Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium - Für 107 Jugendliche beginnen die Prüfungen unter ungewöhnlichen Bedingungen / Schüler bedauern den Ausfall des Abschlussballs Ende Juli Abiturienten fühlen sich gut vorbereitet

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Catharina Zelt und Vanessa Schwierz
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Matheunterricht mit Abstand – so sieht es derzeit in den Klassenzimmern des Gauß-Gymnasiums aus. © Zelt

Hockenheim. Die Schüler der Jahrgangsstufe 2 des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums sitzen eng über ihre Bücher gebeugt im Klassenzimmer. Lehrer Frank Becker steht vor seinem Mathekurs und erklärt eine Aufgabe. Bei ihm und seinen Schülern ist Endspurt angesagt, denn bereits am Montag, 18. Mai, beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen. Das sorgt für gemischte Gefühle bei den Abschlussschülern – unter normalen Umständen hätten sie ihre Prüfungen bereits im April geschrieben. Wegen der Corona-Krise sind die Termine allerdings vom Land Baden-Württemberg einheitlich nach hinten verschoben worden und auch die Vorbereitung der Abiturienten lief anders ab als gewohnt.

Abiturprüfungen in Baden-Württemberg

Das schriftliche Abitur in Baden-Württemberg sollte ursprünglich vom 22. April bis 5. Mai geschrieben werden. Wegen Corona fängt es erst am Montag, 18. Mai, an. Ein Überblick über die Prüfungstermine:

Montag, 18. Mai: Spanisch, Italienisch, Portugiesisch

Dienstag, 19. Mai: Griechisch, Russisch, Chinesisch

Mittwoch, 20. Mai: Deutsch

Freitag, 22. Mai: Hebraicum

Montag, 25. Mai: Englisch

Dienstag, 26. Mai: Mathematik

Mittwoch, 27. Mai: Französisch

Donnerstag, 28. Mai: Biologie, Chemie, Physik, Informatik, Musik, Sport, Bildende Kunst, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Geografie, Wirtschaft, Religionslehre, Ethik

Freitag, 29. Mai: Latein

Die mündlichen Prüfungen finden vom 20. bis 29. Juli statt. vas

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Erst vor rund zwei Wochen konnte der Schulbetrieb für die Jahrgangsstufe 2 nach Wochen, in denen sie online zu Hause unterrichtet worden sind, wieder aufgenommen werden. In Kleingruppen und mit mindestens zwei Meter Abstand zu den Klassenkameraden werden die Schüler in den Hauptfächern auf die anstehenden Prüfungen vorbereitet.

„Die vergangenen Wochen waren ein bisschen seltsam. Gerade am Anfang, als der Online-Unterricht noch nicht geregelt war“, erklärt der 17-jährige Louis, Abiturient am Gauß-Gymnasium. Seine erste Prüfung wird das Deutschabitur am Mittwoch, 20. Mai, sein. Darauf habe er sich daheim selbst vorbereitet. Ein Lernplan hat ihm bei der Zeitplanung geholfen. Ob er sich mit Präsenzunterricht besser vorbereitet gefühlt hätte, kann er nicht sagen. „Ein Durchschnittsabitur hätte ich zwar nicht schlecht gefunden, aber so ist es auch in Ordnung“, erzählt der Abiturient. „Am Anfang hat die Motivation gefehlt, weil wir nicht wussten, wann und ob wir überhaupt Abi schreiben. Als dann die Prüfungstermine feststanden, ging es los mit dem Unterricht per Video – das hat gut funktioniert und ich habe mindestens genauso viel gelernt wie im Präsenzunterricht“, zieht die 17-jährige Abiturientin Julia ein Fazit.

Verschiedene Ankunftszeiten

Eine Situation, mit der zuvor niemand rechnen konnte, bedarf einer speziellen Handhabung. Drei bis vier große Räume sind im Gauß-Gymnasium für die Prüfungen ausgewählt worden – auf den Abstand wird geachtet. Um 9 Uhr ist der Beginn, eine Ankunftszeit wurde eingeführt. Über zwei separate Zugänge werden die 107 Abiturienten in das Schulgebäude gelassen. Gegen 8.25 Uhr geht es los, wie Schulleiterin Anja Kaiser sagt, dann kommt die erste Gruppe. „Mit Abstand und Maske werden die Schüler in die Räume gebracht“, erklärt sie. Etwa zehn Minuten später kommen die nächsten.

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Ob es andere Möglichkeiten gegeben hätte, als im Schulhaus zu schreiben? Ursprünglich sollten die Abiturprüfungen in der Stadthalle geschrieben werden. Unter anderem wegen der Aufsicht und den Abständen die dort eingehalten werden können. Da aber der Unterricht für die Jahrgangsstufe 1 weitergehen muss, stellte sich die Schulleitung die Frage, ob das alles so machbar wäre. „Ich finde es wichtig, dass die Schüler das Gefühl haben, mit möglichst viel Freiraum um sich herum zu schreiben. Das gestaltet sich dann mitunter – auch wenn der Abstand gegeben ist – in einem so großen Raum schwierig. Wenn da dann zu viele Menschen sind, ist es wegen der Aerosol-Bildung nicht gut. Auch wenn es von der Organisation her einfacher gewesen wäre“, erklärt Anja Kaiser die Entscheidung gegen die Stadthalle.

Ein Problem, das bei der Organisation aufkam, war die Ausgabe von Duden, die für die Prüfungen zur Verfügung stehen müssen. Es habe zwar keine Vorgabe vom Land gegeben, aber am Gauß-Gymnasium wurde Geld in Rechtschreibwörterbücher investiert. „Normalerweise stehen drei bis vier Duden für die Schüler bereit, die sie sich wegnehmen können. Jetzt haben wir für jeden Einzelnen einen bestellt. Mit Handschuhen werden diese auf die Tische verteilt und wieder eingesammelt“, erklärt die Schulleiterin und ergänzt: „Das war schon eine finanzielle Herausforderung. Zwei Tage werden die Bücher dann weggelegt, so dass sie wieder ,clean’ sind. Außerdem werden sie gekennzeichnet – jeder Prüfling bekommt wieder das gleiche Nachschlagwerk.“

Rücksicht auf Risikogruppe

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Auch auf die Schüler, die zur Risikogruppe gehören oder Angehörige haben, hat die Schule Rücksicht genommen. So gibt es eine Schülerin, wie Kaiser sagt, die in einem separaten Raum allein schreibt, während elf Schüler sich direkt für den Nachtermin entschieden haben. Eine Maskenpflicht werde es nicht geben, denn dies dürfe lediglich empfohlen werden. „Wir haben die Empfehlung rausgegeben, dass Masken im Schulhaus und auf dem Schulweg getragen werden. Also so lang, bis die Schüler auf ihrem Platz sitzen“, erklärt Kaiser. Für das Kollegium wurden Masken bestellt, die sie bei der Aufsicht tragen – auch Handschuhe. Des Weiteren empfiehlt die Schule, dass Schüler und Lehrer nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen.

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Die Korrektur der Abituraufgaben gestaltet sich in diesen Zeiten allerdings etwas schwierig, „denn die Prüfungsbögen können nicht desinfiziert werden“. So sollten die Lehrer bei der Korrektur Handschuhe benutzen und die Bögen zwei Tage liegen lassen, so Kaiser.

„Die Schulschließung und der Online-Unterricht kamen für uns alle sehr plötzlich“, erinnert sich die 17-jährige Alica an den letzten Schultag vor der Pause, den 16. März. Sie lerne gerne alleine daheim und auch, dass seit den Schließungen nur die Hauptfächer unterrichtet worden sind, sei für die Abivorbereitung eher positiv gewesen. „In den Nebenfächern werden wir nach dem Abitur noch einige Tests schreiben“, erzählt Alica, dass die Prüfungszeit nach dem eigentlichen Abitur noch nicht vorbei ist. „Ich fühle mich gut vorbereitet. Wenn wir Fragen hatten, konnten wir sie problemlos unseren Lehrern stellen. Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn die Prüfungen vorbei sind.“ Dem kann die 18-jährige Julia nur zustimmen: „Die Lehrer haben sich viel Zeit für uns genommen – ich denke nicht, dass da irgendwas zu kurz gekommen ist. Wir haben viele Abituraufgaben geschickt bekommen und Unterricht per Videokonferenz gehabt.“

Schade ist es, da sind sich alle einig, dass der Abiball, der eigentlich für den 24. Juli angesetzt war, der Corona-Krise zum Opfer fällt. Ob und wann er nachgeholt werden kann, wissen die Schüler aktuell noch nicht. Sie sind aber positiv und machen das Beste aus der aktuellen Lage.

Volontariat Volontärin der Schwetzinger Zeitung

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen