Gemeindebücherei - Kontaktlose Ausleihe wird in geringem Umfang genutzt / Viele Bücher, DVDs und CDs ersetzen als Neuanschaffungen teilweise veralteten Bestand Literatur wartet in Brühler Bücherei geduldig auf die Leser

Von 
Marco Montalbano
Lesedauer: 
Aktuell ist das Büchereiteam dabei, den Medienbestand behutsam von zuvor 23 000 Medien auf künftig 15 000 zu reduzieren – eines für jeden Brühler sozusagen. Für 220 Quadratmeter Fläche stehen zurzeit einfach noch zu viele Titel in den Regalen. © sauer

Brühl. . Christian Sauer zeigt lächelnd auf die neue Holzbox, die seit einiger Zeit vor der Gemeindebücherei in der Ormessonstraße steht – seit Sommer ist er der neue Leiter der Einrichtung. Unter den beiden Fächern steht „Ausleihe“ und „Rückgabe“.

AdUnit urban-intext1

Die Box befindet sich auf einem Bistrotisch und ist unter dem Vordach bestens vor Regen geschützt. Sie ist proppenvoll mit Büchern, darunter viele Neuheiten. Die Leser müssen nur zur Bücherei kommen und können dann ihre entliehenen Medien dort vor der Tür zurückgeben oder ihre vorbestellten Bücher, CDs und DVDs abholen – vollkommen kontaktlos und somit Corona- konform.

Freude über das neue Angebot

Die Nutzer würden das für die Hufeisengemeinde neue Angebot dankend annehmen, bilanziert Sauer, denn wenn auch viele traurig seien, dass die Bücherei schon so lange aufgrund des Lockdowns nicht mehr zugänglich sei, so sei das Feedback doch sehr positiv, sagt der Leiter. Seine Mitarbeiterin Ute Roes betont: „Natürlich fehlt das Persönliche, der direkte Kontakt. Viele Leser kenne ich seit Jahren. Da werden normalerweise immer ein paar freundliche Worte gewechselt und die Beratung erfolgt auch im direkten Gespräch. Jetzt findet sie bei Bedarf telefonisch statt.“ Doch sie ergänzt noch: „Die Leute freuen sich sehr, dass es diese neue Möglichkeit, Medien zu entleihen gibt.“

Wie die kontaktlose Ausleihe konkret aussieht, erklärt Christian Sauer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Am besten ruft man die Website der Gemeinde Brühl auf. Unter dem Menüpunkt ‚Bürger‘ findet man das Stichwort ‚Bücherei‘. Dort ist man nur einen Klick von unserem ‚Online-Katalog‘ entfernt. Im Katalog kann man ganz einfach nach Titeln schauen, indem man Stichworte wie beispielsweise den Autor in die Maske einträgt. Man kann aber auch einfach ‚Reise‘ oder ‚Krimi‘ eingeben.“ Wenn man dann in der Gemeindebücherei anruft oder eine E-Mail mit seinen Wünschen schreibt, werden die ausgewählten Medien vom Büchereiteam zu einem vereinbarten Zeitpunkt in der Box bereitgelegt.

AdUnit urban-intext2

„Es ist auch immer toll, wenn unsere Nutzer dann auch den Standort angeben, der in der untersten Zeile beim Aufrufen eines Titels im Online-Katalog steht. Dort sieht man auch, ob der gewünschte Titel gerade verliehen oder verfügbar ist.“ Ein Mitarbeiter ginge dann zum betreffenden Regal und würde das Buch oder die DVD beziehungsweise CD holen und schon bereitlegen. Fünf bis zehn Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt würden dann die Medien in die Box zur Abholung deponiert.

Nur 322 Ausleihen an zwölf Tagen

„Die Leser sind dankbar für das neue Angebot, aber mit nur 322 Ausleihen waren es für den Januar sehr wenige Medien, die über den Tisch gegangenen sind. Nun, das hängt ja auch damit zusammen, dass es nur zwölf Ausleihtage waren und damit, dass das neue Angebot erst bekannt werden muss“, so Christian Sauer. Laut Medienstatistik seinen es im ersten Monat eines jeden Jahres normalerweise bis zu 5000 Medien, die ausgeliehen würden.

AdUnit urban-intext3

„Zumindest haben wir in den zwölf Monaten bisher Zeit gehabt, andere Aufgaben wahrzunehmen. So wurden im vergangenen Jahr beispielsweise die Fenster, die Lampen und der Teppich erneuert. Aktuell sind wir noch daran, unseren Bestand behutsam von zuvor 23 000 Medien auf künftig 15 000 zu reduzieren. Eines für jeden Brühler sozusagen. Für 220 Quadratmeter Fläche stünden zurzeit einfach noch zu viele Titel in den Regalen, weshalb durch eine Reduzierung des Bestandes die Übersichtlichkeit gefördert würde.

AdUnit urban-intext4

Seltsam sei es schon, durch die menschenleere Gemeindebücherei zu gehen. Da würde man sich manchmal wie im Kloster fühlen. Wegen des Corona-bedingten Schichtbetriebs seien nie zu viele Mitarbeiter auf einmal da. Doch die Planungen gehen zeitlich weit in die Zukunft. So soll es rollbare Möbel in der Bücherei geben, damit man besser für Veranstaltungen Platz schaffen könne, wenn die wieder möglich seien, erklärt der Büchereileiter.

Neue Medien für Kinder

„Wir haben fantastische neue Medien für Kinder in den Bestand aufgenommen. Die freuen sich schon darauf, ausgeliehen zu werden“, sagt Sauer und ergänzt, dass das noch nicht so bekannt sei. „Aber da können sich die Kinder auf ganz tolle Bücher, DVDs und CDs freuen.“

Mitarbeiterin Ute Roes empfiehlt aktuell die „Überraschungspakete“ für Kinder, bei denen sie Bücher und Medien bekommen, die dann eben – wie es der Name sagt eine Überraschung seien. „Die kommen immer gut an“, meint sie.

Manchmal würden sie bei der Beratung auch vor größere Herausforderungen gestellt, so Sauer: „Wir werden beispielsweise nach Krimis gefragt, die nicht zu blutig sein sollen, was natürlich subjektiv anders empfunden wird, oder es soll nicht zu kompliziert oder lang sein. Aber wir versuchen unser Bestes und in der Regel finden wir dann doch das, was die Leser suchen“, sagt Sauer.

Mehr zum Thema

Gemeindebücherei Der Herr der Bücher leidet unter Platzmangel

Veröffentlicht
Von
Ralf Strauch
Mehr erfahren

Gemeindebücherei Ein Provisorium manifestiert sich nach 30 Jahren

Veröffentlicht
Von
ras
Mehr erfahren

Gemeinderat Neues Konzept der Bücherei erntet viel Lob

Veröffentlicht
Von
Ralf Strauch
Mehr erfahren

Im Porträt Liebe zu Büchern schon früh entdeckt

Veröffentlicht
Von
Caroline Scholl
Mehr erfahren

Gemeindebücherei Jochen Ungerer: Sie soll ein Wohlfühlort werden

Veröffentlicht
Von
Volker Widdrat
Mehr erfahren

Gemeindebibliothek Christian Sauer wird neuer Büchereichef

Veröffentlicht
Von
Ralf Strauch
Mehr erfahren

Gemeindebücherei Kontaktloses Leseangebot

Veröffentlicht
Von
ras
Mehr erfahren

Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Rhein-Neckar. Davor Pressereferent bis zum Wechsel auf die „andere Seite“. Studium der Politikwissenschaft. In Vergangenheit lange als Texter für die Wirtschaft tätig. Mitglied der Autorengruppe Literatur Offensive Heidelberg.