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„Terranets BW“

Bürger haben große Bedenken gegen neue Erdgastrasse

Wer zur Informationsveranstaltung von „Terranets BW“ in die Rudolf-Wild-Halle kam, war von dem, was er zu hören bekam, gar nicht begeistert.  

Von 
Sabine Geschwill
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Das Unternehmen Terranets BW lädt zu einem Informationsabend in die Rudolf-Wild-Halle ein, um über die geplante Trasse der neuen Süddeutschen Erdgasleitung zu informieren, die von Heidelberg-Grenzhof kommend durch Eppelheimer Acker- und Naturflächen führen soll. © Geschwill

Eppelheim. Um künftig eine gute Energieversorgung gewährleisten zu können und der in Zukunft wohl steigenden Energienachfrage Rechnung zu tragen, plant der unabhängige Transportnetzbetreiber „Terranets BW“ aus Stuttgart den Bau einer 250 Kilometer langen „Süddeutschen Erdgasleitung“ (SEL). Sie führt von Lampertheim in Hessen über Heidelberg, Heilbronn, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen, Heidenheim bis nach Bissingen in Bayern. Die Trasse tangiert mit Ladenburg, Dossenheim, Leimen, Meckesheim und Spechbach etliche Kommunen in der Region, darunter auch Eppelheim.

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Landwirte äußern Meinung

Unter den gut zwei Dutzend interessierten Bürgern, die Fragen stellten und ihre Bedenken äußerten, waren auffallend viele Landwirte, die im Eppelheimer Norden, Westen und Süden, wo die neue Trasse ins Erdreich vergraben werden soll, Ackerflächen bewirtschaften. Vertreter von Nabu und BUND waren auch vor Ort. Sie wollten dieser „Natur- und Landschaftszerstörung“ nicht tatenlos zusehen. „Wir finden das als Stadt überhaupt nicht toll, dass auf unserer Gemarkung ein Stück der neuen Gasleitung geplant ist“, meinte zudem Bürgermeisterin Patricia Rebmann.

Über die Planungen informierten Unternehmenssprecherin Rebecca Penno und Projektleiterin Maren Raubenheimer mit einem Kollegenteam. „Wir freuen uns, mit Ihnen in Austausch zu treten, Ihre Anregungen und Einwände mitzunehmen und in die Planungen einfließen zu lassen, um zusammen die beste Lösung zu finden“, schickte Penno vorweg. Laut Raubenheimer sei die geplante SEL aufgrund des steigenden Energiebedarfs und für den Umbau der Energieinfrastruktur unverzichtbar. „Die Region braucht Erdgas als Brücke in die neue Zeit.“

Die neue Leitung soll Erd- und Biogas und in Zukunft auch grüne Gase und Wasserstoff transportieren, deren Bedarf laut „Terranets“ ab dem Jahr 2030 stark ansteigen werde, damit der vereinbarte Ausstieg aus Atomenergie und Kohle in der Region erfolgen könne. Gleichzeitig werde parallel mit der SEL der Ausbau des High-Speed-Internets in Form von Glasfaserkabeln vorgenommen.

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„Wir befinden uns in einem ganz frühen Stadium der Planung“, erklärte Raubenheimer. Es gebe noch keine festgelegte Trasse für die neue Erdgasleitung, sondern bislang nur einen 600 Meter breiten Planungskorridor, den das Regierungspräsidium Karlsruhe bereits genehmigt habe. Der Bau der SEL werde in Abschnitten erfolgen. Der rund 47 Kilometer lange Leitungsabschnitt von Heidelberg-Grenzhof über Eppelheim, Leimen und Wiesloch bis nach Hüffenhardt soll bis 2026 realisiert sein.

1,20 Meter im Durchmesser

Die Gasleitung selbst hat einen Durchmesser von 1,20 Meter und wird etwa 1,20 Meter tief im Boden vergraben. Während der Bauphase wird sich ein etwa 35 Meter breiter Baustellenstreifen durch die Landschaft ziehen. Nach dem Einbau wird oberhalb der Leitungstrasse ein zehn Meter breiter Schutzstreifen angelegt. Dieser dürfe nicht bebaut, jedoch bepflanzt werden. Bei Tiefwurzlern sei dies nur nach Rücksprache erlaubt.

Mit Blick auf die gerade steigenden Gaspreise wurden von einer Besucherin die vorgelegten Zahlen zum steigenden Erdgasverbrauch in den nächsten zehn Jahren stark angezweifelt. Terranets führte an, dass alle bisherigen Verbrauchserhebungen stets eingetroffen wären. Es wurde auch die Frage in den Raum gestellt, ob der Ausbau von Erdgas mit den Klimazielen in Baden-Württemberg überhaupt konform sei.

Als Stadtrat und Sprecher der Eppelheimer Landwirte konnte Horst Fießer angesichts des Korridorverlaufs, der durch Wasserschutzgebiete, viele Biotopflächen, Kiesgruben mit Sondermüll und den Eppelheimer Wald führt, nur mit dem Kopf schütteln. Die Stadt sei die am dichtesten besiedelte in Baden-Württemberg. „Warum versucht man ausgerechnet, mit Gewalt in bereits flurbereinigtem Gebiet und so nah an der Wohnbebauung eine neue Erdgasleitung zu verlegen?“

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„Schritt in die falsche Richtung“

Wie Raubenheimer erläuterte, habe das Regierungspräsidium Karlsruhe diesen Korridor als machbarsten und vorteilhaftesten befunden. Cornelia Wiethaler vom Nabu Heidelberg konnte nicht mehr länger an sich halten: „Es ist unglaublich, dass man sich sowas ausgedacht hat.“ Durch das Projekt würden in der Region drei Millionen Quadratmeter Fläche zerstört. Die Trasse führe durch Biotope, artenreiche Naturschutzgebiete, Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, zerstöre die Landschaft und fruchtbare Böden. Statt neuer Gasleitungen müsse das Motto für die Zukunft heißen „Keine Kohle, kein Öl, kein Gas!“, meinte sie.

Dem konnte Stadtrat Marc Böhmann nur beipflichten: „Eigentlich ist der Bau dieser Leitung ein Schritt in die falsche Richtung.“

Freie Autorin Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.

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