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Kunstprojekt

Eppelheim hat einen neuen Graffiti-Blickfang

Askin Yilmaz und Michael Vogt verschönerten mit Graffitikunst Hauswand und Mauer an der Endhaltestelle der Straßenbahn.

Von 
Sabine Geschwill
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Stück für Stück wird an der Endhaltestelle aus der vorher unschönen Wand ein Blickfang. © Sabine Geschwill

Eppelheim. Wer in den vergangenen Tagen mit Bus oder Straßenbahn immer bis zur Endhaltestelle „Kirchheimer Straße“ fuhr, der konnte live bei der Entstehung eines Kunstwerks dabei sein: Die beiden Künstler Askin Yilmaz aus Eppelheim und Michael Vogt aus Heidelberg-Kirchheim verschönerten mit Graffitikunst die sechs Meter hohe Hauswand samt dazugehöriger Mauer und Stromkästen an der Endhaltestelle der Straßenbahn.

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Aus der einstigen Schmuddelwand, die über viele Jahre durch unschöne Farbschmierereien und Parolen kein Anblick war, wurde ein farbenfroher Blickfang. Blumenmotive, Schmetterlinge, Marienkäfer, Bienen, ein Halsbandsittich sowie ein Hase und der Schriftzug „Eppelheim“ ziehen jetzt die Blicke der Fahrgäste von Bus und Bahn und der Verkehrsteilnehmer in dem Straßenabschnitt auf sich. Nachdem diese Woche das Gerüst abgebaut wurde, wurde die kunstvoll gestaltete Wand gleich zu einem beliebten Fotomotiv. Etliche Passanten zückten ihr Smartphone und hielten die farbenfrohe Neugestaltung fest.

Idee des Jugendzentrums

Die Verschönerung der Schmuddelwand war ursprünglich eine Idee des Jugendzentrums, die zusammen mit Jugendlichen die Wand gestalten wollten. Daraus ist dann leider nichts geworden, zumal auch die Corona-Pandemie lange Zeit einen Strich durch Gruppenaktivitäten gemacht hat. Da Askin Yilmaz nicht nur mit seiner Familie in Eppelheim wohnt, sondern schon bei verschiedenen Projekten in der Stadt, beispielsweise in der Tiefgarage der Rudolf-Wild-Halle oder am Stromverteilerhäuschen am Kindergarten „Villa Kunterbunt“ und am „Interkulturellen Gemeinschaftsgarten“, seine Graffitikunst unter Beweis gestellt hat, kam die Verwaltung nach dem barrierefreien Um- und Ausbau der Straßenbahnendhaltestelle auf ihn zu. „Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte und ich fand die Idee gleich klasse, weil das in Eppelheim eine ganz markante Stelle und ein prestigevolles Projekt ist“, erzählte er.

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Der Servicemitarbeiter des Nusslocher Unternehmens Leica Biosystems ist seit mehr als 30 Jahren hobbymäßig als Graffitikünstler aktiv und hat bisher rund 500 Kunstwerke geschaffen. Der Verwaltung, die bereits das Einverständnis des Hauseigentümers eingeholt hatte, machte er zur Gestaltung der Hausfassade zwei Motivvorschläge. Welches Motiv die Wand letztendlich verschönern soll, konnten die Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden. Die Abstimmung war eindeutig. Von den knapp 100 Teilnehmenden haben sich 60 Bürgerinnen und Bürger für Motivvariante II mit Tieren, Blumen und viel blauem Himmel entschieden.

Alleine ist langweilig

Für Yilmaz war klar, dass er dieses Großprojekt mit seinem langjährigen Künstlerkollegen Michael Vogt, der in Heidelberg-Kirchheim kreativ ist und ein Tattoo-Studio betreibt, zusammen angehen möchte. „Eine so große Fläche allein zu gestalten, ist doch langweilig“, meinte Vogt. Zum ersten Mal als Team arbeiteten sie 1988 zusammen. Damals haben sie ein Graffitikunstwerk für die Deutsche Bahn gestaltet. Seither haben die beiden Talente, die ihre Kunstwerke ohne Vorlagen und nur frei Hand entstehen lassen, gemeinsam unzählige Flächen und Gebäude mit Graffitikunst nach den Vorgaben ihrer Auftraggeber aufgewertet und verschönt.

Bevor die Künstler an der Endhaltestelle loslegen konnten, musste ein Gerüst gestellt und vom städtischen Bauhof verschiedene Vorarbeiten an der Wand durchgeführt werden. Yilmaz und Vogt haben anschließend die Fläche mit blauer Farbe grundiert. Darauf wurde in den vergangenen Tagen Stück für Stück und Motiv für Motiv das Wandbild angelegt, das nun etwas anders aussehen wird als ursprünglich angedacht.

„Wir hätten gerne die Wand komplett farbig gestaltet und den großen Strommasten miteinbezogen, aber wir müssen drumherum einen Sicherheitsabstand von 1,50 Meter einhalten“, bedauerte Yilmaz. Etwa zehn Tage haben die beiden Graffitikünstler zur Fertigstellung des Wandbildes und zur Verschönerung der Mauer, die sie nach ihren Vorstellungen mit Motiven verziert haben, einkalkuliert, zumal sie aufgrund der Sommerhitze meist nur abends arbeiten konnten. Oft kamen sie mit Passanten oder Fahrgästen, die gerade von Bahn oder Bus ausstiegen, ins Gespräch. „Die Leute sind richtig dankbar und freuen sich alle über die Motive und finden sie wunderschön“, erzählte Vogt.

Die Finanzierung des Graffitiprojekts übernehme die Stadt, die hierfür einen Sponsor gefunden habe, der nicht genannt werden möchte, informierte Yilmaz. Mit dem Geld kann sowohl das Honorar der beiden Künstler als auch die Materialkosten, die bislang mit 1600 Euro für Wandfarbe und Spraydosen zu Buche schlugen, bezahlt werden.

Freie Autorin Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.

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