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In der aktuellen Serie „Raus in den Garten“ geht es um Erfahrungen mit Themen, die den Garten betreffen.

Große Liebe zur weiten Welt im Garten verewigt

Für viele Menschen waren die vergangenen Wochen nicht leicht. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote engten das Leben auf den eigenen Wohnbereich ein. Aktuelle Lockerungen machen Hoffnungen und schaffen Perspektiven für ein Leben mit Corona. Dennoch ist längst nicht alles möglich, viele Menschen bleiben aus Angst weiterhin zu Hause. Wohl dem, auf den dort ein Garten wartet. Wie im Fall von Ursula und Klaus Nothhelfer, die ihr Haus samt Garten in der Hufeisengemeinde bereits seit rund 45 Jahren besitzen.

„Sie haben recht. Mir ist das vorher noch gar nicht aufgefallen“, ist Ursula Nothhelfer sichtlich überrascht, als ich sie auf die vermeintlichen Wasserpfeifen aufmerksam mache, die das Zentrum ihres Gartens bilden. Tatsächlich handelt es sich um einzelne Töpferarbeiten, die durch ein Rohr im Innern zusammengehalten werden. Ursula Nothhelfer, deren Mund, wie der ihres neben ihr sitzenden Mannes, durch eine FFP-2-Maske verdeckt ist, lacht erst ausgiebig und ergänzt dann: „Wahrscheinlich liegt das an den vielen Reisen, die wir auf der ganzen Welt unternommen haben.“

Die 77-Jährige und ihr Mann Klaus sind nämlich viel rumgekommen. Sie waren im Nahen und Mittleren Osten – im Jemen, dem Iran und Afghanistan. Orte, die das Ehepaar bereiste, als dort noch keine Kugeln durch die Luft flogen, Orte, die es gerne noch einmal sehen würde. Japan, ein Land, das vor allem Ursula Nothhelfer begeistert, hat sogar ein eigenes Plätzchen im Garten bekommen – samt Altar und zwei selbstgebauten Pfählen mit japanischen Schriftzeichen.

Auch darüber hinaus gibt es beim Rundgang durch das gepflegte aber keineswegs sterile Grün für den Beobachter weitere Fundstücke aus fernen Ländern mehrerer Kontinente zu entdecken.

Problematisch dabei ist die Maske auf dem Gesicht, die beim ersten Durchschreiten das Riechen an den vielen Blumen verhindert. Erst als ich den Rundgang ein zweites Mal ohne Begleitung vollführe, nehme ich sie kurz ab, rieche an der rosafarbenen Persischen Rose und bin verzückt. Ein Duft, gleich der einer Zitrone, dringt in meine Nase.

Vorbei an Johannisbeeren, alten Vasen und einem kleinen Kräuterbeet, nehme ich den Garten als Gesamtkunstwerk wahr, das geplant, jedoch nicht nach stringenter Abfolge entstanden zu sein scheint. Wildwuchs mischt sich mit Kultiviertem – Rosen mit Kartoffeln, Kräuter mit Eisbegonien. Alles scheint ineinander überzugehen. Der Grund dafür ist im Fernweh des Ehepaares zu finden, das das Erkunden ferner Welten und fremder Kulturen noch nicht aufgegeben hat.

Ein Spiegel der Vergangenheit

Das nächste Reiseziel sollte Kuba sein, dort waren sie noch nie. „Aufgrund der aktuellen Situation gestaltet sich die Urlaubsplanung derzeit natürlich noch schwierig – nicht nur für uns“, so Klaus Nothhelfer, der vor allem mit deutlich höheren Flugpreisen rechnet.

Umso glücklicher ist der Ingenieur über den eigenen Garten, der den Gang ins Freie auch in der Zeit von Corona jederzeit gefahrlos möglich macht. „Auch wenn weite Reisen derzeit noch unvorstellbar scheinen, erinnern uns die hier und dort platzierten Mitbringsel an vergangene Urlaube, Menschen und Orte auf der ganzen Welt“, so der 79-Jährige, der seinen runden Geburtstag im September wohl erst im kommenden Jahr nachfeiern wird.

Menschliche Kulturen wie auch jene von Pflanzen, das wissen beide aus eigener Erfahrung, unterscheiden sich teils stark voneinander. „Freundlich“, so der Ingenieur, „sind die Menschen aber überall. Wir sind verliebt in die Welt und hatten das Glück, so viele Menschen kennenzulernen und so den Erdball und auch Deutschland aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.“ Der eigene Garten dient ihnen heute als Ruhepol und Spiegel der eigenen Vergangenheit. „Für mich bedeutet unser kleines Stück Grün Erholung, Entspannung und die stete Freude am Wachstum des Gehegten. Und er ist gut, um auch in unserem Alter fit zu bleiben. Denn“, so Ursula Nothhelfer, „irgendetwas ist immer zu tun“.

Dabei sah das heute gepflegte Grundstück keineswegs zu allen Zeiten so aus wie heute. „Seit 45 Jahren wohnen wir hier, haben uns alles selbst aufgebaut und sind, was die Gartenbepflanzung betrifft, einem Plan gefolgt“, so Ursula Nothhelfer, die von ihrem Mann prompt unterbrochen wird: „Dieser stammt stets von meiner Frau. Sie ist die Kreative von uns.“ Dass der Garten überhaupt der ihrige ist, ist dabei keine Selbstverständlichkeit. „Damals,“ so der Ingenieur, „dachten wir nicht, dass wir das Grundstück bekommen. Wir kommen aus Mannheim, vorgesehen waren die Grundstücke aber eigentlich nur für Brühler.“ Sie bekamen es dennoch, zogen zwei Kinder groß und leben bis heute dort.

Wo zu Zeiten vor der aktuellen Corona-Krise Besucher von einer gewachsenen Gartenkultur empfangen werden, war in den 1970er Jahren nur braches Land zu sehen. „Die ganze Wiese und alles andere, was man drumherum sieht, war damals ein großer Acker. Wir haben ihn entwurzelt und zunächst mit dem Anbau von Kartoffeln begonnen, dessen Pflanzen sich über das ganze Areal erstreckten.“

Auf natürlichem Wege

Heute ist der Gartenanteil der „Grumbeeren“ auf einen schmalen Streifen im hinteren Bereich reduziert. „Wir haben bis zum Dezember davon. Wie viele Kilos es sind, kann ich nicht sagen. In jedem Fall reicht es für uns beide“, so Klaus Nothhelfer. Zudem setzen sie auf Zucchini, Tomaten und Gurken, von denen sie stets zu viele haben. Ein Tipp der beiden Autodidakten, was die Gartenpflege betrifft: „Besser machen sich selbstkultivierte Pflanzen, die als Ableger großgezogen werden.“ Das Ehepaar versucht bei der Bepflanzung und Pflege des Gartens ohnehin, einen natürlichen Weg zu gehen, und empfiehlt jedem die Selbstaussaat. Zudem können Mulchen und eine Brühe aus Beinwell dem Garten als Düngemittel auf die Sprünge helfen.

Um ihren Garten zusätzlich zu optimieren und in Zukunft auch für das gehobene Alter zugänglich zu halten, hat sich das Ehepaar einen Profi ins Haus geholt, um von ihm Vorschläge für Verbesserungen einzuholen. „Als er hier so saß und den Garten betrachtete, resümiert Karl Nothhelfer, „stellte er letztlich fest, dass es nichts zu verbessern gebe.“

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Einerseits macht das eigene Stück Land viel Arbeit, andererseits spen-det es Freude und kann sogar Glücksgefühle hervorrufen.

Der eine macht seinen Balkon zur grünen Oase, der andere gestaltet den Vorgarten neu oder gar zum erstem Mal.

Die Serie, die jeden Samstag erscheint, will dieses Spannungsfeld beleuchten und versucht dabei Tricks für alle Hobbygärtner oder jene, die zu einem werden wollen, zu liefern.