Gemeinderat - IT-Koordinator Peter Hartmann berichtet über Fördermittel und Stand der Digitalisierung / Im laufenden Haushalt stehen 1,2 Millionen Euro zur Verfügung 321 Tablet-PCs stehen an Hockenheimer Schulen zur Verfügung

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Matthias Mühleisen
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Hockenheim. Der Einfluss von Viren auf Computer ist in den meisten Fällen verheerender Natur. Das Coronavirus weicht in dieser Hinsicht von der Regel ab: Es hat für einen gewaltigen Schub in der Digitalisierung der Hockenheimer Schulen gesorgt, in die siebenstellige Beträge fließen werden, wie in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend bekannt wurde. Besonders erfreulich aus städtischer Sicht: Über eine Million Euro kommen von Bund und Land, wie Peter Hartmann, der städtische IT-Koordinator für die Schulen, auflistete.

Hat die Digitalisierung der Schulen im Griff: IT-Koordinator Peter Hartmann zeigt eins der neuen Geräte für die Pestalozzi-Grundschule. © Lenhardt
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Dass der digitale Schulstart nach den Weihnachtsferien nicht problemfrei verlief, habe weder am Netz noch an den Schulen oder Lehrern in Hockenheim oder an der Verwaltung gelegen, betonte Oberbürgermeister Marcus Zeitler, sondern an der Überlastung durch den landesweiten Abruf.

„Ich kann voller Stolz sagen, dass wir in den letzten sechs Monaten durch den weisen Entschluss dieses Gremiums mit unserem IT-Koordinator einen Glücksgriff in jedem Sinn gemacht haben. Einerseits für unsere Schulen, die sich jetzt endlich auf Augenhöhe sehen im Bereich der Digitalisierung, andererseits für uns als Verwaltung, dass wir einen Fachmann gewinnen konnten, der aus der freien Wirtschaft diesen Wissensstand mitbringt“, sagte der OB.

Durchweg positives Feedback

Das zeige das Feedback von Schülern und Lehrern und aller, die sich damit beschäftigten. „Wir kommen jede Woche einen Schritt vorwärts, aber ich bitte um Verständnis: Wenn man zehn Jahre lange im Bereich der Digitalisierung nichts gemacht hat, können wir das in den Schulen nicht so schnell aufholen.“

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Den Vorwurf richtete Zeitler an die Adresse von Land und Bund, die früher hätten reagieren sollen. Nun zeigten sie zumindest die Bereitschaft, Geld in die Hand zu nehmen, um die Bildungssystem zu digitalisieren.

Peter Hartmann gab dem Gemeinderat einen Überblick über die Förderprogramme, aus denen die Stadt Mittel für die Digitalisierung bezieht, und deren Umsetzungsstand an den Schulen:

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Sofortausstattungsprogramm: Die Mittel von 197 000 Euro (je zur Hälfte von Bund und Land) seien vollständig umgesetzt worden. Die Apple- iPad-Systeme seien den Schulen bereits im Dezember vorinstalliert und einsatzbereit ausgeliefert worden – und damit einen Monat früher als vorgesehen.

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Lehrkräfteausstattungsprogramm: Gefördert werden mobile Endgeräte für Lehrkräfte, Bund und Land sahen dazu noch etwas Gesprächsbedarf, in den kommenden ein bis zwei Wochen hofft Hartmann, Näheres zu erfahren.

Grundpaket Digitalpakt: Aus diesem größten Förderprogramm erwartet Hockenheim 865 000 Euro, die Stadt leistet eine Eigenbeteiligung von 20 Prozent. Im Januar hat der IT-Koordinator begonnen, Termine mit den Schulen zu vereinbaren, die jeweils eigene Medienentwicklungspläne erstellen müssen. Der Digitalpakt ziele darauf ab, Vernetzung, Server und Geräte zu erneuern. Das soll bis Ende des Jahres erfolgt sein. Die Stadt erhält 296 Euro pro Grundschüler und 423 Euro pro Schüler weiterführender Schulen.

Schulbudget Corona: Das Programm wird derzeit umgesetzt. Pro Schule gibt es einen Sockelbeitrag von 3000 Euro sowie zusätzlich pro Schüler 18 Euro. Das macht für alle Schulen zusammen eine Summe von rund 58 000 Euro, davon sind laut Hartmann mehr als die Hälfte verbraucht, der Rest folge in den kommenden sechs bis acht Wochen. Förderfähig sind neben Digitalisierung auch raumlufthygienische Maßnahmen.

Administratorenprogramm: Es habe sich gezeigt, dass den Lehrkräften immer mehr die Deputatsstunden fehlen, um die zunehmende Anzahl an digitalen Medien zu betreuen. Das sei größtenteils außerhalb der gesetzten Stunden geleistet worden. Das Programm fördert zusätzliches internes Personal für diese Aufgaben für zwei Jahre, was in direktem Zusammenhang mit dem Digitalpakt oder Zusatzvereinbarungen wie der Sofortausstattung stehen muss. Knapp 97 000 Euro erwartet die Stadt aus diesem „Topf“.

OB Marcus Zeitler wünscht sich vom Land hier längerfristige Unterstützung statt einer Anschubfinanzierung. „Wir sind uns alle einig: Die Geräte müssen nicht nur die nächsten zwei Jahre gepflegt werden.“

Kommunikationsplattform Sdui-App: Nachdem die Testphase nach vier Wochen mit positiver Resonanz abgeschlossen worden sei, startete die App schulübergreifend am 11. Januar. Es handle sich um eine Kommunikationslösung, die mit der Datenschutz-Grundverordnung konform sei, sowohl Schüler, Lehrer als auch Eltern einbinde und auf allen Geräten verwendbar sei, berichtete Hartmann. Als Funktionen zählte er News, Videotelefonie, Stundenplan, Chat, Cloud, Übersetzung und Infoscreen auf. Die Cloudlösung ermögliche die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und deren Abgabe, ohne dass die Schüler die Arbeiten ihrer Mitschüler einsehen können.

Apple-iPad-Systeme: Hier sei der Stadt ein ganzheitliches Konzept wichtig gewesen, bei dem den Schulen einsatzbereite Tablets zur Verfügung gestellt werden, die schon vorbetankt sind mit allen schul- und anforderungsspezifischen Apps. Mit der Lieferung der Ladekoffer rechnet Peter Hartmann Mitte bis Ende Februar. Es seien 321 iPads beschafft worden für die 2300 Hockenheimer Schüler. Davon gingen 130 ans Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium, 73 an die Theodor-Heuss-Realschule, 43 an die Pestalozzi-Grundschule, 34 an die Hubäcker-Grundschule, 28 an die Hartmann-Baumann-Schule und 13 an die Schule am Kraichbach. Die Geräte werden Schülern zur Verfügung gestellt, die zuhause nicht auf vergleichbare Mittel zuzugreifen.

Zentralisierung Schulverwaltungssoftware: Die Umstellung aller Schulen auf die amtliche Schulverwaltungssoftware sei abgeschlossen, die Software werde zentral durch die Stadt bereitgestellt.

Stellvertretend für alle Fraktionen verwies Frank Köcher-Hohn (FDP) auf Haushaltsmittel von 1,2 Millionen Euro, die dieses Jahr für die Digitalisierung bereitstehen. Die Schulen hätten jetzt ein schnelles und stabiles Internet und eine sichere Kommunikationsplattform. Serverprobleme könne die Stadt allein nicht lösen. Die Infrastruktur müsse bundesweit besser ausgebaut werden.

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer