Ehrung - Winfried Höhn erhält für seine Verdienste um die Bewahrung der Ortsgeschichte eine hohe Auszeichnung / Viele historische Bausteine zusammengetragen Heimat ist das Gefühl sozialer Geborgenheit

Von 
Stefan Kern
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Die Luftschiffe aus der der Schütte-Lanz-Werft in Brühl sind das Steckenpferd von Winfried Höhn. Mit seiner Forschung hat sich der jetzt von der Regierungspräsidentin ausgezeichnete Mann bundesweit den Ruf eines Experten erworben. © Hoffmann

Brühl. Der Mann bekam gerade die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Karlsruhe verliehen. Über Jahrzehnte prägte er den Verein für Heimat- und Brauchtumspflege, entwickelte sich in der Erforschung der Ortsgeschichte zu einer wahren Institution. Winfried Höhn, so die Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder in ihrer schriftlichen Laudatio, habe sich als Gründungsmitglied, als erster und zweiter Vorsitzender, als Beirat und schließlich als Ehrenmitglied bei der Aufarbeitung und Aufbereitung der Ortsgeschichte verdient gemacht.

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Das Nachdenken über Heimat, daran lässt er keinen Zweifel, ist ihm zur Mission geworden. Vielleicht verläuft deshalb ein Gespräch über Heimat mit dem langjährigen CDU-Ortsvorsitzenden anders als erwartet. Heimat, das sei etwas sehr Komplexes. Natürlich sei Brühl mittlerweile seine Heimat. Doch das habe nur wenig mit dem Ort selbst zu tun. Heimat, so Höhn, entstehe aus eigener Geschichte und gemeinsames Erleben mit Menschen. Wichtig sei auch noch das eigene Tun. „Wer sich engagiert, verortet sich.“ Oder anders formuliert, wer sich engagiert, bindet sich und gewinnt Heimat.

Zur Welt kam Höhn am 20. November 1941 in Wormditt, Ostpreußen. 1945 sah sich seine Familie gezwungen, zu fliehen. Viele Erinnerungen an diese Zeit hat er nicht. Doch schön war diese Zeit auf keinen Fall. Im selben Jahr kamen die Höhns in Mitteldeutschland an. Dort warteten sie auf den Vater, der drei Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte.

Aktivposten des Gemeindelebens

Direkt im Anschluss zog die Familie 1948 in die Pfalz in die Nähe von Speyer. Diese Landschaft wurde dabei schnell zu seiner zweiten Heimat. 1969 ging’s dann schlussendlich für ihn mit seiner Frau von Mainz nach Brühl weiter. Und auch hier entwickelte er sich rasch zu einem Aktivposten des Gemeindelebens. Politisch zog es ihn in die CDU und bei Vereinen gab es kaum Grenzen. Engagement bedeutet dabei immer auch Verzicht. Denn man könne sich nicht für alles einsetzen und so sei jeder Entscheid für etwas auch einen Entscheid gegen etwas, sagt Höhn.

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Doch genau in diesem Spannungsfeld entsteht für Höhn so etwas wie Heimat. Sie ist weniger ein Ort im Raum, denn ein Fleck auf der Welt, wo Menschen leben, die einem etwas bedeuten. „Heimat ist so gesehen ein Gefühl, das viel mit sozialer Geborgenheit zu tun hat.“

Aber auch das Gefühl wirkmächtig zu sein, schaffe Heimat. Wichtig ist dabei seine jahrzehntelange CDU-Mitgliedschaft. Vor ziemlich genau 55 Jahren trat er in Ludwigshafen der CDU bei. „Mein Mitgliederausweis trägt die Unterschrift Helmut Kohls.“ In der Hufeisengemeinde entwickelte sich Höhn rasch zu einer wichtigen Figur in der Brühler CDU. Nur das Amt des Gemeinderates strebte er nie an. „Dafür ließ mir mein Berufsleben einfach keine Zeit.“

Vergangenheit prägt Gegenwart

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1995 gehörte er dann zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege. Für ihn eine kleine Mission. Es ist fast so, als hätte er die Worte einer Bundestagsrede Helmut Kohls aus diesem Jahr in Form gegossen. Am 1. Juni 1995 erklärte der damalige Bundeskanzler: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Höhn sagt das in seinen Worten: Man müsse diejenigen, die vorangegangen sind, kennen, weil sie die Voraussetzung für das Leben von heute geschaffen haben. Praktisch hatte das zur Folge, dass Höhn gemeinsam mit einigen Mitstreitern ein Museum auf den Weg brachte – die Heimatstuben in der Neugasse. Daraus erwuchs das Heimatmuseum in der Kirchenstraße und auch das Görler-Museum, das an die Produktionsstätte hochwertiger Radios und Plattenspieler der 1960er Jahre in Brühl erinnert.

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Ein kleiner Coup gelang ihm mit der Initiative, die Namen einiger Mitarbeiter der legendären Luftschifffirma Schütte-Lanz – sein ganz besonderes Steckenpferd – als Straßennamen im Ortsbild zu verewigen. In seinen Augen mehr als gerechtfertigt. Fällt doch einiges an Licht von diesem schillernden Namen aus der Luftfahrtgeschichte auf die Gemeinde.

Es sind viele kleine historische Bausteine, die Höhn gemeinsam mit anderen in den vergangenen Jahren zusammentrug – entstanden ist dabei ein eindrückliches Bild davon, wie es früher einmal in der Hufeisengemeinde war. Eine Sache, die ihn sichtlich stolz macht. Denn, um noch einen großen CDU-Politiker zu zitieren, der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker erklärte, „wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“. Und das ist eines der wenigen Dinge, die in den Augen Höhns nie passieren dürfen.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.