Kollerkrotten - Karnevalisten müssen ihre Räume im Alten Schulhaus verlassen / Ära als Vereinsheim endet nach 60 Jahren Viel Abschiedsjammer in der Kammer

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zg/ras
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Leere herrscht derzeit in der Kammer des Alten Schulhauses, die 80 Jahre als Klassen-zimmer und 60 als Vereinsraum der „Kollerkrotten“ genutzt wurde. © Keller

Brühl. Für die „Kollerkrotten“ stellte das Wochenende das Ende einer Ära dar. Die Karnevalisten mussten nach über 60 Jahren ihr Vereinsheim im Alten Schulhaus, das von den Vereinsmitgliedern liebevoll Kammer genannt wurde, räumen. Der Grund dafür ist, dass die Kinderbetreuung, die schon in den meisten anderen Räumen des historischen Schulhauses untergebracht ist, dringend weitere Räume für ihre Arbeit benötigt.

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Viele Jahrzehnte lang wurden in der Kammer wichtige Sitzungen durchgeführt, bis spät in die Nacht Kostüme genäht und Kulissen gebaut und ansonsten auch sehr viel gemeinsam getanzt, gelacht und gefeiert, erinnern sich die Karnevalisten mit Wehmut. Der damalige Bürgermeister Alfred Körber hatte die Vereinskammer an die „Kollerkrotten“ übergeben. Während der Nutzungsdauer wurde die Kammer sogar zweimal in Eigenarbeit durch die Narren liebevoll umgebaut und renoviert.

„Viel Zeit, Energie und Arbeit steckte in der Kammer, deren Wände so einige Bilder, Urkunden und andere Erinnerungsstücke zierte“, blicken die Vereinsverantwortlichen zurück und schauen sich betrübt im nun leeren historischen Klassenzimmer um. All die Erinnerungsstücke waren zuvor in Kartons und Kisten verpackt worden und warten nun auf den Einzug in neue Räumlichkeiten.

„2020 stellt durch die andauernde Corona-Pandemie ohnehin bereits ein sehr hartes und schwieriges Jahr für alle Vereine dar und nun mussten wir ,Kollerkrotten’ zusätzlich schweren Herzens unser Zuhause in die Hände der Gemeinde zurückgeben“, stellt der Vereinsvorstand bedauernd fest. Doch trotz dieser Krisenzeiten hätten sich an zwei Wochenenden viele fleißige Mitglieder und Helfer gefunden, die gemeinsam das Vereinsheim leergeräumt haben. „Auch musste einiges ausgemistet werden, womit ganze zwei Container mit Dingen – etwa alten Kulissen – gefüllt wurden“, bilanzieren die Karnevalisten. Da die gesamte Räumungsaktion trotz Corona-Krise stattfinden musste, bemühten sich die „Kollerkrotten“ um Schutzausrüstung und es wurden dabei alle Vorschriften zur Bekämpfung der Infektionsgefahr eingehalten. So habe die Sicherheit für alle helfenden Hände gewährleistet werden können.

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Die Räume unter dem Dach des Alten Schulhauses dürfen die „Kollerkrotten“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, vorerst weiterhin als Lagerraum benutzen. Als Übergangslösung für den Verein habe die Gemeindeverwaltung den „Kollerkrotten“ Räumlichkeiten unter der Sporthalle der Schillerschule bereitgestellt, in denen nun bis auf Weiteres Kostüme gelagert würden und irgendwann wohl auch wieder Versammlungen stattfinden könnten. Aktuell weichen die „Kollerkrotten“ aufgrund der Versammlungsbeschränkungen – wie viele andere Vereine auch – auf Online-Meetings aus, um zumindest in kleineren Kreisen wichtige Angelegenheiten zu klären.

Das Alte Schulhaus war im September 1884 nach rund einjähriger Bauzeit für die Unterrichtung der insgesamt 280 Kinder fertiggestellt worden. In ihm befanden sich damals drei Lehrsäle und eine Hauptlehrerwohnung, die allerdings ohne großen finanziellen Aufwand durch das Herausnehmen der Trennwände in ein weiteres Klassenzimmer umgewandelt werden konnte.

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In den 1960er Jahren wurden die Klassenräume nach und nach Vereinen zur Verfügung gestellt. 1998 startete die Kernzeitbetreuung in der Jahnschule mit 18 Kindern. Die Nachfrage nach diesem Betreuungsangebot und nach Hortplätzen wuchs schnell, so dass zunächst Räume im Mittleren Schulhaus bezogen wurden, dann die im Erdgeschoss des Alten Schulhauses. Doch die Notwendigkeit neuer Räume blieb ungebrochen, weshalb inzwischen die meisten Vereine das Alte Schulhaus verlassen mussten. zg/ras