Im Interview - Der evangelische Pfarrer Detlev Schilling wechselt nach Weinheim / Er war elf Jahre lang in Eppelheim tätig / Abschied wegen Corona schwer möglich „Ich weiß die Gemeinde in guten Händen“

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Sabine Geschwill
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Detlev Schilling zieht zusammen mit seiner Frau Anette nach Weinheim, um dort geschäftsführender Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde in der Weststadt zu werden. © Geschwill

Eppelheim. Das Bedauern in der evangelischen Kirchengemeinde ist groß, denn die Verabschiedung von Detlev Schilling rückt immer näher. Fast elf Jahre war der sympathische Pfarrer in Eppelheim tätig. Neue Herausforderungen führen den gebürtigen Leverkusener und seine Familie nun nach Weinheim in die dortige „Evangelische Kirchengemeinde in der Weststadt“. Der 53-Jährige wird geschäftsführender Pfarrer. Seinen Dienst tritt er am 1. Februar 2021 an. Die Amtseinführung folgt dann am Samstag, 6. Februar, um 17 Uhr in der dortigen Markuskirche durch Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller. Kurz vor seinem Wechsel fand er noch Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung.

Zur Person: Detlev Schilling

  • Geboren ist er 1967 in Leverkusen, aufgewachsen in Dürrn in der Nähe von Pforzheim.
  • Nach dem Abitur machte er eine Banklehre und studierte dann evangelische Theologie in Neuendettels-au, Marburg und Heidelberg, wo er 1995 das erste theologische Examen ablegte. Anschließend ging er ins Lehrvikariat nach Heiligkreuzsteinach und Altneudorf.
  • Nach dem zweiten theologischen Examen absolvierte er sein Pfarrvikariat in Südbaden (Weil am Rhein, Binzen, Rümmingen) und Schwetzingen. Dann war er über zehn Jahre Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Neckarhausen im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim. Seit dem 1. April 2010 war er Inhaber der Pfarrstelle II in der evangelischen Kirchengemeinde Eppelheim. 
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Welche Gründe haben Sie bewogen, jetzt nach Weinheim zu wechseln?

Pfarrer Detlev Schilling: Ursprünglich wollte ich noch ein bis zwei Jahre in Eppelheim bleiben. Aber dann hat mich im Sommer vergangenen Jahres eine mit mir befreundete Kollegin gefragt, ob ich nicht nach Weinheim in die Weststadt kommen möchte, um mit ihr zu arbeiten. Da ich diese Kollegin sehr schätze und die Situation in Weinheim herausfordernd und interessant finde, habe ich nach Gesprächen in Weinheim mit der Gemeindediakonin, der Dekanin und dem dortigen Ältestenkreis zugesagt.

Wann steht der Umzug nach Weinheim an?

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Schilling: Der Umzug erfolgte bereits. Meine Frau Anette und meine Tochter Svenja sind mit nach Weinheim gezogen, meine ältere Tochter Annika wohnt schon seit einigen Jahren in Köln.

Wo werden Sie in Weinheim wohnen?

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Schilling: Die Kirchengemeinde hat eine Wohnung in der Weinheimer Weststadt, ganz in der Nähe „meiner Kirche“, der Markuskirche, angemietet.

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In Eppelheim bildeten Sie mit Pfarrerin Cristina Blázquez und Gemeindediakonin Johanna Hassfeld ein Team. Wie sieht dies in Weinheim aus?

Schilling: Dort gibt es, wie in Eppelheim, auch eine Dienstgruppe. Meine Pfarrkollegin und ich haben jeweils eine Vollzeitstelle, die Gemeindediakonin eine Halbtagsstelle.

Fiel Ihnen die Entscheidung, Eppelheim nach fast elf Jahren Tätigkeit hier zu verlassen, leicht oder schwer?

Schilling: Ich habe mich in Eppelheim und in meiner evangelischen Kirchengemeinde sehr wohl gefühlt. Mir war aber klar, dass ich nicht bis zum Ruhestand hier in Eppelheim bleiben werde. Leicht fällt mir der Wechsel, weil ich meine Eppelheimer Kirchengemeinde in guten Händen weiß. Wir haben viele tolle ehren- und hauptamtliche Mitarbeitenden, die weiterhin dafür sorgen werden, dass die gute Botschaft von Gottes Liebe weitergegeben wird. Leicht fällt mir der Wechsel auch, weil ich mich auf die Arbeit in einem neuen, spannenden Umfeld freue. Schwer fällt mir der Wechsel, weil ich sehr viele, auch persönliche Kontakte, in Eppelheim geknüpft habe und viele Menschen vermissen werde.

Überwiegt kurz vor dem Stellenwechsel die Freude auf die neue Stelle oder das Bedauern, Eppelheim verlassen zu müssen?

Schilling: Mal überwiegt das eine, mal das andere. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Abschied unter Corona-Bedingungen nicht gut möglich ist. Gerne hätte ich noch mit vielen Leuten gesprochen und mich auch persönlich verabschiedet. Das ist nicht möglich. Und auch ein kleines Abschiedsfest mit einem Festgottesdienst „in einer vollen Pauluskirche“ kann leider nicht stattfinden. Das bedauere ich sehr!

Welche Aufgaben hatten Sie in Eppelheim inne?

Schilling: Neben den „normalen Pfarreraufgaben“ wie Gottesdienstgestaltung, Beerdigungen, Trauungen, Taufen, Seelsorge und Schulunterricht am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium war ich als geschäftsführender Pfarrer vor allem auch für die Organisation und Leitung unserer Kirchengemeinde zuständig. Einen großen Bereich hat dabei die Geschäftsführung unserer drei evangelischen Kindertagesstätten ausgemacht. Außerdem war ich auf der Ebene unseres Kirchenbezirks als Vorsitzender der Bezirkssynode engagiert.

Welche Aufgaben werden Sie in Weinheim übernehmen?

Schilling: Das lässt sich im Moment noch nicht genau sagen. Auf jeden Fall werde ich die Geschäftsführung der „Gemeinde in der Weststadt“ übernehmen. Was das konkret bedeutet, muss ich erst abwarten. Denn in Weinheim besteht die Kirchengemeinde nämlich aus drei Pfarrgemeinden: der Johannesgemeinde, der Gemeinde an der Peterskirche und meiner Pfarrgemeinde, der „Evangelischen Gemeinde in der Weststadt“. Meine neue Pfarrgemeinde entscheidet nur zum Teil selbstständig. Viele Entscheidungen fallen auf Ebene der Kirchengemeinde Weinheim.

Rückblickend auf Ihre Zeit in Eppelheim: Was zeichnet die evangelische Kirchengemeinde und die Zusammenarbeit in der Dienstgruppe aus?

Schilling: In der evangelischen Kirchengemeinde bringen sich viele Menschen mit ihren Gaben und Fähigkeiten ein. Wir sind keine „homogene Masse“, sondern eine „bunte Mischung“ von vielen unterschiedlichen Christinnen und Christen. Bei uns herrscht im Kirchengemeinderat und in den Gruppen, Kreisen und Chören ein „guter Geist“. Auch wenn wir unser Leitbild noch nicht erreicht haben, so ist doch vieles davon zu spüren: Wir wollen als Kirchengemeinde wie ein Leib mit vielen Gliedern sein, in der alle Glieder ihren Teil dazu beitragen, dass sich Gottes Geist der Liebe ausbreitet. Besonders wertvoll war für mich in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Cristina Blázquez. Es ist schön und für die Kirchengemeinde sicherlich auch fruchtbar, dass wir beide in aller Unterschiedlichkeit gemeinsam unterwegs sein durften.

Was hat Ihnen in Ihrer Zeit als Pfarrer am meisten Freude bereitet?

Schilling: Da fällt mir vieles ein. Zum Beispiel die Ökumene, in der wir in den letzten Jahren viele Schritte miteinander gehen durften. Wir sind da auf einem guten Weg. Dann erinnere ich mich an viele Gottesdienste, in denen etwas von Gottes Gegenwart spürbar war. Da für mich die Glaubensvermittlung von besonderer Bedeutung ist, waren mir die Glaubenskurse, die Exerzitien im Alltag oder auch der Gesprächskreis „Kaum-zu-glauben“ besonders wertvoll.

Gibt es Projekte, Begegnungen oder Entscheidungen, für die Sie dankbar sind, diese miterlebt und begleitet zu haben?

Schilling: Froh bin ich über die positive Entwicklung unserer Kindertagesstätten. Als ich nach Eppelheim kam, hatten wir dort 25 Beschäftigte, inzwischen sind es fast 70. Außerdem hat sich die Kirchengemeinde finanziell konsolidiert. Wir haben gute und zukunftsfähige Gebäude, die Arbeit ist gut organisiert, wir sind in der Stadt präsent und werden auch durch unsere gute Öffentlichkeitsarbeit wahrgenommen.

Was schätzen Sie an Eppelheim und den Eppelheimern?

Schilling: Ich habe die Eppelheimer in aller Regel als offen, freundlich und pragmatisch erlebt. Letztlich gab es wenig Konflikte und auch diese Auseinandersetzungen verliefen oft konstruktiv und so, dass sich die handelnden Personen anschließend noch „in die Augen schauen“ konnten.

Haben Sie zum Abschied noch einen Wunsch oder möchten Sie Eppelheim noch etwas mit auf den Weg geben?

Schilling: Ich möchte den Menschen in Eppelheim Zuversicht und Gottvertrauen wünschen, Sie ermuntern, jeden Tag „ein wenig Liebe“ zu leben, eine lebendige Gottesbeziehung zu pflegen und ihrer Kirchengemeinde treu zu bleiben.

Die Verabschiedung von Pfarrer Detlev Schilling erfolgt am kommenden Sonntag, 24. Januar, um 10 Uhr durch Dekanin Annemarie Steinebrunner in der Pauluskirche. Es wird einen Corona-konformen Präsenzgottesdienst geben, zu dem stellvertretend für die ganze Gemeinde etwa 50 Personen eingeladen werden. Grußworte oder ein „gemütliches Beisammensein“ im Anschluss sind nicht möglich, auch die Dauer des Gottesdienstes ist begrenzt. Damit alle die Möglichkeit haben, sich die Verabschiedung anzuschauen, wird der Gottesdienst digital aufgezeichnet und auf die Kirchenhomepage gestellt. Außerdem ist geplant, dass die Verabschiedung am Sonntag in Form eines „Livestreams“ online auf dem Smartphone oder am Computer miterlebt werden kann.

Freie Autorenschaft Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.