich wird von der BI gesagt, dass die Protokolle der letzten Sitzung nicht den tatsächlich getroffenen Vereinbarungen entsprächen. „Obwohl der Geschäftsführer der MVV Regioplan, Alexander Kuhn, bei den Sitzungen anwesend war und er als Planverfasser die vorgenommenen Abweichungen gegenüber den getroffenen Vereinbarungen kennt, wurden die eingearbeiteten Änderungen [Anmerkung der Red.: in der Ratssitzung] nicht erläutert. Die aus den vorgenommenen Änderungen resultierenden Konsequenzen, auch im schriftlichen Teil des Planes, wurden ihnen vorenthalten.“

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Am Runden Tisch habe man die Abstände der Gebäude zueinander – zwischen fünfgeschossigen Gebäuden 5,4 Meter – angemahnt und man habe sich auf mindestens 7,5 Meter geeinigt, bilanziert die BI. Im Bebauungsplanentwurf sei der Abstand allerdings teilweise auf 6,5 Meter reduziert. Drüber hinaus erlaube das Baurecht Überschreitungen der Baufenster, sodass laut BI „sich der Abstand der Gebäude planungsrechtlich jetzt auf 4,5 Meter [...] reduzieren lässt“. Die zusätzliche Überbauungsmöglichkeit, insbesondere an den Giebeln, sei völlig unnötig und könne bei Verabschiedung des vorliegenden Bebauungsplanes dem Bauherren nicht mehr untersagt werden. Deshalb möchte die BI, dass die Räte auf die Mindestabstände von 7,5 Metern ohne die Möglichkeit der Unterschreitung bestehen.

In Bezug auf die Gebäudehöhen verweisen die BI-Sprecher darauf, dass ursprünglich kein Gebäude höher sein sollte, als die benachbarten, bereits bestehenden Häuser. Das „Gelenkgebäude“ gegenüber der Lortzingstraße überrage die Nachbarschaft bezogen auf die Firsthöhe um bis zu drei Meter, bei der Traufhöhe sogar sieben Meter. „Damit werden die von Ihnen selbst gesteckten Rahmenbedingungen weit überschritten“, sagt die BI.

Die Argumente der Bauträger, weshalb diese Überschreitungen etwa für einen Platzcharakter sinnvoll seien, bezeichnen Seitz und Lorbeer als „Blendgranaten“. Als Negativbeispiel zu dieser Argumentation nennt die BI den Lindenplatz. „Wäre hier nicht auch eine etwas niedrigere Bauweise die gelungenere gewesen?“ Jetzt seien die Wohnungen dort schattig und dunkel gelegenen. Für das Areal am Schrankenbuckel machte die BI den Vorschlag, das Mehrfamilienhaus gänzlich entfallen zu lassen und die Reihenhauszeile um drei Hauser fortzusetzen. „Dies wurde von einem der Architekten als architektonisch nicht machbar abgetan.“ Dabei sei im Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs dieses Gebäude ursprünglich überhaupt nicht enthalten gewesen. Nun appelliert die BI, dieses Gelenkgebäude um mindestens ein Geschoss zu reduzieren. Auch beim Baufenster zur Lortzingstraße 19, das bis auf 3,7 Meter an die Grundstücksgrenze gerückt sei, stellt die BI fest, dass „dies so nie vorgesehen war“.

Seniorenzentrum zu wuchtig

„Das Seniorenzentrum ist nach wie vor mit 50 Metern Kantenlänge, fünf beziehungsweise sieben Geschossen im Turm zu massiv“, lautet der nächste Kritikpunkt. Es füge sich nicht in die umgebende Bebauung ein und wirke klimatisch auf das Areal „auch ganz sicher nicht positiv ein“. Der eindeutige Tenor des Runden Tisches sei gewesen, das Gebäude zu verkleinern und abzutreppen. „Die gemachten kosmetischen Änderungen mit einem Dachgarten gehen hier bei Weitem nicht weit genug“, kritisiert die BI. Die Planer hätten sogar neben dem siebengeschossigen Turm ein weiteres Geschoss aufgesetzt. „Wir erinnern, dass nahezu alle zum Runden Tisch eingeladenen Anwohner sowie die Vertreter von CDU, Grüner Liste und Freien Wählern in der Schlussbetrachtung hier eine Reduzierung durchsetzen wollten“, meint die BI.

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Wirtschaftlich tragbar

So appellieren die BI-Sprecher, „auch hier unsere Bitte an Sie, Ihre am Runden Tisch gemachten Zusagen durchzusetzen: „Bitte bestehen Sie auf die Reduzierung der Geschossanzahl auf drei Geschosse im Korpus und fünf im Turm – bitte lassen Sie sich auch hier nicht von angeblich unwirtschaftlichen Betreibermodellen täuschen. Auch hier ist Ihr gesunder Menschenverstand ein guter Berater.“ Die Konzepte funktionierten auch in wesentlich kleinerem Maßstab wirtschaftlich, wie am Runden Tisch durch den Betreiber bestätigt worden sei.

Die am Runden Tisch beschlossenen Sachverhalte würden „dem absolut erwartbaren Mindestmaß entsprechen, um noch Schlimmeres zu verhindern – auch dann, wenn die einzelnen Gebäude architektonisch noch so ansprechend gestaltet würden, entstehe an dieser Stelle „das in Brühl am dichtesten besiedelte Gebiet“. Jede Änderung an den Zusagen bewirke noch mehr Quadratmeter Wohnraum, noch mehr Wohneinheiten und damit noch mehr Menschen in diesem Bereich, noch mehr Folgekosten für den Ausbau der Brühler Infrastruktur und noch mehr Verkehr.

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