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Stadtbibliothek - Autorin Diana Nasher erzählt in „Töchterland“ ihre deutsch-afghanische Geschichte

Drei starke Frauen im Fokus

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sge
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Martin Gramm dankt Dr. Diana Nasher für ihr Kommen mit Blumen. © Geschwill

Eppelheim. Hört man Afghanistan, hat man unwillkürlich die aktuellen Ereignisse, Bilder von verzweifelten Menschen und die Herrschaft der Taliban im Kopf. Ganz sicher denkt man nicht an unbeschwerte Kindheit, blühende Landschaften, glitzernden Sternenhimmel und Ausflüge in die Natur. Doch genau diese Erinnerungen sind es, die Autorin Dr. Diana Nasher, die in Prag Medizin studierte und heute als Internistin mit Hausarztpraxis in Bickenbach tätig ist, von ihrer Heimat im Herzen trägt und in ihrem Erstwerk „Töchterland“ rührend beschreibt.

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Das Buch gewährt Einblicke in eine fast hundertjährige Geschichte einer Familie, deren Leben sich zwischen Orient und Okzident abspielt. Es zeigt drei Frauen, die ihrem Traum folgen und die sich mutig gegen vorherrschende Konventionen in einer Männergesellschaft stellen. Bürgermeisterin Patricia Rebmann dankte eingangs der Lesung der Autorin für ihr Kommen und ihren Roman: „Es ist schön, dass Sie Ihre Familienchronik mit uns teilen.“ Martin Gramm, Vorsitzender des Förderkreises der Stadtbibliothek, der durch seine vielen Reisen gute Kontakte nach Afghanistan und zum afghanischen Frauenverein in Frankfurt pflegt, hatte in Absprache mit Bibliotheksleiterin Elisabeth Klett und Dr. Christine Beil vom Eppelheimer Buchladen die ausgesprochen gut besuchte Lesung organisiert. Er hob den Mut von Nashers Großmutter Elisabeth hervor, die er vor Jahren in Kabul persönlich kennenlernte. Sie stammte aus der Pfalz und ging Anfang der 1930er Jahre der Liebe wegen nach Afghanistan.

In ihrem autobiografischen Werk erzählt Nasher ihre deutsch-afghanische Familiengeschichte. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse gewähren dem Leser einen anderen Blick auf das Land am Hindukusch. Es ist die Geschichte von drei starken Frauen, drei Generationen, drei Töchtern. Ihre Leben erzählen von den vergangenen Zeiten des prachtvollen Paschtunen-Reichs Afghanistan und sind zugleich verwoben mit der bewegten Geschichte Deutschlands. Ursprünglich habe ihre Großmutter die Absicht gehabt, ein Buch über ihr Leben zu schreiben. Aber daraus sei nie etwas geworden, erzählt Nasher, die sich als Weltbürgerin sieht. Allerdings sei ihre Großmutter eine gute Erzählerin gewesen und auch ihre Mutter habe dazu beigetragen, dass die Erlebnisse authentisch und lebendig überliefert werden konnten.

Die Geschichte beginnt 1925 in Deutschland: Elisabeth Wolff verliebt sich in einen afghanischenStudenten und folgt ihm in seine Heimat. Er erweist sich als Neffe eines Landesfürsten und verlangt von ihr, einen Schleier zu tragen und gewisse Verhaltensregeln zu beachten. Das missfällt Elisabeth – vom freundlichen Studenten ist wenig übrig. 1933 wird Tochter Mariam geboren. Elisabeth und ihr geliebter Omar sind „im siebten Himmel“. Das Glück währt jedoch nicht lange. Ihr Mann wird nach politischen Unruhen festgenommen und muss unschuldig ins Gefängnis. Die Haft verändert Omar, sodass die Ehe auseinandergeht.

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Mariam heiratet Anfang der 1950er Jahre in eine reiche Familie ein. Ihr deutlich älterer Mann ist fasziniert von ihr. Das Paar bekommt fünf Kinder. Diana Nasher, Jahrgang 1953, ist die älteste. Sie wächst privilegiert in Kunduz und Kabul auf, liebt die deutschen Feste genauso wie die afghanischen. 1971 geht Diana nach Prag, studiert Medizin, lässt sich als Ärztin in Deutschland nieder und gründet eine Familie. Die Hoffnung auf bessere Zeiten in Afghanistan gibt sie nicht auf.

„Uns wurden Einblicke in ein Land gegeben, das wir heute ganz anders erleben, aber von dem wir alle hoffen, dass dort bald wieder Frieden herrscht“, fasste Gramm zusammen. Im Anschluss beantwortete Nasher Fragen und signierte Bücher. Elisabeth Klett hatte zudem afghanische Spezialitäten vorbereitet. Die Einnahmen kommen nebst einer Spende des Eppelheimer Buchladens dem afghanischen Frauenverein zugute. sge

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