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Altbewährte Technik

Von 
Benjamin Jungbluth
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Wer bis in die 90er-Jahre in einer Kleinstadt oder auf dem Dorf aufgewachsen ist, wird sich noch erinnern: An den markanten Klang der Sirenen, wenn es irgendwo brannte oder einen Unfall gegeben hatte, und die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz gerufen wurden. Gerade in den Ferien oder nach Schulschluss war das für viele Kinder stets ein Ereignis. Endlich war mal etwas los, also ab aufs Rad und Ausschau halten, ob irgendwo Rauch und Blaulicht zu sehen war.

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Für die Älteren mag das Gefühl ein anderes gewesen sein. Bisweilen erinnerten sie sich wohl noch ungut an die Fliegeralarme aus dem Krieg. In jedem Fall war da aber immer der Hintergedanke, dass die Sirenen noch einen weiteren Zweck erfüllen sollten: Alarm schlagen, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert wäre. Die Nähe zu Philippsburg und seinen weithin sichtbaren AKW-Türmen wurde da schnell wieder bewusst. Oder eben die Sorge, dass „der Russe kommt“ – tatsächlich waren die Sirenen während des Kalten Krieges genau für diesen Fall gedacht.

Vieles hat sich seitdem geändert: Atomkraftwerke sind (nahezu) verschwunden, Krieg scheint es nur noch am anderen Ende der Welt zu geben und die Feuerwehr wird schon seit langem deutlich dezenter und effizienter per Funktechnik gerufen. Und doch war die Entscheidung, das funktionierende und flächendeckende Sirenensystem in Deutschland größtenteils abzubauen, vielleicht etwas zu blauäugig. Denn die Weltlage kann sich ändern, Technik versagen und neue Gefahren können hinzukommen. Die peinlichen Probleme beim letzten deutschlandweiten Warntag, als die hochgelobten Warn-Apps kläglich versagten, hatten die Probleme bereits aufgezeigt. Die jüngste Flutkatastrophe im Westen unseres Landes hat die Schwachpunkte endgültig offengelegt. Und selbst, wenn jetzt vor allem digital nachgerüstet werden soll: Altbewährte Sirenen würden eine analoge Redundanz darstellen, wie sie bei allen sicherheitsrelevanten Vorgängen gut gelebte Praxis ist – wenn ein System ausfällt, kann das andere übernehmen. Diese Investition in unser aller Sicherheit sollte es uns wert sein.

Freier Autor Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.

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