AdUnit Billboard

Der Brühler Josef Meixner gehörte zu den Kegelclubmitgliedern der ersten Stunde

Von 
ras
Lesedauer: 
Die honorigen Männer der Freitagabendkegelgesellschaft Schwetzingen, zu der auch der Brühler Ziegeleibesitzer Josef Meixner (2. v. r.) gehörte. Das Bild zeigt die Herren-runde im Gründungsjahr der Gesellschaft, also 1896. © vhbp

Brühl/Schwetzingen. Die uralte Tradition des Kegelns lässt sich bis ins früheste Mittelalter zurückführen. Aus dem volkstümlichen Spielen unter freiem Himmel bildeten sich im Laufe der Jahrhunderte in Europa das Wettkampf- und Freizeitspiel Kegeln heraus. So entwickelte es sich zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung der Bevölkerung. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kegeln zunehmend organisierter und nahm vermehrt sportlichen Charakter an. Die ersten deutschen Kegelvereine wurden gegründet.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Regeln und Spielarten, die sich bislang regional und sogar innerhalb eines Ortes stark unterscheiden konnten, wurden festgelegt und auch die Kegelbahnen wurden genormt. Und einer der ersten organisierten Freizeitkegler war der Brühler Ziegeleibesitzer Josef Meixner. Er ließ zwar nicht in seiner Heimatgemeinde die Kugel rollen, doch in der Nachbarstadt Schwetzingen gehörte er zur honorigen Runde der Freitagskegelgesellschaft, die er 1896, also vor 125 Jahren, mitbegründete.

Der Brühler Verein für Heimat- und Brauchtumspflege fand ein Bild dieser Kegler der ersten Stunde in seinem Archiv. Der kegelnde Meixner war im Revolutionsjahr 1849 als einer der Söhne von Karl Meixner und dessen Ehefrau Wilhelmine, die den Mädchennamen Rieger hatte, geboren worden. 1876 heiratete Josef Meixner Margaretha, eine Geborene Deutsch. Doch die Ehe des Brühler Paars weilte nicht lang – schon zehn Jahre später wird Meixner als Witwer in den Kirchenbüchern geführt. Gestorben ist Josef Meixner im Januar 1917 nach kurzem Leiden, wie es in der damaligen Traueranzeige heißt.

Doch 1896 hatte dieser Witwer also die Freitagskegelgesellschaft mit ins Leben gerufen und so dem Kegeln in der Region einen guten Weg hin zur – neben dem Singen und dem Fußball – beliebtesten Freizeitbeschäftigung bereitet.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

In fast allen Gaststätten Brühls gab es zur Kaiserzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Bahnen, auf denen es in die Vollen ging. Und so mancher kennt sicher noch die Erzählungen aus dem Familienkreis, wie sich ältere Angehörige als Kegeljungen manchen Groschen verdient haben. Sie waren dafür zuständig, die Kegel nach einem Wurf wieder aufzustellen. Erst in den 1950er Jahren wurden die ersten automatischen Bahnen gebaut, bei denen die Kegel an Schnüren hingen.

Bis zum ausklingenden 20. Jahrhundert, als es auch auf den Bahnen der Kommune unter der Schillerschulhalle und im heutigen Eventhaus Bahnen gab, frönten zahlreiche Clubs der Freizeitbeschäftigung. Doch dann kämpft das Kegeln gegen zunehmenden Mitgliederschwund. Ein Grund dafür ist nach Einschätzung von Insidern das schlechte Image, das dem Kegeln anhaftet – viele Außenstehende sehen vorrangig den geselligen und weniger den sportlichen Aspekt des Kegelns.

So schrumpften die Teilnehmerzahlen bei den Ortsmeisterschaften und dem Keglerball als krönendem Abschluss vor über einem Jahrzehnt immer mehr. Während in den 1970er bis in die 2010er Jahre die Festhalle aus allen Nähten platzte, wenn die Interessengemeinschaft der Kegler eingeladen hatte, feierte später nur noch eine kleine Gruppe die traditionsreiche Sportart mit dem einst gesellschaftlich wichtigen Ereignis.

Von der Freitagskegelgesellschaft allerdings ist noch die große 100-Jahr-Feier von 1996 als Großveranstaltung mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter der Leitung von Dr. Richard Treiber – selbst begeistertes Mitglied der Keglerzunft – und Ansprachen namhafter Gratulanten in Erinnerung. Und so verschwindet Tradition nach und nach. ras

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1