AGV Eintracht - Weil aufgrund des Coronavirus bis auf Weiteres die Proben entfallen, bekommen die Sänger Lieder geschickt Jürgen Ferber: Singen baut Stress ab

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Sabine Geschwill
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Auf diesem Archivbild ist der Chor des AGV Eintracht beim Proben mit ihrem Dirigenten Jürgen Ferber zu sehen. In der Corona-Krise gibt es vom Chorleiter nun Lieder per E-Mail, um zu Hause üben zu können. © Geschwill

Eppelheim. Not macht bekanntlich erfinderisch. Und gerade in Zeiten von Corona sind Ideen gefragt, die trotz Distanz für Nähe sorgen. Das Virus legt derzeit Deutschland in vielen Bereichen lahm. Das gesellschaftliche Leben in der Öffentlichkeit und in den Vereinen ist aufgrund gesetzlicher Verordnungen zum Erliegen gekommen. Davon ist auch der Arbeitergesangverein Eintracht betroffen.

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Seit Mitte März sind die Singstunden für den traditionellen Chor und den neuen Pop-Chor bis auf Weiteres abgesagt. Weder Vereinsvorsitzende Hildegard Rühle noch Chorleiter Jürgen Ferber sind darüber glücklich. Daher hat sich der Schwetzinger Gesangslehrer und Stimmbildner Gedanken gemacht, wie er trotz gebotener Distanz bei seinen Chormitgliedern präsent sein kann.

Teil der Arbeit aufrecht erhalten

„Da wir unseren Dirigenten sehr vermissen und umgekehrt auch unser Dirigent uns sehr vermisst, hatte er die Idee, für uns ein Wunschkonzert zusammenzustellen. Wir wünschen uns Lieder, Jürgen Ferber nimmt sie auf, schickt den Link an die Sängerinnen und Sänger und stellt die Lieder auf die interne AGV-Seite im Internet, so dass wir diese immer anhören können“, freut sich Hildegard Rühle über das schöne Angebot des Dirigenten.

„Wie die meisten Chorleiter- und Lehrerkollegen habe auch ich überlegt, wie ich in der Corona-Krisenzeit wenigstens einen Teil meiner Arbeit aufrechterhalten kann“, erklärt Jürgen Ferber. Wegen des Kontaktverbots bleibe letztlich nur das Internet übrig, meinte er. Einige seiner Kollegen unterrichten inzwischen über Skype. „Das fühlt sich für mich aber nicht richtig an. Deshalb habe ich mich entschlossen, Unterrichtseinheiten zu Themen wie zum Beispiel Atmung, Resonanz, Interpretation auf Video aufzunehmen und meinen Schülern zur Verfügung zu stellen.“

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Denn längere Zeit gar nicht zu üben, sei nicht gut. „Zumal Singen auch gesund ist“, so Ferber. „Singen löst Verspannungen im Körper, baut Stress ab, vertreibt Ärger, sorgt für Ausgeglichenheit und hebt die Stimmung“, weiß der Gesangslehrer.

Neben der Freude am Singen habe der Gesang auch eine soziale Funktion. In Chören finden sich Menschen oft über Jahre und Jahrzehnte – und im Falle des AGV Eppelheim seien es bei 175 Vereinsjahren zum Teil ganze Leben – wöchentlich zusammen, um miteinander zu singen, zu reden und zu lachen. „Dieser wichtige Kontakt fällt nun für eine gewisse Zeit leider weg.“

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Deshalb versucht er, per E-Mail und Whatsapp weiterhin Kontakt zu den Mitgliedern seiner beiden AGV-Chöre zu halten, sie mit Liedern zum Üben zu animieren und sie mit guten Gedanken zu versorgen. „Als Chorleiter bin ich für einen Chor so eine Art Mittelpunkt. Und weil die Chöre nun in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten nicht für mich singen können, habe ich mich entschlossen, meinerseits für meine Chöre zu singen“, erklärt der AGV-Dirigent.

Jeden Tag eine E-Mail

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Jürgen Ferber hat die Chormitglieder aufgefordert, sich Lieder zu wünschen, die er für sie interpretieren soll. „Täglich setze ich mich nun zu Hause an mein Klavier oder nehme meine Gitarre, singe eines der Lieder und nehme es auf Video auf. Und so bekommen die Chormitglieder jeden Tag eine E-Mail von mir mit dem neuesten Wunschlied.“

Auf einer internen Internetseite stellt der Chorleiter für die AGV-Sänger alle Videos zur Verfügung, so dass mit der Zeit ein ganzes Wunschkonzert entsteht. Für das eine oder andere Wunschlied möchte der Dirigent einen Chorsatz schreiben und diesen mit den Chören einstudieren, wenn wieder gemeinsam geprobt werden kann.

Bei einigen Liedern kann er sich auch vorstellen, dass er auf den Videos nur die zweite Stimme singt, damit die Sängerinnen und Sänger zu Hause dazu die erste Stimme singen können. „Keiner weiß, wie lange diese Zwangspause dauern wird. Aber solange uns die Wünsche und die Lieder nicht ausgehen, können wir vieles aushalten“, weiß der Gesangslehrer. „Wichtig ist in dieser Krisenzeit, dass wir miteinander in Kontakt bleiben und die Freude am Singen und am Leben behalten.“

Info: Eines der Videos gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Freie Autorenschaft Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.