Freie Wähler - Politische Gruppe spricht sich gegen die Nutzung der Erdwärme und die Gewinnung von Lithium in der Region aus

„Festhalten an Geothermie ist fahrlässig“

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zg/ras
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Brühl. „Seit Beginn der Diskussionen um eine mögliche Nutzung der Geothermie haben sich die Freien Wähler Brühl/Rohrhof als zunächst einzige politische Kraft klar gegen jede Nutzung der Geothermie in Brühl ausgesprochen“, heißt es in einer Pressemitteilung dieser politischen Gruppierung, die die zweitgrößte Fraktion im Gemeinderat stellt.

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Mit dieser Haltung hätten die Freien Wähler auch die Mehrheit der Bürger in der Hufeisengemeinde hinter sich gewusst, betonen sie weiter. Dies sei auch im Rahmen einer Bürgerbefragung 2012 noch einmal sehr deutlich geworden – zwei Drittel der Bürger, die ihr Kreuz gesetzt haben – hätten gegen den Betrieb eines Geothermiekraftwerks auf Brühler Gemarkung, direkt neben der Marion Dönhoff Realschule und dem Sportpark-Süd votiert, erinnern die Freien Wähler (FW) in ihrem Schreiben.

„Auch wenn die Geothermie im Grundsatz als ökologisch gute Alternative zur Energiegewinnung gilt, sprechen aus Sicht der Freien Wähler die besonderen geologischen Strukturen im Oberrheingraben klar und eindeutig gegen einen Kraftwerkstandort in dieser Region“, hebt die Gruppierung hervor und verweist auf die Erfahrungen aus dem Betrieb entsprechender Anlagen in der Oberrheinischen Tiefenebene – sie bestätigten alle Befürchtungen von Geothermiekritikern „leider sehr eindrucksvoll“.

„Unkalkulierbares Risiko“

Im Raum Straßburg, Kehl, Landau oder Insheim komme die Erde im Umfeld der dortigen Geothermieanlagen nicht zur Ruhe, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Kette von induzierten Beben habe die Menschen dort wiederholt in Unruhe versetzt und zu Schäden an Gebäuden geführt. „Es steht zu befürchten, dass diese durch die Geothermie verursachten Beben nicht die letzten waren – so verzeichnete die Region Straßburg im vergangenen Jahr erneut ein Beben in der Stärke von 3,5 auf der Richterskala“, heißt es weiter.

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Für die Freien Wähler bestehe daher nach wie vor kein Grund, ihre bisherige Haltung bei dieser Frage zu ändern. „Wir möchten die Menschen in unserer Gemeinde dem aus unserer Sicht unkalkulierbaren Risiko durch die Nutzung der Geothermie nicht ausgesetzt wissen. Der Oberrheingraben ist nach Lage der Dinge für die Nutzung der Tiefengeo-thermie nicht geeignet. Die bislang aufgetretenen Probleme und drohende Gefahren wie seismische Aktivitäten, der Austritt von giftigem Tiefenwasser im Erdinnern, die Emission von Tiefenwasserdampf sowie der unsichtbaren Gefahr durch Freisetzung von Radon, sprechen eine klare Sprache“, betonen die FW-Sprecher.

Aus diesen Gründen hätten sich die Freien Wähler auch eindeutig in der Gemeinderatssitzung jüngst gegen die Übertragung der Erlaubnis des Konsortiums aus MVV und der EnBW zur Aufsuchung von Erdwärme, Sole und Lithium im sogenannten Feld „Hardt“ ausgesprochen. „Die Mehrheit der Ratsmitglieder folgte dieser Haltung.“

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Eine solche Erlaubnis ermögliche dem Konsortium laut Freien Wählern die Durchführung entsprechender Vorbereitungsmaßnahmen zur gewerblichen Nutzung der Tiefengeothermie – auch auf der Gemarkung der Gemeinde Brühl, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Kurz gesagt: Die Nutzung der Tiefengeothermie ist entgegen landläufiger Auffassung von vielen und mehrheitlicher Ablehnung durch den Gemeinderat noch längst nicht vom Tisch.“

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„Nicht ausgereifte Technik“

Und schließlich bilanzieren die FW-Sprecher, dass das Festhalten an der Tiefengeothermie „in unserer Region erachten wir vor dem Hintergrund der bekannten Risiken und realen Ereignisse im Umfeld vorhandener Anlagen dieser Art, trotz aller Versicherungen der Betreiber dieser Technik, als fahrlässig“ zu bezeichnen sei.

Die Freien Wähler würden die weitere Entwicklung sehr genau im Blick behalten und „alles tun, um den Einsatz der nach unserer Auffassung noch nicht ausgereiften Technik im geologisch überdies nicht geeigneten Oberrheingraben zu verhindern“, schließen die Freien Wähler ihre Stellungnahme zur Tiefengeothermie. zg/ras