Kollerkrotten - Karnevalisten feiern das sechsmal elfjährige Bestehen des Traditionsvereins / Otto Gebhard und Oskar Diez luden 1953 zur Gründungsversammlung ein Mit Rita von Textilien fing die Narretei an

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Sabine Zeuner
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Das Kinderprinzenpaar (Mitte) und der damalige Präsident der „Kollerkrotten“, Gerd Stremmel (r.) bei der Rede zum 33-jährigen Bestehen des Vereins. © kollerkrotten

Brühl. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, zitiert „Kollerkrotten“-Präsident Stefan Röger Zeilen des Gassenhauers von Udo Jürgens. Stolze 66 Jahre sind die Karnevalisten alt und fühlen sich aber so jung wie nie, wie Röger unterstreicht. Besonders hebt er das Ehrenamt hervor: „In der schnelllebigen und kostenreichen Welt, wird es immer schwieriger Leute zu motivieren, sich dem Ehrenamt zu verpflichten. Das bedeutet nicht, sich in irgendeine Liste einzutragen und Vorteile zu genießen, sondern viel Arbeit, Zeit und Geld in eine gemeinsame Sache zu investieren. Hand in Hand für etwas einstehen, auch wenn man vielleicht einmal Zweifel hat.“

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Zudem bringe das Ehrenamt kein Geld, aber Erfahrung und Lebensfreude. „Ich sehe viele in meinem Alter, die sich niemals dem Ehrenamt verschrieben haben, aber deshalb auch nur halb so viele Geschichten von Ereignissen und Vorfällen kennen“, das sei, gerade als Fasnachter, aber auch aus menschlicher Sicht jedoch wertvoll und diene dem Erhalt der Traditionen. Wenn man es dann noch schaffe, wie im Jubelverein aus vielen Fremden eine große Gemeinschaft zu formen, dann habe man mit dem Verein eine zweite Familie. „Menschen die nicht mit dir verwandt sind, aber die dir stets mit Rat und Tat zur Seite stehen“, fasst es Röger locker zusammen.

Jubiläums-Gala-Abend „66 Jahre Kollerkrotten“

Der Jubiläums-Gala-Abend „66 Jahre Kollerkrotten“ findet am Samstag, 19. Oktober, ab 19.53 Uhr in der Festhalle statt.

Ein Programm aus Festreden, Tanz, Musik und Comedy erwartet die Gäste.

Die Festhalle wird bereits ab 18.30 Uhr geöffnet. Es gibt eine Ausstellung mit Zeitungsausschnitten, Orden, Uniformen, Kampagnenheften und mehr; organisiert von einem Team unter der Führung von Bettina Möltgen.

Alte Bilder und Zeitungsausschnitte haben Karl und Waltraud Arnold in Collagen zusammengeführt. zesa

Erste Prinzessin erinnert sich

Mit einem Team aus Engagierten arbeitet Röger zurzeit im Endspurt an der Chronik: „Ich habe ein langes und sehr angenehmes Telefonat mit unserer ersten Prinzessin aus der Kampagne 1954/55, Rita I. aus Textilien alias Rita Stotz geborene Faulhaber, geführt“, freut sich Röger noch im Nachgang, wie viel die Seniorin zu erzählen hatte. Stotz, inzwischen über 90 Jahre alt, habe sich sehr über die Einladung zum Jubiläum gefreut, sieht sich aber leider nicht mehr in der Lage dabei zu sein. „Jedoch erinnerte sie sich durch die Einladung an ihre Kampagne bei uns – an ein Jahr, welches mit zu den schönsten Jahren in ihrem langen Leben gehörte“, das habe sie mehrfach gesagt.

Kunterbunt zeigt sich die Narrenschar alljährlich, setzt Höhepunkt an Höhepunkt für ein munteres Leben in der fünften Jahreszeit. Glanzlichter sind dabei Prinzessin oder Prinzenpaar – man darf gespannt sein, wer im Jubeljahr den Thron besteigt.

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Ein Blick in die Chronik verrät: „Die Begeisterung für das karnevalistische Treiben, die sich allenthalben breitmachte, ermöglichte auch in Brühl die Gründung eines Karnevalvereins.“ Zur Gründungsversammlung am Samstag, 17. Oktober 1953, im Gasthaus „Zur Traube“ hatten Otto Gebhard und Oskar Diez eingeladen. Zuvor wurde das närrische Treiben von den karnevalistischer Abteilung des Turnvereins lebendig gehalten, nun gelang die Gründung der „Kollerkrotten“ mit 33 Personen.

Zum Jubiläum auf den Olymp

Im Saalbau „Zum Ochsen“ stiegen bei der ersten Sitzung Fred Reichel, Rudolf Luksch, Erich Moser, Inge Kübler, Hermann Kübler, Heinrich Kemptner und Rosa Schwindtner in die Bütt. Stetig entwickelte sich der Verein weiter, feierte Höhepunkt um Höhepunkt. Einer der ersten war dabei der erste Fasnachtsumzug 1954, der nach Zeitungsberichten interessant durch seine vielen Wagen und Gruppen gewesen sein muss. Der Festzug zur 800-Jahr-Feier der Stadt 1957 mit Garden und Elferrat im Gefolge reiht sich nahtlos an.

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Die Narrenhoheit wurde anfangs am Silvesterabend gekrönt, im rauschenden Ballambiente. Vielfach sind die Aktiven für jahrelange aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet worden – bis heute vergeht keine Kampagne, ohne dass Mitglieder der „Kollerkrotten“ im Ehrungsreigen des Narrenverbands zu finden sind.

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Ob in „Krollywood“, im Zeichen der Flower-Power-Zeit, „Zurück in die Zukunft“ oder in der vergangenen Kampagne in „Irland“ unterwegs – die „Kollerkrotten“ verstehen, zu feiern, zu begeistern und mitzureißen.

„Leitspruch der Jubiläumskampagne ist ,Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an’, in der Sitzung zieht es uns aber auf den Olymp“, weckt Röger schon jetzt Interesse für die neue Kampagne der „Kollerkrotten“.

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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