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Lesetipps - Literarisches Duett Dagmar Krebaum und Barbara Hennl-Goll empfiehlt drei Romane über Gewalt gegen Frauen

Vermisst, verhaftet und verweigert

Von 
zg/ras
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Brühl. Die Lesezeit im Herbst beginnt endlich – aber eigentlich ist ja immer Lesezeit. Das zumindest meint das literarische Duett aus Brühl – Barbara Hennl-Goll und Dagmar Krebaum. Und die beiden Bibliophilen haben auch gleich drei Bücher als Tipps parat, die ihnen ganz besonderen Spaß beim Schmökern gemacht haben.

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Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani, Autor unzähliger Kriminalromane, Drehbücher für Fernsehspiele und Fernsehserien, mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, macht Gewalt gegen Frauen zum zentralen Thema seines neuen Krimis „Letzte Ehre“. Alles beginnt mit einer Vermisstenmeldung: Eine 17-Jährige ist nach einer Party verschwunden und allen Indizien nach nicht mehr am Leben. Schnell gerät der neue Lebensgefährte der Mutter, ein Frauenaufreißer der übleren Sorte, in den Fokus. Doch im Verlauf der Vernehmungen des Mannes und seiner Freunde werden noch ganz andere Verdächtigungen plausibel.

Ein zweiter Fall kommt hinzu, einer Frau aus feineren Kreisen, in ihrer Kindheit auf unfassbare Weise mit dem Wissen der Eltern missbraucht, jetzt als Erwachsene schwer psychotisch. Die verschiedenen neuen und alten Fälle, die Ani aufrollt, haben alle mit Gewalt gegen Frauen zu tun, mit Übergriffigkeit, Missbrauch, es geht auch um Racheakte von Frauen und darum, wie Erlebnismuster erbarmungslos von Generation zu Generation weitergegeben werden.

„Es ist ein großartiger Roman, der mich eine Nacht gekostet hat, um ihn nicht vor dem Ende weglegen zu müssen“, bilanziert Krebaum. „Letzte Ehre“ von Friedrich Ani ist im Suhrkamp Verlag mit der ISBN 978-3-518-42990-7 erschienen. Die 270 Seiten kosten 22 Euro.

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Im Mittelpunkt des Romans „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar, ihrem zweiten nach ihrem Debüt „Nachts ist es leise in Teheran“ stehen drei junge Frauen, die drei Kameradinnen, die sich seit ihrer Kindheit in einer Siedlung am Stadtrand kennen: Hani, Kasih und Saya.

Ihre Eltern sind geflüchtet, von wo oder weswegen erfährt man nicht. Wo genau sie leben und wo ihre kulturellen Wurzeln liegen, spielt ebenfalls keine Rolle, denn es zählt nur, dass sie nicht „von hier“ sind. Die Leser erfahren lediglich, dass eine von ihnen keine braune Haut hat.

Das Buch beginnt mit einem Jahrhundertbrand, vorsätzlich gelegt in einer Mietskaserne, bewohnt hauptsächlich von Menschen mit Migrationshintergrund, die in dem Feuer sterben. Ein offensichtlich rassistisch motiviertes Verbrechen, von den Medien in einen islamistischen Terroranschlag umgedeutet.

Saya, Kasihs beste Freundin, die sich schon als Jugendliche gegen Diskriminierung gewehrt hat, wird verhaftet. Während einer langen Nacht wartet Kasih auf Sayas Freilassung und erzählt die gemeinsame Geschichte der drei Freundinnen. Der wuchtige Roman „Drei Kameradinnen“ ist bei Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-05276-3, veröffentlicht worden und kostet 22 Euro.

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Die Autorin Christine Drews ist Schriftstellerin und Drehbuchautorin für Filme und TV-Serien. Sie schreibt im Nachwort zu ihrem Roman „Freiflug“, wie sie zufällig auf das Schicksal der Rita Maiburg stieß, nach der in Köln eine kleine Straße in einem Industriegebiet Flughafen benannt ist. Sie habe den Fall zum Anlass genommen, tief einzutauchen in die Geschichte der Emanzipation. „Es erschütterte mich, wie es um die Rechte der Frau in den 1970er Jahren bestellt war.“

Rita Maiburg will hoch hinaus. Linienflugkapitänin will sie werden, die großen Passagiermaschinen fliegen. 1974 bewarb sie sich bei der Lufthansa und bekommt als Ablehnungsgrund „grundsätzliche Erwägungen“ genannt. Die junge Frau verklagt die Kranich-Airline und ihren Eigentümer, die Bundesrepublik, wegen Verstoßes gegen das im Grundgesetz verankerte Gebot der Gleichbehandlung von Mann und Frau. Sie scheitert vor Gericht, ebnet aber vielen anderen jungen Frauen den Weg, obwohl der Anteil heute bei gerade mal fünf Prozent liegt.

„Freiflug“ ist ein faszinierender Gesellschaftsroman, auch wenn er es mit den historischen Fakten nicht immer hundertprozentig genau nimmt.

Dennoch ist „Freiflug“, erschienen bei Dumont mit der ISBN 978-3-8321-8130-7, ein sehr lesenswerter Roman, der 20 Euro kostet. zg/ras

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