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Premiere - Arnim Töpel liest in Stadtbibliothek aus seinem Buch

Arnim Töpel liest in der Eppelheimer Stadtbibliothek aus seinem Buch

Von 
Stefan Kern
Lesedauer: 

Eppelheim. Oberflächlich betrachtet trat der geniale Dialektiker Arnim Töpel in der Stadtbibliothek an und präsentierte Auszüge aus seinem neuesten literarischen Wurf „Voll fagnoddlt“. Doch schon einen Millimeter unter der Oberfläche glich der Auftritt einer kleinen diamantenen Revolution. Kultur live in der Stadtbibliothek und dann auch noch Arnim Töpel mit einer Weltpremiere. Weiter in den Himmel, so einige der Besucher im Vorfeld, gehe es kaum. Und auch die Bibliotheksleiterin Elisabeth Klett bestand fast nur aus Freude. Dazu beigetragen habe auch der Umstand, dass „wir Töpel als erstes bekommen haben“. Nach einer so langen kulturellen Durststrecke sei eine Weltpremiere wohl der richtige Aufschlag.

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Armin Töpel liest aus seinem Buch „Voll fagnoddlt“ vor und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise voller Liebe, spannender Fälle und ganz viel Humor. © Lenhardt

Die Erwartungen an diesen Abend waren wohl maximal groß, was Töpel nicht wirklich zu beeindrucken schien. Gewohnt lässig betrat er die Bühne und so viel vorab, er räumte ab. Auf dieser Reise zu den Abenteuern von Kommissar Günda aus Glickerbach, übrigens erstmals in Liebe liiert, blieb niemand zurück. Es herrschte eine beinah glückselige Stimmung. Klar, möchte man sagen, gelingt Überleben auch ohne Kultur. Doch Leben geht nur mit.

Und wenn die Kultur von einem Mann wie Günda alias Töpel mit Leben erfüllt wird, beginnen die Augen der Zuschauer Sternen zu gleichen. Dabei ist der jüngste Fall des Kommissars anders als alle anderen Fälle. Schon deshalb, weil er nicht mehr Kommissar ist. Und, vielleicht noch wichtiger, er endlich liiert ist. Sie heißt Inga, hat einen pubertierenden 15-jährigen Sohn namens Nohlen und im Kopf hat der Kommissar im Ruhestand die Hinrichtung des Pfarrers Johannes Silvanus aus Heidelberg vor rund 450 Jahren. Das sind die Eckdaten, mit dem das Publikum auf eine wunderbare Reise ins Leben dieses eigensinnigen Kommissars geht.

Wobei da noch etwas fehlt. Denn die wohl entscheidende literarische Zutat ist die Figur der Tante Dorle. Es ist nicht übertrieben sie als Antreiberin zu sehen. Das Thema Hochzeitsplanung nimmt ohne jedes Zutun des Ex-Kommissars jedenfalls schnell Fahrt auf und es bleibt zumindest an diesem Abend offen wie sehr oder ob überhaupt noch „de Tschief“ die Ruder in der Hand hält. Die erste Reise mit der Geliebten in das spanische Ferienhäuschen der Tante Dorle, wird von der treu sorgenden Tante liebevoll betreut. Das Leben scheint trotz Ruhestand nicht wirklich ruhiger geworden zu sein.

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Hinrichtung des Pfarrers Silvanus

Dass er sich mit der Hinrichtung des evangelischen Pfarrers Silvanus am 23. Dezember 1572 beschäftigte, hatte übrigens auch mit seiner neuen Liebe zu tun. Glaubte er doch über diese mehr als 450 Jahre vergangenen Ereignisse Ingas Sohn zu erreichen. Ob er das schaffte, so viel vorab, blieb offen. Dabei entwickelte sich die Geschichte zunehmend „fagnoddlt“. Die Orientierung zwischen Reformatoren, Calvinisten und Zwinglianer war nicht immer ganz leicht und sogar aus heutiger Sicht liegen die Fallstricke hier überall. Dass man da schnell in das Labyrinth der Ketzerei mit anschließender Hinrichtung geraten kann, erschien offensichtlich. Nicht so klar ist, ob diese Recherchen bei Nohlen ebenfalls zünden und sich Kommissar und Sohn näherkommen.

Töpel war in Hochform, erzählte Geschichten, mal hochdeutsch, mal dialektisch, aber immer verschmitzt. Die Religionsgespräche mit dem Pfarrer der Providenz Kirche boten durchaus religionsphilosophische Einblicke. Und wenn er nicht sprach, sang er. Mit strahlenden Augen wurde das Liebeslied „I love you, you love me, wo laafe mer hi“ quittiert. Und mit einer Dialektversion des legendären Slade-Songs „Far, Far, Away“ beendete er sein umjubeltes Dialektfeuerwerk.

Es waren weniger als 90 Minuten, aber das Glück war mit Händen zu greifen. Wie es heißt: „Kultur ist nicht alles, aber ohne Kultur ist fast alles nichts.“ Ein Satz, der hier in der Stadtbibliothek Eppelheims sehr eindrücklich unterstrichen wurde. Der neueste literarische Wurf von Arnim Töpel „Voll fagnoddlt“ ist im Buchhandel erhältlich.

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Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

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