Was macht eigentlich? - Ehrenbürger Günther Reffert hat als Bürgermeister maßgeblich das Leben in der Gemeinde geprägt / Bei Festen ist er immer noch gerne dabei „Die Familie steht jetzt im Vordergrund“

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Catharina Zelt
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Beim Neujahrsempfang 2019 treffen drei Brühler Bürgermeistergenerationen aufein-ander (v. l.): Günther Reffert, Dr. Ralf Göck und Gerhard Stratthaus. © Dorothea Lenhardt

Brühl. Er hat die Hufeisengemeinde geprägt wie kaum ein zweiter: 16 Jahre lang war Günther Reffert Bürgermeister der Gemeinde und hat in seiner Amtszeit nicht nur das kulturelle Leben in Brühl nachhaltig verändert. Ein waschechter Brühler ist Reffert allerdings nicht – geboren wurde er 1938 in Kaiserslautern in der Pfalz.

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„Am letzten Tag im Zweiten Weltkrieg habe ich meine Mutter verloren. Mein Vater hat dann wieder geheiratet und so sind wir 1947 nach Ludwigshafen gezogen“, erklärt der gelernte Verwaltungsbeamte, dass er bis 1966 in Ludwigshafen lebte und arbeitete. Dann war es Zeit für einen Tapetenwechsel: Das schwäbische Tuttlingen wurde für drei Jahre der Arbeitsplatz von Reffert, bevor es ihn wieder zurück in die alte Heimat zog.

In Mannheim beim Staatlichen Hafenamt fühlte er sich als Abteilungsleiter für Liegenschaften und Umschlag gut aufgehoben. Zum Schluss seiner Zeit im Hafen hat er sogar noch den gesamten Elektrobetrieb innegehabt.

1982 tritt er bei der Wahl an

„Es hat mir eine große Freude bereitet. Ich habe mit den Geschäftsführern der Firmen im Hafen verhandelt – das war immer eine schöne Sache“, erinnert er sich mit einem Lächeln auf den Lippen.

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1982 hat er sich dann in Brühl um den Posten als Bürgermeister beworben und ist auch direkt beim ersten Urnengang gewählt worden. Mit der gewonnen Wahl kam dann auch der Umzug in die Hufeisengemeinde, schließlich „muss ich in dem Ort wohnen, wo ich Bürgermeister bin“.

Das kleine Örtchen habe Günther Reffert schon immer gut gefallen. „Ich habe zuvor in Rheinau gewohnt und war oft in Brühl – zum Einkaufen beim Bäcker oder Metzger. Damals habe ich allerdings nicht gedacht, dass ich jemals Bürgermeister von Brühl werde“, gibt der Altbürgermeister zu.

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„Als ich dann das Amt innehatte, war das, als hätte ich nur den Schreibtisch gewechselt. Die Probleme waren dieselben wie im Hafen, nur ein bisschen differenzierter. Ich musste mit Menschen verhandeln und hatte mit Personal zu tun. Das Vereinsleben war allerdings neu für mich“, erzählt er vom Alltag als Gemeindechef.

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Ein Problem, das Refferts Amtszeit prägte, war die Umgehungsstraße L 599 zwischen dem Brühler Norden und dem Schwetzinger Süden. „Ich habe mir die geplante Umgehungsstraße auf einem Plan angeschaut. Für Brühl hätte die Straße viel gebracht – keine Frage – aber der ganze Verkehr wäre stattdessen durch Ketsch geflossen. Wir selbst hätten diese Umgehungsstraße überwiegend auf Ketscher und Schwetzinger Gemarkung gebaut –das hätten die Ketscher nie mitgemacht“, erklärt er die Problematik heute.

Damals war er noch Bewerber und hat sich mit einem Kollegen vom Hafenamt über die Planungen unterhalten. Er habe ihn gebeten auf dem Plan einzuzeichnen, wie die Umgehungsstraße aussehen sollte. „Mein Kollege hat damals die optimale Lösung präsentiert. So wie sie heute verläuft, so hat er die L 599 damals eingezeichnet. Als ich nach Brühl gekommen bin, habe ich den Vorschlag zunächst mit dem Straßenbauamt und anschließend mit den Verantwortlichen der Bundesbahn, die zu dieser Zeit die Schnellbahntrasse Richtung Stuttgart gebaut haben, besprochen. Beide Seiten haben mir versichert, dass der Bau überhaupt kein Problem sei, und so haben wir das dann gemacht“, fasst er zusammen. Das sei ein schönes Highlight gewesen.

Sanierung der Festhalle

Zum Amtsantritt von Reffert war außerdem der Bau einer neuen Veranstaltungshalle ein großes Thema. Die Miete für die neugebaute Halle hätten die Vereine allerdings nicht bezahlen können. „Ich habe dann vorgeschlagen, das Geld, das eine neue Veranstaltungshalle in einem Jahr kostet, in die bestehende Festhalle in der Hauptstraße zu investieren. Das waren rund 900 000 Deutsche Mark und es hat exakt hingehauen“, freut sich der Wahlbrühler, der 2008 zu seinem Geburtstag – einem 18. Mai – zum Ehrenbürger ernannt worden ist.

Zeit- und arbeitsintensiv war neben der Arbeit als Bürgermeister auch das Amt des Vorsitzenden des Sozialausschusses des Gemeindetags. In den Kreistag wollte Reffert aber nie. „Ich war hier Bürgermeister und wollte Bürgermeister bleiben – wenn ich mich beim Kreis beworben hätte, wäre ich ja praktisch mein eigener Vorgesetzter gewesen“, sagt er, dass er das nicht richtig gefunden hätte.

Aber auch kulturell hat Reffert einiges bewegt: Die Villa Meixner, die heute als Kulturtreffpunkt in der Kleinkunstszene bekannt ist, war damals eine Unterkunft für Obdachlose und „so sah sie auch aus“. Dabei waren dort noch echte Jugendstil-Malereien zu finden. Für Reffert war klar: Daraus muss man was machen.

Der ursprüngliche Gedanke war, die Bücherei dorthin zu verlegen; die Räumlichkeiten erwiesen sich allerdings als zu klein. Passend kam da Ehrhard Reissenweber mit der Idee eines Jugendstilmuseums. „Das Museum war ganz exzellent und fantastisch. Leider ist das wunderbare, kleine Museum aber nicht so eingeschlagen, wie wir uns das vorgestellt haben“, meint der Altbürgermeister rückblickend. Zum Schluss sei das Museum in der Villa Meixner aber nichtsdestotrotz bundesweit bekannt gewesen.

Mit dem Umbau des Rathauses kamen erste Gemäldeausstellungen innerhalb der Räumlichkeiten und Reffert trieb die Kulturarbeit weiter voran. Nicht zuletzt, indem er die Kerwe wiederbelebte. Es sei Werner Fuchs gewesen, ein „absoluter Tausendsassa im Brühler Vereinsleben“, der die alte Tradition 1983 ins Gespräch brachte. Als es um den ersten Owwerkerweborscht ging, fiel die Wahl schnell auf Günther Reffert. „Sogar das Fernsehen war zur Kerwe hier“, erzählt er stolz.

Zu seiner Amtszeit war er Mitglied in 26 verschiedenen Vereinen – angefangen beim Sportverein über die drei Gesangsvereine und den Turnverein bis hin zu den Schützen. „Da war ich immer dabei, habe mich aber auch zurückgehalten. Ich wollte keinen Verein bevorzugen, indem ich mich bei ihm groß engagiere“, meint er.

Heute ist er Kerweborscht

Noch heute ist er bei den Kerweborscht dabei und hat nach seiner Pensionierung sogar aktiv mitgesungen. Das würde er immer noch gerne, wenn seine belegten Stimmbänder ihn nicht ausbremsen würden. Bei den Treffen ist er aber weiterhin mit von der Partie.

Aus der Öffentlichkeit habe er sich weitgehend zurückgezogen. Sein Nachfolger solle in erster Linie vorne stehen. Bei Festen und anderen Aktivitäten in der Gemeinde sei er gerne dabei, nur eben nicht mehr in erster Reihe. „Die Position des Bürgermeisters ist sehr schön und wie auf den Leib für mich zugeschnitten. Ich hab das wahnsinnig gerne gemacht. Was aber darunter leidet, ist die Familie. Meine Kinder hatten nicht mehr viel von ihrem Vater und meine Frau, auch wenn sie oft dabei war, nicht mehr viel von ihrem Ehemann. In meiner Pensionierung habe ich dann die Familie absolut in den Vordergrund gestellt“, sagt er, dass er nun viel Zeit der Familie widme. Er genießt das Leben in Brühl mit seiner Familie. Gerne geht er zum Wandern in den Odenwald oder in seine Heimat, die Pfalz.

Volontariat Volontärin der Schwetzinger Zeitung