Hochwasser - Die meisten Vereine mit Sitz in den Rheinauen kommen ohne Schäden davon / Wassersportverein und Angelsportverein Neckarau sind aber arg gebeutelt Noch wird in Brühl keine Entwarnung gegeben

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Ralf Strauch
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Das Bootshaus des Wassersportvereins liegt direkt am Rhein (links unten) – ansonsten eine idyllische Lage, bedeutet der Standort, dass bei Hochwasser das Gebäude nasse Füße bekommt. Die Luftaufnahme zeigt nicht den Höchststand des Wassers – da stand der Rhein etwa einen Meter hoch im Erdgeschoss des Hauses, in dem normalerweise die Boote gelagert sind. © feuerwehr

Brühl. „Zum Glück konnten wir am Dienstagabend mit einer Sondergenehmigung zu unserem Bootshaus fahren“, bilanziert Kurt Ding, Hallenwart des Wassersportvereins Brühl. Das Vereinsdomizil direkt am Rhein war durch das Hochwasser im Erdgeschoss gut hüfthoch geflutet worden, berichtet Ding. Inzwischen sei das Wasser zwar wieder raus, doch habe sich eine mindestens fünf Zentimeter dicke Schlickschicht am Boden abgesetzt – „das ist deutlich mehr als wir sonst bei Hochwassern wegmachen müssen“, so Ding.

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Und da sei es wichtig, den richtigen Moment zur Beseitigung zu finden, betont der Vorsitzende des Vereins, Roland Schäfer, „denn wenn die Mabbel erst einmal getrocknet ist, wird es ungleich schwieriger, ihn zu entfernen“. Deshalb würde der Verein gern bereits am Samstag mit dem großen Reinemachen beginnen, „aber das hängt davon ab, ob bis dahin die Sperrung aufgehoben worden ist“, stellt Schäfer fest.

Amtsleiter Jochen Ungerer legt nämlich auf die Feststellung Wert, dass die Sondergenehmigung für die Fahrt zum Bootshaus nur auf einzelne Personen ausgestellt sei. „Das ist gerade bei diesem Wetter, wenn man durch den Schnee nicht sieht, wo die Straße aufhört und die Fluten anfangen, zu gefährlich.“ Zudem entscheide nicht das Rathaus, sondern das Landratsamt über eine Freigabe von Weidweg und Kollerstraße. Und in der Heidelberger Behörde wurde die Komplettsperrung der Straße für die nächsten Tage am Mittwochabend bestätigt.„Ich kann nur dringend davon abraten, jetzt da rauszugehen, nur weil die Pegelstände ein wenig gesunken sind“, warnt der Amtsleiter Vereinsmitglieder und Schaulustige.

Heizungsanlage ist ausgefallen

Zurück zum Wassersportverein: Boote und Material hatten die Mitglieder in weiser Voraussicht in zwei Aktionen schon vor dem gewaltigen Anschwellen des Flusses aus dem Erdgeschoss in den ersten Stock verfrachtet, „unser Bootshaus ist so gebaut, dass Hochwasser ohne große Schäden anzurichten, durchs Erdgeschoss fluten kann“, erklärt Ding.

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Dennoch war es „kurz vor knapp“, dass er mit Sondergenehmigung am Dienstagabend den gesperrten Bereich betreten dufte, um im Bootshaus nach dem Rechten zu sehen. „Durch einen Kurzschluss war die Heizungsanlage ausgefallen – im Kessel herrschte nur noch eine Temperatur von zwei Grad Celsius“, beschreibt er die vorgefundene Situation. Er sieht es als sicher an, dass in der Folgenacht die Heizanlage komplett eingefroren wäre und dadurch massiven Schaden genommen hätte.

Warten auf das Druckwasser

„Wir kommen wohl mit einem blauen Auge davon“, urteilt hingegen Andreas Bühler, Vorsitzender des Angelsportvereins Rohrhof. Fischerhütte und das Vereinsgewässer „Spießwiesen“ seien von einem Damm gut gegen das eigentliche Hochwasser geschützt. „In den 1980er Jahren ist der Deich gebrochen und wir hatten die Fischerhütte bis unters Dach geflutet“, erinnert er sich.

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Doch diesmal ist alles gut gegangen. Allerdings ist für den Verein die Überflutungsthematik noch nicht vorbei. Denn bei schnell fallenden Pegelständen des Rheins zieht es im Untergrund das Wasser aus den Schwetzinger Wiesen, weshalb der Anglersee dann plötzlich über die Ufer treten und nach dem Hochwasser die Hütte ein wenig fluten kann. „Deshalb haben wir sicherheitshalber die Elektrogeräte in der Hütte auf die Tische gestellt“, sagt Bühler, „jetzt müssen wir die nächsten Tage abwarten, doch der Rheinpegel sinkt so langsam, dass wir nicht mit eindringendem Wasser rechnen“.

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Glück hatte auch der Angelsportverein 1965 Brühl. Sein Vereinsheim steht zwar im Weidweg, „aber glücklicherweise auf so hohem Niveau, dass kein Hochwasser dorthin kommt“, sagt Vorsitzender Stefan Schäfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei den regelmäßigen Kontrollen durch die Verantwortlichen des Vereins sei auch festgestellt worden, dass das Außengelände des Fischerheims von den Fluten verschont geblieben sei.

Und auch das Fischgewässer, den Volkschen Weiher, habe man rechtzeitig mit einer Schließe absperren können. „Zwar ist dort nach der langen Trockenheit endlich mal wieder Wasser hineingelaufen, aber unsere Fische konnten nicht abhauen“, bilanziert Schäfer. Wäre das der Fall gewesen, hätte das Hochwasser die Erfolge der jahrelangen Hegemaßnahmen beim Fischbesatz innerhalb kürzester Zeit zunichtegemacht.

Wohl mit einem blauen Auge ist der Country-Club „Buffalo’s“ davongekommen, wie dessen Vorsitzende Monika Molisse attestiert. „Unsere Ranch ist durch Erdwälle geschützt und liegt etwas höher – da ist bislang auch kein Druckwasser aufgetreten“, sagt sie. Gleichwohl würde die Vorstandsspitze und der Platzwart die Situation sehr genau im Auge behalten.

Pumpen im Dauereinsatz

„Wir haben mit vereinten Kräften den beiden Hochwasserwellen getrotzt“, freut sich Reinhard Baumann, zweiter Vorsitzender der Sportgemeinde. Doch abgeschlossen sind die Arbeiten am Schießstand und bei der Vereinsgaststätte noch lange nicht. „Wir haben unsere ehrenamtlichen Helfer noch einige Zeit im Schichtbetrieb im Einsatz, um die Pumpen zu bedienen“, verrät er. Denn das Problem bei den Schützen ist das Druckwasser im Untergrund, das durch die Kapillarwirkung in die Fundamente und Wände eindringen würde, wenn es nicht abgepumpt würde. Dazu wurden unter dem Vereinsdomizil zwei große Zisternen installiert, in denen sich das hochsehende Grundwasser sammelt. „Da pumpen wir es eine halbe Stunde lang ab, leiten es über ein Schlauchsystem ab, lassen die Zisternen eine halbe Stunde volllaufen und werfen dann die Pumpen erneut an“, berichtet Baumann. So sei es gelungen, Hochwasserschäden an Gebäuden und Inventar abzuwenden. Gerade bei den erst kürzlich renovierten Schießständen im Souterrain des SG-Vereinsheims hätte eindringendes Wasser „verheerenden finanziellen Folgen für unsere aufstrebende Vereinsgemeinschaft gehabt“, stellt Baumann fest.

Verantwortlich für die wichtige Arbeit rund um die SG-Anlage ist eine zwölfköpfigen Task-Force 21 unter der Leitung von Hermann Hemmerich – zurzeit wird er Deichgraf genannt. Sie hätten in hervorragender Zusammenarbeit mit der Feuerwehr um ihren Kommandanten Marco Krupp – sie stellt unter anderem die beiden Pumpen zur Verfügung – und der Gemeindeverwaltung mit Amtsleiter Jochen Ungerer einen „hervorragenden Job gemacht“, bestätigt der zweite Vorsitzende des Vereins.

Und auch der benachbarte Kurpfälzische Reit- und Pferdesportverein ist ohne Blessuren am Hochwasser vorbeigeschrammt. „Unsere Ställe liegen höher als der Wasserspiegel“, erklärt die Vorsitzende Anja Ackermann auf Anfrage unserer Zeitung. Selbst bei noch extremeren Hochwasserständen in den vergangenen Jahrzehnten hätte die Pferde noch nie evakuiert werden müssen, fasst sie die Situation zusammen.

Fischerhütte komplett überflutet

Land unter hingegen hatte der Angelsportverein Neckarau zu vermelden, dessen Vereinsgelände in den Auen vor dem Rohrhofer Hochwasserdamm zu finden ist. Dort war die Fischerhütte komplett fast einen Meter tief im Wasser gestanden. Vorsitzender Wolfgang Huff befürchtete, dass zusammen mit dem Frost die Hütte bersten könnte. „Das Holz ist vollgesogen mit Wasser – wenn das gefriert, könnte der bisherige Schaden noch weiter anwachsen“. Zwar könne er bis jetzt, auch wenn das Wasser inzwischen wieder in den See zurückgeflossen ist, die Verwüstung nur grob feststellen, „aber wir haben bei einem ersten Rundgang sofort erkannt, dass die gesamte Zufahrt neu gemacht werden muss“, meint der Vereinsvorsitzende.

In der Hütte habe sich so viel Schlamm abgesetzt, dass es sicherlich drei bis vier Tage dauern werde, mit den vereinten Kräften der Mitglieder die Sedimentschicht zu entfernen. Elektrische Geräte habe man vor den Fluten noch in Sicherheit bringen können, doch sei ungewiss, ob der Verein die Kosten für den Wiederaufbau aus eigenen Mitteln wird stemmen können.

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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