Bahnhof: Keine Verbesserung für Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber bei Zugang zu Gleisen 2 und 3 absehbar / Sprecherin räumt "Vandalismus-Problem" ein Barrierefreier Zugang auf dem Wartegleis

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Matthias Mühleisen

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Diese Botschaft wird nicht nur die Lokale Agenda nicht gerne vernehmen: Der Hockenheimer Bahnhof hat auf absehbare Zeit keine Chance auf einen barrierefreien Ausbau. Das bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung. Das Unternehmen müsse zuvor noch viele größere Stationen mit weit höherem Aufkommen an Reisenden barrierefrei ausstatten. Schäden durch Vandalismus würden dagegen regelmäßig beseitigt, und auch der Sauberkeit werde Rechnung getragen.

Der Beschreibung eines "desolaten Zustands", wie sie unser Leser Michael Keller in einem am 21. Februar veröffentlichten Leserbrief, der auch an die Bahn gegangen war, wollte die Sprecherin nicht zustimmen. Zwar bestehe unbestreitbar ein "Vandalismusproblem", dem beispielsweise die Seitenscheiben der Wartehäuschen an den Gleisen zum Opfer fielen. Doch diese Schäden sollten noch im Lauf des Monats behoben werden.

Ständige Kontrollen unmöglich

Der Zustand des Geländes insgesamt unterscheide sich allerdings nicht von dem vieler anderer Bahnhöfe. Die von Michael Keller beklagten Zustände, was die Sauberkeit und die permanente Missachtung des Rauchverbots betrifft, das auf dem gesamten Gelände gilt, könne die Bahn nur schwer abstellen, sagte die Sprecherin. "Da müssten wir ja dauerhaft jemanden hinstellen, das funktioniert nicht", macht sie auf die Eigenverantwortung der Bahnnutzer aufmerksam.

Grundsätzlich rauchfreie Zone

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Grundsätzlich habe die Bahn alle Stationen zu rauchfreien Zonen erklärt, weshalb auch alle Aschenbecher entfernt worden seien. In größeren Bahnhöfen gebe es Raucherzonen - "dort funktioniert das ganz gut". Über eine solche mit Aschenbechern ausgestattete Zone zumindest im Freien außerhalb der zum Wartesaal umfunktionierten ehemaligen Schalterhalle würde sich Roger Erb freuen.

Der Pächter des Bahnhofskiosks ist vertraglich verpflichtet, die Halle, in dem er auch sein Büro hat, sauber zu halten. Aus eigenem Interesse hält er auch den Durchgang zu den Bahnsteigen zwischen Kiosk und Wartehalle sauber. Doch während vor der Entfernung der Ascher zumindest "8 von 20" rauchenden Bahnnutzern ihre Kippen dort entsorgt hätten, lande jetzt fast alles auf dem Boden. "Ich könnte dreimal täglich durchgehen, das würde immer noch nicht reichen."

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Dass die Bahn jeden Morgen ihren Reinigungsdienst durchschickt, der die Abfallbehälter leert und den Gang sowie die Treppen zu den Gleisen fegt, bestätigt Erb. Doch das reiche eben nicht für den ganzen Tag. Da genügten ein, zwei Züge mit Schülern und schon sehe wieder alles ganz anders aus. Auch vorm Kiosk hinterließen die Passagiere der beiden Fahrten in Richtung Mannheim um 7.04 und 7.24 Uhr deutliche Spuren.

Gestern "aufgeräumter" Eindruck

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Beim (unangekündigten) Besuch der SZ/HTZ gestern Mittag machte der Bahnhof einen "aufgeräumten" Eindruck. Es lagen weder Glassplitter an den Wartehäuschen noch Abfälle in der Wartehalle oder auf den Wegen zu den Bahnsteigen, und die Raucher beschränkten sich auf den Bereich neben dem Kiosk, in dem es auch Aschenbecher gibt. Die Fahrradständer enthielten mit wenigen Ausnahmen keine ausgeschlachteten Drahtesel-"Leichen", sondern nur gut gesicherte Räder.

Die von Leser Keller ebenfalls beklagten Sitze aus Metall, die in den Wintermonaten so kalt seien, dass man sie als Sitzgelegenheit gar nicht in Anspruch nehmen könne, haben sich andererseits als am widerstandsfähigsten gegen Demolierung und Wettereinflüsse erwiesen, gibt die Sprecherin zu bedenken. Für einen kurzen Aufenthalt am Bahnsteig könne man ja auch stehen.