Kindergärten - Leiterinnen der Einrichtungen sprechen über die Situation der Notbetreuung / Briefe und Überraschungen nach Hause Gebühren für Mai werden erlassen

Von 
Catharina Zelt und Vanessa Schwierz
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Beim Sommertagszug in Rohrhof setzen die Jungen und Mädchen der Betreuungseinrichtungen – auf dem Bild die des evangelischen Kindergartens „Kleine Strolche“ im vergangenen Jahr – stets farbenfrohe Akzente. © Lenhardt

Brühl. Die Familienministerkonferenz der Länder und das Bundesfamilienministerium haben sich für einen behutsamen Wiedereinstieg in die Kindertagesbetreuung in vier Phasen ausgesprochen. Dies sei in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen notwendig, heißt es dazu in einer Erklärung. Ein konkretes Datum für die Wiederaufnahme des Kita-Betriebs nannten sie allerdings nicht.

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Die vier Phasen sind demnach die aktuelle Notbetreuung, danach deren Erweiterung, ein eingeschränkten Regelbetrieb und schließlich die Rückkehr zum Normalbetrieb. Entscheidend sei auch bei den Kindergärten und Kitas, dass das Infektionsgeschehen weiterhin verlangsamt werde und dass im Fall von Infektionen alle Betroffenen umgehend identifiziert werden können, heißt es aus den Ministerien. Was bedeutet das für die Einrichtungen in der Hufeisengemeinde?

„Am 16. März war der letzte reguläre Tag bei uns“, beginnt Christiane Langloh-Zakouri, Leiterin der kommunalen Einrichtung Haus der Kinder, zu berichten. Anschließend habe die Kita – wie viele andere – eine Notbetreuung für die Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, eingerichtet. „Die Erweiterung der Notbetreuung gilt seit dem 27. April und kam für uns sehr kurzfristig“, meint die Leiterin. Ab Montag werden dann 30 Kinder in der Einrichtung betreut. „Wir haben mit den älteren Kindern gesprochen und ihnen die Lage erklärt, ohne ihnen Angst zu machen. Sie verstehen es und halten Abstand – das sieht bei den Jüngeren etwas anders aus“, sagt die Leiterin. Und noch etwas ist zur Zeit anderes als sonst: „Wir haben komplett umgeräumt. Aus unserem offenen Konzept werden geschlossene Gruppen.“

Auch beim katholischen Kindergarten St. Lioba wird die Zahl der Kinder in der Notbetreuung ab Montag deutlich steigen. „Aktuell sind bei uns zehn Kinder“, erklärt Leiterin Silvia Zobeley. „Dadurch, dass die Schulen langsam wieder öffnen und die Lehrer zur Gruppe systemrelevanter Berufe gehören, müssen ab Montag deutlich mehr Kinder betreut werden“, meint sie. Zobeley warte ständig auf neue Informationen. Sie selbst wisse nicht, wie die einzelnen Phasen konkret aussehen sollen. „Wir versuchen natürlich, den Kontakt mit den Kindern zu halten, die nicht in der Notbetreuung sind, verteilen Osterpost, Geburtstagsbriefe und bereiten Bastelanleitungen vor“, erzählt sie, dass der Kontakt nicht abreißt.

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Im evangelischen Kindergarten Heiligenhag ändert sich bei der Notbetreuung ab Mai nichts – Anmeldungen gebe es keine, wie Doris Huschka, Leiterin der Einrichtung, auf Nachfrage sagt. In Fünfergruppen werden die Kinder betreut. Am Morgen wird Fieber gemessen. Zum Händewaschen gehen die Kinder einzeln – in Begleitung einer Erzieherin. Damit diese auch lang genug gewaschen werden, wird ein Lied gesungen. Zweimal erklingt dann entweder „Alle meine Entchen“ oder „Happy Birthday“. Außerdem werden den Kindern Briefe nach Hause geschickt und an Ostern gab es eine Überraschung. „Die Kinder haben eine Frühstücksdose bekommen – mit kleinen Osterüberraschungen“, erzählt Huschka.

Jeden Monat wird neu entschieden

Heiß diskutiert werden aktuell auch die Kita-Gebühren. Erfreuliche Nachrichten gibt es an der Stelle für alle Eltern: Der Gemeinderat hat entschieden, auch die Gebühren für den Monat Mai zu erlassen. Unterstützung für die Gemeinde gibt es dabei vom Land. „Wir entscheiden jeden Monat neu, ob die Gebühren erlassen werden oder nicht“, erklärt Bürgermeister Dr. Ralf Göck. Pro Monat, in dem die Eltern nicht für den Kindergarten zahlen müssen, sind das rund 60 000 Euro, die die Gemeinde nicht vom Steuerzahler bekommt. Der Ersatz vom Land, der beispielsweise auch die Kosten von Musik- und Volkshochschulen decken soll, entspreche zwar ungefähr den Kita-Gebühren, reiche aber insgesamt kaum aus.

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„Es gibt auch einige Eltern, die ihre Kinder nur an bestimmten Tagen in die Notbetreuung schicken, was wir sehr schätzen“, sagt Göck. Um diesen etwas entgegenzukommen, müssen Eltern, deren Kinder an zehn Tagen oder weniger in der Notbetreuung waren, nur die Hälfte der eigentlichen Kosten zahlen. Diese Regelung gilt nur während der Corona-Krise und ist sogar satzungswidrig. „In der Satzung steht, dass der volle Preis bezahlt werden muss, egal wie oft das Kind letztlich anwesend ist. Es ist also eine krisenbedingte Ermäßigung“, stellt Göck klar. Stundenweise abgerechnet werden könne allerdings nicht – der verwaltungstechnische Aufwand wäre hier zu groß. Eltern müssen also die Anzahl an Stunden bezahlen, die sie für ihr Kind gebucht haben. „Es zählt die Anwesenheit – egal wie lange das Kind im Kindergarten war“, verdeutlicht der Bürgermeister.

Volontariat Volontärin der Schwetzinger Zeitung

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen