Ausstellung - Rohrhofer Künstler Wolfram Gothe zeigt 19 Pastellzeichnungen im Brillengeschäft / Inspiration findet er im prallen Leben der Menschen um ihn herum Bilder wecken Sehnsucht nach dem Meer

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Ralf Strauch
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Der Künstler Wolfram Gothe (l.) und Augenoptiker Thomas Stauffer im Gespräch über das Bild „Der Strand der Dicken“. © strauch

Brühl. „Es ist die Sehnsucht nach dem Meer, die mich diese Bilder für die Ausstellung auswählen ließ“, sagt Augenoptiker Thomas Stauffer. Und dann deutet er auf das großformatigste der 19 Bilder „Der Strand der Dicken“. Darin hat der Künstler Wolfram Gothe eine Badeszene mit Pastellkreide auf den Malgrund gebannt. Und schon bei dieser Darstellung zeigt sich, wie gut die Arbeiten Gothes in das Rohrhofer Brillengeschäft passen, denn bei diesem Künstler braucht es den geschärften Blick, das Erfassen von Details, um den hintergründigen Humor inmitten der prallen malerischen Lebensfreude zu entdecken.

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Was die Bilder, die ab sofort bis Ostern in den Geschäftsräumen gezeigt werden, vermitteln wollen, ist nicht eine Momentaufnahme, sondern die erlebten Situationen – oft karikaturartig übertrieben – in einer Zusammenfassung. Und so kann Gothe bei jeder der dargestellten Personen berichten, wer ihm da Inspiration geschenkt hat. Das kann mal auf der Brühler Straßenkerwe – bei der Frau mit dem Regenschirm – mal kann es an den Stränden des Mittelmeers sein.

Themen hinter den Kulissen

Seine Inspirationen findet der an den „Themen hinter den Kulissen“ interessierte und durch die eigene Dynamik angetrieben Künstler im prallen Leben um sich herum und in der Beobachtung der Menschen. „Daraus entstehen dann ganze Geschichten – zunächst in meinem Kopf, teils auf Skizzen oder Fotos, und dann mit Muse im Atelier“, beschreibt Gothe die Entstehung seiner Werke.

Wolfram Gothe, der aktuell auch Bilder in einer Gemeinschaftsausstellung der Rathausgalerie zeigt, ist seit Kindertagen der Malerei zugetan, erfüllte aber zunächst den Wunsch der Familie und folgte seinem Großvater ins Bäckerhandwerk nach. Neben vielseitigen Interessen – Vorsitz in der Interessengemeinschaft der örtlichen Vereine, Sprecher der Kerweborscht und des Brühler Künstlerforums – und seinem Engagement in der Kommunalpolitik gab es im Leben des Rohrhofer Künstlers immer wieder prägende Momente. So attestierte ihm Rudolf Hölbling, Landschaftsmaler aus Oberstdorf, von dem sich Gothe ausbilden ließ, ein „Auge für die Farben“ – sichtbar heute in jedem seiner farblich wohlkomponierten Zeichnungen. Da die künstlerische Energie, die Gothe antreibt, in Pastellkreide schneller umzusetzen ist als in der Ölmalerei, erscheint fast logisch und das Genre „Karikatur“ als Ausdrucksform ideal. Der Betrachter kommt bei den Bildern aber auch immer wieder ins Nachdenken, zeigen sie doch keine absolut fiktiven Menschen, sondern solche, wie sie die Gesellschaft produziert. Und dann steckt hinter dem spontanen Witz und brachialer Lebensfreude manchmal ein Stück Sozialkritik, niemals aber Misanthropie.

Ein Stück Sommer erleben

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Stauffer – wie Gothe ein echter Rohrhofer – hat die Ausstellung gemeinsam mit dem Künstler zusammengestellt. „Dabei ging es auch darum, ein wenig Sommer in den kurpfälzischen Winter zu bringen“, erklärt er die Auswahl, die ein Jahrzehnt Schaffenskraft Gothes widerspiegelt. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der Porträtmalerei. Da waren bekannte Persönlichkeiten wie Gitarrist Jimi Hendrix oder Kabarettistin Lisa Eckhart gezeichnet oder aber die Bedienung aus einem Heidelberger Lokal, deren Bildnis dann gleich noch als Fischhändlerin oder Tätowiererin variiert wird – zu sehen im Schaufenster des Brillengeschäfts. Auch bei diesen Bildern lohnt sich der genaue Blick auf die Details, die die Dargestellte in vielen kleinen bildnerischen Erzählungen dem Betrachter näherbringt. Auch beim „Strand der Schönen“ findet sich der Wendepunkt des fröhlichen Treibens mitten im Bild erst beim genauen Hinschauen. „Gleich bricht hier die Panik los, denn dahinten im Meer kämpft ein Mann schon mit einem Hai“, sagt Gothe und weist auf die zunächst unscheinbare Stelle hin, um so den Blick des Betrachters zu schärfen.

Es ist nicht die erste Ausstellung, die Thomas Stauffer in den Geschäftsräumen organisiert. „Es ist nicht einfach, die Flächen dafür neben den vielen Brillen zu finden, aber letztlich hat es immer gut geklappt – wie diesmal auch“, meint er. Und tatsächlich, obwohl der Raum 19 Bilder aufgenommen hat, wirkt er nicht überfrachtet. „Und letztlich ist jeder bei solchen Aktionen ein Gewinner, der Künstler, der Geschäftsmann und der Kunde“, wirbt er dafür, mehr Läden für die Kunst zu öffnen, „denn Spaß macht es auch“.

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