Corona beeinträchtigt Abiturprüfung am Gauß-Gymnasium nicht

Von 
Stefan Kern
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Hockenheim. Die Situation ist für Schüler und Lehrer nicht einfach. Niemand am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium lässt Zweifel daran, dass analog - also Präsenz - vor digital gehe. Aber, und das betont Schulleiterin Anja Kaiser, unter den derzeit gegebenen Umständen laufe der Unterricht absolut zufriedenstellend. Es gebe jedenfalls keinen Zweifel daran, dass die Oberstufenschüler gut auf ihr Abitur vorbereitet würden.

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Eine Sicht, die ihre beiden Kolleginnen Silvia Straeten, Lehrerin für Mathematik und Informatik, sowie Elke Schinko, die Deutsch und Biologe unterrichtet, einhellig teilen. Schinko erzählt von vielen Einzelgesprächen mit Schülern, in denen diese ihr bestätigten, dass es ihnen gut gehe und sie mit Blick auf das Abitur zuversichtlich seien. Eine echte Beeinträchtigung des Abiturs durch Corona können die drei Lehrerinnen denn auch nicht erkennen.

Probleme mit Sicherheit im Netz

Das heißt nicht, dass alles gut ist. Gerade habe man Schwierigkeiten mit der Sicherheit des Netzes gehabt. Kaiser berichtet von einem Plattformeinbruch mit pornografischem Hintergrund. Trotz solcher Fälle, die übrigens zur Anzeige gebracht wurden, befördert die Schulleiterin des Gauß-Gymnasiums den digitalen Kurs ihrer Schule.

Und das nicht nur, weil es die Pandemie gerade gebietet, sondern weil es auch eine echte Bereicherung des Schulalltags bedeuten kann. Präsenz sei immer prioritär, aber viele digitale Elemente, die jetzt gerade mit Wucht eingeführt werden, könnten für das Lernen langfristig durchaus von Vorteil sein.

„Bestes aus zwei Welten nutzen“

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„Das Beste aus beiden Welten nutzen“, lautet die Formel am Gauß-Gymnasium. Derzeit überwiegt an der Schule jedoch die digitale Welt. Seit dem 16. Dezember läuft der Unterricht im Homeschooling-Modus. Ausnahmen stellen nur die Klausuren und die Notbetreuung dar. Letzteres spielt in der Oberstufe jedoch keine Rolle.

Fast durchweg sprechen die drei Lehrerinnen von einer erfreulichen Bilanz. In Kaisers Klasse gebe es nur zwei „Sorgenkinder“ bei 14 Schülern. Diese beiden hätten sich aber auch im Präsenzunterricht nicht leichtgetan und seien deshalb kein Argument gegen Homeschooling.

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Auch Straeten, die in ihren beiden Fächern Mathematik und Informatik zwei Klassen durch das Abitur begleitet, sieht ihre Schüler gut vorbereitet. „Aktuell sind wir mit dem Abiturstoff durch und vertiefen ihn jetzt.“ Dabei betonte sie, dass das Arbeiten mit Oberstufenschülern auch eher leichtfalle. „Sie haben ein Ziel und arbeiten darauf hin.“ Darüber hinaus kenne man seine Pappenheimer und wisse als Lehrer, worauf zu achten ist.

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Schwieriger sei es dagegen in der Unter- und der Mittelstufe. Pubertät und Motivation für die Schule würden sich ja nicht immer gut vertragen. Und auch eine neue Klasse lerne man besser analog kennen, sind sich die Lehrerinnen einig. In Sachen Komplexität des Kennenlernens sei der persönliche Kontakt dem digitalen immer überlegen.

Vertrauen nur über Präsenz

Gerade der Aufbau von Vertrauen - für einen gelingenden Unterricht fundamental - setze echte Begegnung voraus. Eine Sicht, die Kaiser und Schinko teilen. Schüler der Abiturjahrgänge seien dagegen schon sehr organisiert und würden die Hürden des Onlineunterrichts meistern. Wenn der Lehrer dann dabei sei, laufe der Unterricht. Letzteres ist Kaiser besonders wichtig. „Ein enger Schüler-Lehrer-Kontakt muss für gelingenden Onlineunterricht zwingend gegeben sein.“

Hierbei macht Kaiser durchaus Sorgen, dass in Zukunft Wechselunterricht angezeigt sein könnte. Dabei wird ein Teil der Klasse in Präsenz und ein anderer Teil online unterrichtet. „Bei 40 Klassen würde unser Netz in diesem Fall ohne Frage zusammenbrechen“, ist sie sicher.

Für Datenschutz sensibilisieren

Dezidiert will sie das nicht als Versäumniskritik verstanden wissen. Bei der technischen Ausstattung wurde einiges erreicht. Zuletzt wurden 140 Tablets geliefert, die den Schülern zur Verfügung stehen. Auch in Sachen Datenschutz sei noch nicht alles geklärt. Für Schinko ist klar, dass sie es aushalten muss, dass sie fotografiert oder gar mitgeschnitten werden kann und dass das auch zu Missbrauch führen kann. Aber derzeit gebe es keine Alternativen und zu diesem Problem. Sie suche offensiv das Gespräch mit den Schülern, um hier eine Art Sensibilisierung für den Datenschutz zu erreichen.

Auch das ist übrigens ein ziemlich wichtiger Inhalt, der in der Schule nun deutlich präsenter behandelt wird. Das Ei des Kolumbus sei Onlineunterricht nicht. Aber es ist auch nicht alles schlecht, sind sich die drei einig. Es dürfte spannend bleiben, was in der Post-Corona-Phase davon erhalten bleibt. Die Abiturvorbereitung - da war sich Kaiser genau wie Schinko und Straeten sicher - leide nicht. Für den Moment wohl das Wichtigste.

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.