Im Interview - Filmemacher Claus Withopf dokumentierte zehn Jahre lang das Wirken der Musikerin Anne Clark / Dreharbeiten in England eine Herausforderung Sie ist „eine herausragende Künstlerin“

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Vanessa Schwierz
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Anne Clark (l.) wird von Claus Withopf (Mitte) und seinem Team gefilmt. Auf die Zusage der Musikerin für die Dokumentation, musste Withopf mehrere Monate warten. © Werth

Brühl/Ketsch. Elektronische Musik einer blonden britischen Poetin. Anne Clark erlangte im Zuge der europäischen New-Wave-Bewegung in der 1980er-Jahren international Popularität. In Deutschland wurden die Menschen durch ihren Song „Our Darkness“ besonders auf sie aufmerksam – er war die Titelmelodie des Politmagazins ZAK.

Zur Person: Claus Withopf

Claus Withopf ist 1972 in Mannheim geboren. Als er fünf Jahre war, zog er mit seiner Familie nach Brühl und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend.

In Mannheim machte er 1992 sein Abitur und anschließend Zivildienst, bevor er 1994 für sein Studium nach Frankfurt zog. Er studierte Film an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach und beendete es 2001 mit dem Diplom.

Am City College of New York studierte er von 2002 bis 2003, während eines Stipendiums, Film mit Schwerpunkt Drehbuch, Regie und Kamera.

Seit 2007 unterrichtet er Film und Video an der HfG Offenbach und leitet dort das „VideoLab“.

Ihn inspirierten vor allem die Filmregisseure Pier Paolo Pasolini, Rainer Werner Fassbinder und Derek Jarman. vas

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Filmemacher Claus Withopf (Bild) begleitete die Musikerin mit der Kamera zehn Jahre lang. Daraus entstand ein faszinierender Dokumentarfilm, der sie nicht nur bei der Arbeit im Studio zeigt, sondern auch Einblicke in ihre Biografie gibt. Heute Abend ist der Film um 19.30 Uhr im Central Kino in Ketsch zu sehen. Im Interview verrät Claus Withopf, wie es zum Kontakt mit Anne Clark kam und wie er selbst zum Filmemacher wurde.

Sie studierten Film in Offenbach und New York. Wann wussten Sie, dass Sie Filme machen wollen?

Claus Withopf: Schon auf dem Gymnasium war ich sehr interessiert. Ich ging viel ins Kino, auch nach Ketsch. In Mannheim besuchte ich oft das Cinema Quadrat. Dort sah ich eine Pasolini Retrospektive und Filme von Derek Jarman. Er bewegte sich zwischen Kunst und Film und das hat mich sehr fasziniert. Begeistert war ich aber auch von Astronomie und dadurch dann in der Bredouille. In Heidelberg hatte ich mich schon fast für Mathematik und Physik eingeschrieben und dann entschied ich mich doch für die Kunst. Und so ging ich nach Offenbach und studierte Film.

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Warum haben Sie sich für einen Dokumentarfilm mit einer Musikerin entschieden?

Withopf: Nach meiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete ich als freischaffender Filmemacher. Ich wollte meinen ersten langen Film drehen. Ich dachte, dass ein Dokumentarfilm schneller und einfacher zu realisieren sei, als ein Spielfilm (er lacht). Und auch wollte ich Musik, Film und Literatur miteinander verbinden. Dass es dann von der Idee im Jahr 2005 über die Dreharbeiten bis zur Premiere 12 Jahre dauern würde, hätte ich nicht erwartet. Aber mein Traum war eben, gleich einen Kinofilm zu machen. Den erfüllte ich mir. (Anm. d. Red.: Der Film kam im Januar 2018 in die Kinos).

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Wie entstand der Kontakt zu Anne Clark?

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Withopf: Das erste Mal habe ich Anne Clark in den 1980er-Jahren bei der Musiksendung „Formel Eins“ im Fernsehen gesehen. Ich begann, ihre CDs zu kaufen, hörte gerne ihre Musik und sah sie im Mannheimer Capitol das erste Mal live. Nach ihren Konzerten kam sie raus zum Publikum oder gab Autogramme. Da wechselte ich die ersten Worte mit ihr. Als ich im Jahr 2005 den Beschluss fasste, sie persönlich für einen Film zu gewinnen, wollte ich mich mit der Projektidee direkt bei ihr vorstellen. Ich schrieb mein Konzept nieder und brannte meine Kurzfilme auf DVD. Auf einem Konzert in Brüssel wollte ich ihr das Material geben. Da sie gesundheitlich angeschlagen war, kam sie aber diesmal nach dem Konzert nicht raus. Über den Tourmanager und mehrfachem Erbitten, dass ich persönlich mit ihr sprechen muss, kam sie doch noch und ich konnte die Idee kurz vorstellen und ihr das Material geben. Mehrere Monate hörte ich nichts von ihr, aber dann begann sie mit den Aufnahmen von ihrem neuen Studioalbum und sie lud uns dazu ein, sie dabei zu filmen und zu begleiten. So begannen 2006 die Dreharbeiten.

Was haben Sie von den Dreharbeiten in besonderer Erinnerung?

Withopf: (Er lacht) Es war sehr umfangreich. Ich habe nicht nur als Regisseur, sondern auch als Produzent gearbeitet. Teilweise habe ich auch die Kamera geführt. Und zum Glück habe ich relativ früh schon einen Kinoverleih gefunden. So war klar, dass der Film im besten Fall auch im Kino gezeigt wird. Die Erfahrungen der Dreharbeiten mit Anne Clark in England waren natürlich aufregend und spannend. Ich kann sagen, dass mir der gesamte Entstehungsprozess der Dokumentation in sehr guter Erinnerung ist.

Worin lag die Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Withopf: Wir hatten nur wenige Drehtage in England und alles musste untergebracht werden. Wir hatten quasi nur knapp drei Tage in London. Produktionstechnisch war es zum Teil schwierig von A nach B zu kommen, weil die Drehorte natürlich überall in London verteilt lagen.

Mit welchen drei Worten würden Sie Anne Clark beschreiben?

Withopf: Eine herausragende Künstlerin.

Info: Den Filmtrailer gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de