Gesundheit - Mit dem E-Rezept verbinden Apotheker in der Hufeisengemeinde nicht nur Positives / Onlinegeschäft könnte Kunden kosten / Datensicherheit wichtig Weidner: Mehr Risiken als Chancen

Von 
Volker Widdrat
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Brühl. Das E-Rezept kommt! So meldet es die Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit. Das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“, mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das elektronische Rezept einführt, ist am 16. August in Kraft getreten. Die Selbstverwaltung der Ärzte und Apotheken ist verpflichtet, die notwendigen Regelungen für die Verwendung des elektronischen Rezeptes zu schaffen – innerhalb einer Frist von sieben Monaten.

Katharina Weidner von der Perkeo-Apotheke befürchtet mit der Einführung des E-Rezepts eine Schwächung der Apotheken vor Ort. © Privat
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Das E-Rezept ermögliche „weitere neue digitale Anwendungen. Von der Medikationserinnerung bis hin zum Medikationsplan mit eingebauten Wechselwirkungscheck“, heißt es weiter. Mit der neuen Regelung will Jens Spahn die Digitalisierung des Gesundheitssystems weiter vorantreiben. Der Online-Versandhandel dürfte von der Einführung des elektronischen Rezeptes stark profitieren. Für die Apotheken vor Ort könnte die Marktentwicklung dagegen gefährlich werden.

„Versand wird zunehmen“

„Der Anteil der Versandapotheken im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wird steigen – zu Lasten der stationären Apotheken“, schreibt das „Handelsblatt“. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) und das Unternehmen DocMorris kooperieren bereits bei der Umsetzung von Lösungen im Bereich E-Rezept. Die Versandapotheke aus den Niederlanden freut sich auf die Entwicklung. „Dank unserer erprobten E-Rezept-Technologie und umfassenden Arzneimitteltherapie-Sicherheitsprüfung können alle Marktbeteiligten bereits vor der offiziellen Einführung des E-Rezepts im kommenden Jahr von den Vorteilen profitieren“, sagte DocMorris-Vorstandsvorsitzender Olaf Heinrich.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fordert für gesetzlich Versicherte in Deutschland in Zukunft auch beim E-Rezept „die volle Wahlfreiheit, zu welchem Arzt sie dafür gehen und in welcher Apotheke sie es einlösen wollen“. „Das E-Rezept soll für Patienten leichter handhabbar und sicherer einlösbar sein, darf aber keinesfalls Verbraucherrechte einschränken oder zur Steuerung des Patienten an einen bestimmten Anbieter missbraucht werden“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker. Der Deutsche Apothekertag in Düsseldorf Ende September verlangte vom Gesetzgeber, „sichere und verlässliche ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen für die inhabergeführten öffentlichen Apotheken in Deutschland zu gewährleisten“. Mit der Einführung des E-Rezeptes werden Ärzte künftig in ihrer Praxis die Auswahlmöglichkeit haben, ein Rezept auszudrucken oder digital zu erstellen.

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Bei der digitalen Variante wird das E-Rezept auf einem Server verschlüsselt gespeichert. Der Patient erhält ein Zugriffsrecht mittels eines Codes, mit dem er die Apotheke seiner Wahl befähigt, auf dieses digitale Rezept zuzugreifen. Damit E-Rezepte verschlüsselt von der Arztpraxis über den Server zum Patienten und dann in die Apotheke kommen können, braucht es eine „Datenautobahn“. Diese „Telematik-Infrastruktur“ wird derzeit bei Ärzten und Apothekern aufgebaut. Welche Auswirkungen der Einstieg von Versandhändlern wie DocMorris ins Geschäft mit den E-Rezepten haben wird, ist noch nicht klar.

„Makeln“ muss verboten sein

„Die Datensicherheit muss gewährleistet sein, der Patient muss die Hoheit darüber behalten, wo seine Daten hingehen“, meint der Inhaber der Carl-Theodor-Apotheke, Dr. Jürgen Sommer. Das E-Rezept sei, „wenn die Digitalisierung richtig und sicher läuft“, bestimmt für alle Beteiligten von Vorteil. Der Gesetzgeber sei aber immer noch gefordert. Das „Makeln“ von E-Rezepten müsse verboten sein. Ärzte und Krankenkassen dürften Patienten hinsichtlich ihrer Apothekenwahl nicht beeinflussen.

Mit Infrastruktur gut gerüstet

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„Die Apotheken vor Ort müssen ihre Kunden dagegen weiter überzeugen“, so Sommer. Für die Inhaberin der Perkeo-Apotheke, Katharina Weidner, birgt die Einführung des elektronischen Rezepts mehr Risiken als Chancen. „Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Wenn aber bei der Datenübertragung etwas schiefläuft, kann jeder im Netz die Angaben des Patienten sehen“, fürchtet sie. Die Perkeo-Apotheke sei mit der bereits vorhandenen Telematik-Infrastruktur gut gerüstet. Die Neuregelung dürfte auf jeden Fall die Versandapotheken stärken, meint Katharina Weidner: „Die Anzahl der Vor-Ort-Apotheken wird dagegen mit Sicherheit zurückgehen.“ Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig.

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Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gab es Ende 2018 in Deutschland knapp 19 500 Apotheken. Ob die elektronische Übermittlung von Rezepten Pflicht wird, ist noch nicht raus. „Das E-Rezept soll das klassische Rezept auf Papier nicht vollständig ablösen: Wer will, kann auch weiterhin das Papierrezept erhalten“, beschwichtigt das Gesundheitsministerium auf seiner Homepage.

Freie Autorenschaft Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.