Pumpwerk

Blinklichttheater erfreut in Hockenheim Groß und Klein

Der Puppenspieler Wolfgang Messner gastiert mit dem Blinklichttheater und der Geschichte vom Flusspferd Wawatschi im Pumpwerk - und vermittelt Kindern eine wichtige Nachricht.

Von 
Corinna Perner
Lesedauer: 

Sich aus ganzem Herzen mögen, mit seinen Stärken, Makeln, Grenzen und Charaktereigenschaften im Reinen sein, annehmen, dass andere manche Dinge besser können als man selbst: In dieser Lage zu sein, davon kann manch ein Erwachsener nur träumen, für Kinder mag es inmitten von Anforderungen vonseiten der Erwachsenenwelt und Perfektionismus oft noch schwerer sein, in diesen Zustand zu gelangen. Und dabei ist es so wertvoll, nicht ständig jemand anderes sein oder das Leben eines anderen leben zu wollen.

„Ich bin ja so froh, dass ich so bin, wie ich bin“ und „Ich mag mich“, genau das konnte das sympathische Flusspferd Wawatschi im Kindertheaterstück „Ich bin, wie ich bin“ am Ende aus tiefstem Herzen sagen. Wolfgang Messner vom Blinklichtertheater brachte es am Wochenende im gut besuchten Pumpwerk auf die Bühne.

„Ich bin ja so froh, dass ich bin, wie ich bin“, welch eine schöne Erkenntnis, die Fluss-pferd Wawatschi am Ende neben Wolfgang Messner hat. © Perner

Dabei ist er alles andere als ein Unbekannter, wie sowohl Nina Unglenk-Baumann, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros und künftigen Familienzentrums, als auch Wolfgang Messner bestätigen: „Pumpwerk hat Tradition bei den Blinklichtern“, blickt der Puppenspieler auf etliche Aufführungen in Hockenheim zurück. Und das ist auch kein Wunder, denn ihm gelang es auch dieses Mal schon nach kürzester Zeit sowohl die kleinen Zuschauer ab vier Jahren als auch die mitgekommenen Eltern in seinen Bann zu ziehen. Wenn nicht gerade gelacht oder mitgemacht wurde, herrschte eine für Aufführungen dieser Art ungewöhnliche Stille und auch die Erwachsenen konnten nicht anders als dem bunten Treiben zu folgen, streute der Theaterpädagoge doch immer wieder auch Anspielungen und Witze an eben diese gerichtet ein.

Mehr zum Thema

Für Kinder

Blinklichtertheater gastiert in Hockenheim

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren
Bridge

Im Showkampf mit Omar Sharif

Veröffentlicht
Von
Johannes Blem
Mehr erfahren

Regenlied sorgt für Nass

In 45 Minuten Spielzeit nahm er die Kinder und Eltern mit auf eine Reise nach Afrika, wo sie das Flusspferd Wawatschi durch seinen Tag begleiten durften. Nach einem Regenlied, bei dem die Kinder kräftig mitwirkten, begann es tatsächlich endlich zu regnen und das heiß geliebte Wasserloch des Flusspferdes Wawatschi begann sich zu füllen und wurde sogleich für ein erstes Bad genutzt, dem die Erkenntnis folgte, dass es neben dem Wasserloch nicht viel mehr braucht als Spinat, Salat und einen Freund.

Doch als die sprechenden Blumen das Sonnenbad dem Bad im Wasserloch vorziehen, Affe Rhesus positiv Wawatschi das Klettern beibringen will und Wawatschi dank kräftig Statur und „itziminibiniwinzigem Fliegenwegwedelflusspferdschwanz“ daran scheitert, als er bei der Elefantenparade auf dem Kilimandscharo mangels Wedelohren und Rüssel nicht mitwirken darf und als der eitle König Leo Löwikus mit der Neigung zu Wortspielen („ich begieße meine Untertanen, Untertassen, Unterhosen“) auch nur seine eigenen Eigenschaften und Privilegien hervorhebt, die dem Flusspferd fehlen, wird Wawatschi nachdenklich und ein bisschen traurig.

Zwar hatte die Schildkröte ihm bereits in herrlichem Kurpfälzer Dialekt versichert „Du bisch, wer du bisch un des is gut so“, doch ihr „Haus“ pries sie dennoch als äußerst erstrebenswert an: „Do hättsch dei Ruh“. Als Wawatschi dann auch noch Giraffe Mama Lu beim Spiel mit den Wolken beobachtet und auch hier damit hadert, die Welt nicht von oben sehen zu können, sind die Selbstzweifel vollends da und das Flusspferd fragt sich einmal mehr: „Fehlt mir was, seh’ ich zum Lachen aus?“.

Die Frage verfolgte Wawatschi gar bis in den mithilfe eines Schattenspieles dargestellten Traum, in dem das Flusspferd träumt, jemand anderes zu sein: Ein Flusspferd mit Löwenmähne, Giraffenhals und Elefantenohren, das jedoch von den übrigen Tieren ausgelacht wird und die es verjagen wollen. Zitternd vor Angst erwacht Wawatschi in Messners Armen und kommt zur Erkenntnis, am Wasserloch der zu sein, der er ist, hier so zu bleiben und sich selbst zu mögen. Und mit Affe Rhesus negativ, der das Schwimmen lernen will, König Leo Löwikus, der ihm die Krone leihen möchte und all den anderen Tieren hat er eine ganze Menge mehr als den mindestens einen Freund, den es neben dem Wasserloch, Salat und Spinat zum Leben braucht.

Neben Messners Können trug nicht zuletzt die Vielfalt der auf der Bühne gezeigten Elemente von Handpuppenspiel, Schattenspiel und beweglichen Stabfiguren über musikalische Einlagen zum Mitmachen, Kazoo und Lichteffekte bis hin zu aus dem Publikum gewonnenen Akteuren zum gelungenen Ganzen bei. Die Inszenierung selbst war dabei wohl durchdacht, für die Einmanndarbietung bis ins kleinste Teil durchorganisiert und sowohl für Klein als auch für Groß ansprechend umgesetzt. Die verschiedensten Tiere waren liebevoll von Hand genäht, das Bühnenbild war wandelbar und detailreich gestaltet und ein großes Team von Musik bis Regie und Bühnenbild wirkte im Vorfeld mit, bis das Stück aufführbereit war. Immerhin sechs Monate dauerte es bis zur Fertigstellung des Stückes, wie Wolfgang Messner im Gespräch verriet.

Dass Adrian, der bereits als eines von sechs Kindern bei der Elefantenparade mit Bühnenpräsenz glänzte, am Ende fragt „geht’s noch weiter?“, zeigte wohl neben reichlichem Applaus, dass Wolfgang Messner gerne wiederkommen darf. Und bis dahin muss wohl der Papa fürs Theaterspiel zu Hause herhalten, wie der Puppenspieler mit einem Zwinkern vorschlug.

Freie Autorin Freie Mitarbeiterin für Hockenheim und Umgebung rund um die Themen Kultur, Religion sowie Land und Leute.