Rudolf-Wild-Halle

Johannes Brahms und seine idyllische Welt in Eppelheim

Die Heidelberger Sinfoniker verstehen sich blind mit der glänzenden Pianistin Ragna Schirmer

Von 
Maria Herlo
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Die Heidelberger Sinfoniker zeigen sich in der Wild-Halle in glänzender Spiellaune. Im Vordergrund ist die wunderbare Konzertpianistin Ragna Schirmer am Flügel zu sehen. © Lenhardt

Eppelheim. Das Konzert mit den Heidelberger Sinfonikern und der renommierten Pianistin Ragna Schirmer in der Rudolf-Wild-Halle erforderte von beiden nicht nur Virtuosität, sondern auch Sensibilität in der Interaktion. Und das gelang auf beachtliche Weise.

Mit dem Dirigenten Johannes Klumpp begrüßte das Publikum ein bekanntes Gesicht. Als künstlerischer Leiter hat er sich für seine ungewöhnlich stimmigen Programme seit geraumer Zeit einen Namen gemacht. Für das Konzert in Eppelheim stellte er eine Abfolge von zwei Stücken zusammen, die eine Fülle von Querbezügen offenbarte. Denn beide Werke, das Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 7 von Clara Schumann (1819-1896), und die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur op. 73 von Johannes Brahms (1833-1897), stammen von Tonschöpfern, die eine innige Beziehung verband: Brahms liebte und verehrte die 14 Jahre ältere Clara Schumann zeitlebens.

Der Abend wurde mit diesem wunderbaren Stück von Clara Schumann eröffnet, in das Pianistin und Komponistin Ragna Schirmer einführte. Wie keine andere kennt sie Clara, die lange im Schatten ihres genialen Mannes Robert stand. Anlässlich von Clara Schumanns 200. Geburtstag 2019 förderte Schirmer Erstaunliches zutage. Wenn sie in ihrer Einführung das Bild der jungen Clara Schumann nachzeichnet, spürt man ihre Bewunderung für diese Jahrhundertpianistin.

Clara Schumanns Klavierkonzert

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Als sehr junges Mädchen ist Clara unter Anleitung ihres ehrgeizigen Vaters Friedrich Wieck auf den wichtigsten Podien Europas aufgetreten. Nebenbei hat sie auch komponiert. So kam es, dass sie im Alter von zehn Jahren ein Scherzo für Klavier und Orchester schrieb, wobei der neun Jahre ältere Robert Schumann ihr bei der Orchesterfassung half. 1835 gab Clara im Gewandhaus Leipzig ihr großes Debüt mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Henri Herz und sie wollte auch ein eigenes Stück präsentieren. Deshalb hat sie zum Scherzo noch zwei Sätze vorangestellt, wobei der zweite Satz ein großes Solo für Klavier und Cello ist, „ein Überbleibsel von Claras Schwärmerei für einen Cellisten“. Am Pult stand Mendelssohn Bartholdy höchst persönlich: „Das versuchen wir heute nachzumachen.“

Clara Schumanns Klavierkonzert kennt Ragna Schirmer wie kaum eine andere, sie hat das Stück oft intiniert und eine phänomenale Einspielung veröffentlicht. In ihrem Spiel wusste sie jedes Detail und jede Ausformulierung zu gewichten. Nie wirkte es aufgesetzt, das Lyrische nie verzärtelt. Den Schwerpunkt legte Schirmer auf die musikalische Essenz, sodass dieses Konzert für Klavier und Orchester in ungewohnter Frische daherkam. Wunderbar zart und poetisch färbte sie den zweiten Satz, das große Solo für Klavier und Cello. Obwohl so unterschiedlich im Klang, verbanden sich beide Instrumente zu einer harmonischen Symbiose. Dass Ragna Schirmer technisch in bester Form war, ließ sich auch an den zwei Zugaben – eine Etüde von Chopin und ein Klavierstück von Clara Schumann – feststellen. Das Publikum war hingerissen.

Nach der Pause erzählte Dirigent Johannes Klumpp in seiner betont launigen Moderation einiges über Brahms zweite Sinfonie, deren Entstehung nur einen Sommer gedauert hat, während bis zur Fertigstellung der vorangegangenen zwei Jahre vergangen waren. Komponiert hat Brahms sie in der idyllischen Umgebung des Wörthersees. Der erste Satz klingt, als würde Brahms ausatmen und sich entspannt zurücklehnen. „Brahms ist ein großer Architekt, er nimmt sich ganz kurze Motive und baut daraus eine ganze Welt – diese Sinfonie hat man die Pastorale genannt, trotzdem liegt über allem ein Schatten, es ist, als ob es die Erinnerung an eine Idylle wäre“ so Klumpp.

Den Ungarischen Tanz als Zugabe

Es ist kein moderner Brahms, den er hier vorführt, er lässt die Komposition so erklingen, wie sie gedacht war: voller Romantik, Sehnsucht und pastoser Schwere. Klumpp nimmt sich Zeit für geschmackvolle Rubati, für schwelgerische Momente wie im herrlichen Adagio non troppo. Mit großer Sensibilität folgt ihm das Orchester, das sowohl romantische Wärme als auch sinfonische Wucht entfaltet, wo immer es das Stück erfordert. Der lang anhaltende Jubel war so groß, dass die Sinfoniker den Abend mit dem berühmten Ungarischen Tanz Nr. 5 von Brahms als Zugabe beendeten

Freie Autorin