Schillerschulpavillon

Brühler Fahrradwerkstatt ist eine Erfolgsgeschichte

Im Keller des Schillerschulpavillons werden alte Räder ehrenamtlich für den guten Zweck aufgemöbelt. Die ersten Räder kamen aus dem Lager des Polizeipostens. Schnell fanden sich „Die Drei von der Fahrradwerkstatt", Werner Huber, Hermann Scheuler und Klaus Triebskorn.

Lesedauer: 
Klaus Triebskorn (r.) und Hermann Scheuler – zwei Aktivposten der Fahrradwerkstatt – bringen zwei „neue“ alte Räder aus den Kellerräumen zu den künftigen Besitzern. © Triebskorn

Brühl. Aus dem Kreis „Asyl in Brühl“ erhob sich bereits 2015 die Notwendigkeit, Menschen aus der Zuwanderung und weitere Bedürftige zu unterstützen - unter anderem mit einer Versorgung in Sachen einfacher Mobilität. Es sollte eine Fahrradwerkstatt entstehen, in der ältere Räder repariert und wieder auf Vordermann gebrach werden, um sie dann an Bedürftige weiterzugeben.

Nach langer Suche und Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung fand sich im Dezember 2016 dann auch eine räumliche Lösung Lösung: Ein Kellerraum mit 36 Quadratmetern Fläche im Pavillon der Schillerschule und Lagermöglichkeit in einem Durchgangsweg unterhalb des Pausenhofs der Schule sollte zur Fahrradwerkstatt werden.

Die ausgedienten Fahrräder – liebevoll „Gelbrunner“ genannt – weisen den Weg zur Fahrradwerkstatt im Schillerschulpavillon in der Ormessonstraße. © Triebskorn

Anschubunterstützung der Polizei

Die ersten Räder kamen aus dem Lager des Brühler Polizeipostens. Schnell fanden sich „Die Drei von der Fahrradwerkstatt“, Werner Huber, Hermann Scheuler und Klaus Triebskorn. Und los ging es mit den Reparaturen. Werkzeug brachten die drei engagierten Männer zunächst noch von zuhause mit, bis sich nach und nach die Werkstatt durch Zukäufe von Werkstatteinrichtungen, Ersatzteilen und Werkzeug füllte. „Auch etliche Spenden dazu waren dabei, vor allem mit Material und Werkzeugen vom örtlichen Fahrradhändler, ohne die wir nicht so schnell einsatzbereit gewesen wären“, berichtet Projektleiter Klaus Triebskorn.

„Seit dem ersten Tag in der Werkstatt - es war der 17. Dezember 2016 - sind bis heute über 360 Räder bei uns eingegangen. Alle wurden erfasst, nummeriert, die Mängel notiert und in Dateien eingepflegt“, weiß Hermann Scheuler dazu mit Blick auf einen nicht geringen Verwaltungsaufwand zu berichten, „so wissen wir jederzeit über den Bestand und dessen Erhaltungszustand Bescheid“.

Daraus folgt dann auch die Erstellung eines Fahrradpasses, der den Abnehmern der Räder mitgegeben wird. 2371 ehrenamtliche Stunden wurden von den Helfern insgesamt in der Werkstatt verbracht. 258 Fahrrräder wurden in dieser Zeit wieder straßentauglich hergerichtet, 228 an Bedürftige gegen eine Spende abgegeben, 28 davon kostenlos an eine Schule in Ahrweiler nach den Überschwemmungen im Ahrtal. Hermann Scheuler und Klaus Triebskorn brachten diese Räder mit einem Sprinter im Dezember 2021 in das Katastrophengebiet.

Recycling im Vordergrund

Natürlich mussten auch etliche Räder als nicht mehr reparabel verschrottet werden, nachdem noch brauchbare Ersatzteile ausgebaut wurden. Vorrang hat bis heute der Recyclinggedanke, dass heißt für die Helfer: reparieren vor entsorgen sowie Gebraucht- vor Neuteilen. Jedoch bleibe bei der Vielfalt der Fahrradtypen und über 100 verschiedenen Fabrikaten ein Zukauf von Neuteilen und Spezialwerkzeugen nicht aus.

„Dafür erhalten wir von den Abnehmern je nach Reparaturaufwand Spenden zwischen 10 und 40 Euro, für sehr hochwertige Räder auch schon mal etwas mehr“, berichtet Triebskorn, „unsere Arbeit ist ausschließlich ehrenamtlich“.

30 Räder, darunter Kinder-, Jugend, Damen-und Herrenfahrräder sowie Montainbikes sind aktuell abholbereit fertiggestellt, rund 100 weitere Räder stehen zur Reparatur an. Damit seien die momentanen Lagermöglichkeiten erschöpft.

Die derzeitigen Ehrenamtlichen Hermann Scheuler, Norman Fellinger, Steffen Scheuler und Klaus Triebskorn sind donnerstags von 17 bis 20 Uhr im Keller des Schillerschulpavillons aktiv. Der Zugang zur Fahrradwerkstatt erfolgt über den hinteren Kellereingang bei den Aquarienfreunden, also in unmittelbarer Nähe zum Steffi-Graf Park. An der Außentüre ist eine Klingel angebracht.

Die Abgabe der Räder ist inzwischen nicht mehr auf das Brühler Gemeindegebiet begrenzt, Bedürftige aus umliegenden Gemeinden können ebenfalls Räder erhalten, heißt es von den Helfern, die erkennbar stolz auf ihr Erfolgsmodell der ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt sind.

Mehr zum Thema

Spende Sparkasse Heidelberg unterstützt Hockenheimer Tafelladen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Bilanz Stiftung für Brühler Bürger in Not: Schnelle und direkte Hilfe

Veröffentlicht
Mehr erfahren