Im Porträt - Hubertus Mauss ist für die Grünen in den Gemeinderat gewählt worden / Dem Gartengestalter ist es wichtig, Bäume bei Bauvorhaben besonders zu schützen Er möchte sich für mehr Grünflächen einsetzen

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Volker Widdrat
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Hubertus Mauss in seinem naturnahen Garten. Der neue Gemeinderat für die Grünen ist ein ausgesprochener Pflanzenliebhaber. © Widdrat

Eppelheim. „Ich bin ein richtiger Baumnarr“, sagt Hubertus Mauss von sich selbst. Der 53-jährige Gartengestalter ist für die Grünen in den Gemeinderat gewählt worden. Von Listenplatz vier holte er 2214 Stimmen und bildet jetzt mit Christa Balling-Gündling, Martin Gramm, Isabel Moreira da Silva, Marc Böhmann, Nika Weiss und Claudia Grau-Bojunga die stärkste Fraktion im Gremium.

Zur Person: Hubertus Mauss

Hubertus Mauss wurde 1965 in Worms geboren. Aufgewachsen ist er in Annweiler in der Pfalz.

Nach der Ausbildung zum Baumschulgärtner in Darmstadt arbeitete er zunächst in Freiburg als selbstständiger Gartengestalter. Mauss studierte in Hannover Landschafts- und Freiraumplanung und ist Diplom-Ingenieur.

Seit 2001 lebt er in der Kurpfalz. Er ist verheiratet und Vater eines zehnjährigen Sohnes.

Seine Hobbys sind Singen im Logo-Chor Heidelberg, Spaziergänge im Wald und Arbeiten im eigenen Garten. Mauss ist Mitglied im TV Eppelheim und im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Wenn es möglich ist, macht der 53-Jährige alle Wege mit dem Fahrrad. vw

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Der studierte Ingenieur für Freiraumplanung und Landschaftsplanung hat sich unter anderem für den Erhalt der Bäume am Kindergarten Villa Kunterbunt eingesetzt. Mit den Grünen sympathisierte er schon lange, war seit jeher Stammwähler. Zeitweise sei ihm die Partei aber „zu normal“ geworden, dann habe er schon mal gezweifelt, meint der 53-Jährige. Nach wie vor ist er kein Mitglied. Marc Böhmann habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, für die Grünen zu kandidieren. Eigentlich habe er auf einem der hinteren Plätze nur die Liste unterstützen wollen, wurde dann aber gebeten, auf einem der vorderen Plätze zu kandidieren.

Wie er auf der Homepage des Ortsverbandes angekündigt hat, sei es nun einfach an der Zeit, sich zu engagieren. Bisher schien unsere Demokratie selbstverständlich zu sein, doch mehr und mehr zeige sich, dass man sich aktiv für sie einsetzen müsse: „Verhältnisse wie in Ungarn oder Polen möchte ich hier auf keinen Fall haben. Nach wie vor sind die meisten Menschen bei uns demokratisch, aber sie sind halt einfach zu still.“

Erhaltenswerte Gehölze

Der ausgesprochene Pflanzenliebhaber will seine Expertise für mehr Grünflächen in Eppelheim einbringen. Hier sei auch von den Grünen „einiges verschlafen worden“. Als Beispiel nennt er eine außergewöhnlich schöne Riesenpappel beim neuen Fachmarktzentrum, die im Laufe der Baumaßnahmen vom Bagger auseinandergerissen worden sei: „Eine absolute Respektlosigkeit, der Baum hätte unbedingt stehenbleiben müssen. Zumal er am Rand stand und heute an der Stelle eine Grünfläche ist.“ In Zukunft werde er sich bei jedem Bauvorhaben genau anschauen, was für erhaltenswerte Gehölze auf dem Grundstück zu finden sind. Es gebe genügend Vorschriften, wie Bäume auf Baustellen zu schützen sind, sagt der 53-Jährige. In Wirklichkeit werden diese jedoch fast immer missachtet. Unter anderem deswegen wollte er auch in den Technischen Ausschuss. Auch müsse der alte Bahndamm als Grünfläche so bestehen bleiben. Eine „lockere Bebauung“, wie schon im Gemeinderat vorgeschlagen, sei eben nicht möglich: „Sonst ist alles platt.“

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Mauss absolviert gerne berufliche Fortbildungen. Meistens geht es dann um Bäume. In seiner Firma plant er ganz individuell und erläutert dem Kunden zuerst seine Arbeitsweise bei der Neu- beziehungsweise Umgestaltung von Gärten. Alles wird sehr ausführlich besprochen. Am wichtigsten sind die Pflanzen und dabei die Verwendung von Gehölzen und Stauden. Wasser in unterschiedlichsten Formen bildet ein weiteres reizvolles Element. „Da kommt schon etwas Besonderes dabei raus, wenn die Kunden Lust darauf haben.“

Kein Monat, in dem nichts blüht

Schon als Schüler hatte Hubertus Mauss Blumenwiesen und Wildrosenhecken angelegt. „Die allerschönste Arbeit ist nach wie vor das Pflanzen“, schwärmt er. Einen der im Moment immer öfter anzutreffenden Schottergärten würde er nie anlegen: „An so etwas Destruktivem beteilige ich mich nicht. Unter ökologischen und stadtklimatischen Aspekten betrachtet, sind solche ,Gärten’ eine ausgesprochene Katastrophe.“ Sein eigener naturnaher Garten ist ihm besonders wichtig. Hier wachsen und gedeihen Bienenbaum, Mirabelle, Silberahorn, Holunder, Hartriegel, Hortensien, wilde Möhren und vieles mehr. Es gebe keinen Monat, in dem nichts blüht, sagt er stolz. Himbeeren zum Beispiel seien eine ganz wichtige Insektenpflanze, hauptsächlich für Wildbienen und Hummeln.

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Er hat hundert Lieblingsbäume, denn nur den einen gibt es für ihn nicht. Er mag gerne einfach blühende Gewächse: „Man soll schon mal genau hingucken müssen, um das Schöne zu sehen.“ Eine Pflanze müsse gar nicht so „knallig“ sein. Einmal im Jahr fährt der 53-Jährige zur Staudenexpertin Katrin Lugerbauer nach Österreich, um intensiv mit der erfahrenen Bloggerin und Fachbuchautorin zu fachsimpeln und dabei neue Stauden kennenzulernen. So kann er immer noch an Wissen dazugewinnen.

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„Das Einzige, was die unerträgliche Hitze in der Stadt etwas abmildert, ist Schatten – und zwar von Bäumen“, sagt Mauss und deutet auf eine riesige Eiche neben seinem Garten. Der mächtige Baum mit zweieinhalb Metern Umfang sollte schon der Säge zum Opfer fallen, weil er immer so viel Laub abwirft. Der Pflanzenfreund versprach, stets die Blätter wegzumachen, danach durfte die Eiche, die für den heimischen Garten ein günstiges Kleinklima erzeugt, weiterleben. Beim TV Eppelheim fungiert Hubertus Mauss seit kurzem als Jugendtrainer im Handball. Der 53-Jährige hat selbst lange gespielt. Im linken Rückraum. Gerade macht er den Trainerschein, die ersten Seminare dafür hat er schon absolviert: „Es macht einfach Spaß, die Jungs zu motivieren.“

Freie Autorenschaft Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.