Geschäftsleben - Rosario Bonafede gibt Standbein im Globus auf / Rösterei läuft dank Onlineshop gut / Sorge um langfristige Folgen Das Eiscafé im Hockenheimer Globus war nicht zu halten

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Benjamin Jungbluth
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Viel Leidenschaft für richtig guten Kaffee: Rosario Bonafede in seiner Rösterei in der Gleisstraße. © Jungbluth

Hockenheim. Das Ende für Rosario Bonafedes Eiscafé im Einkaufscenter Globus kam nicht durch den Lockdown, sondern durch die Masken. „Nach der ersten Zwangsschließung im Frühjahr gab es eine Woche, in der noch keine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bestand. Da kamen die Menschen wieder zu uns, gönnten sich nach dem Einkauf ein Eis und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Dann kam die Vorgabe zum Tragen der Masken – und unser Eiscafé war schlagartig leer. Die Menschen gehen seitdem nur noch selten und möglichst kurz einkaufen, da bleibt keine Zeit mehr für eine kleine Pause bei uns“, fasst der erfahrene Gastronom und Kaffee-Spezialist seine Lage zusammen. „Das soll jetzt kein Argument gegen die Corona-Politik sein, aber die dramatischen Folgen der Maßnahmen für die Wirtschaft darf man eben auch nicht übersehen.“

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Rosario Bonafede spürt diese Auswirkungen, wie viele andere Gastronomen und Unternehmer in der Region, inzwischen deutlich. Weil die Kunden über Monate ausblieben, entschloss sich der 45-Jährige, sein direkt am Globus-Eingang gelegenes Café „Eiszeit“ endgültig aufzugeben. „Der Standort war nie ganz einfach, aber fast vier Jahre lang liefen die Geschäfte trotzdem gut. Dann kam Corona und ich musste irgendwann eine Entscheidung treffen – auch wenn es mir sehr schwerfällt, gerade mit Hinblick auf meine zwei festen Mitarbeiter und die mehreren Aushilfen“, sagt Rosario Bonafede. Immerhin: Dank der Kulanz der Globus-Leitung konnte er ein halbes Jahr früher aus seinem Mietvertrag aussteigen und so weitere Verluste vermeiden.

Bestellung von Büros eingebrochen

Und Rosario Bonafede kann noch auf ein zweites unternehmerisches Standbein zurückgreifen: Seine Privatrösterei Bonafede, die er seit Jahren in der Gleisstraße in Hockenheim-Talhaus betreibt. In einer „transparenten Manufaktur“ veredelt er hochwertige Kaffeesorten, bietet Schulungen an und betreibt ein kleines Café. Die beiden letzteren Geschäftszweige ruhen derzeit zwar auch, doch stellt der Verkauf von Kaffee an Privatpersonen, Büros und die Gastronomie den mit Abstand größten Teil seines Umsatzes sicher. Und dort hat sich die Krise bislang noch nicht gezeigt, im Gegenteil.

„Wir konnten im vergangenen Jahr sogar ein leichtes Plus verbuchen: Die Bestellungen von Büros und Cafés sind zwar eingebrochen. Aber weil die Menschen weniger auswärts kaffeetrinken gehen, gönnen sie sich jetzt zu Hause etwas. Und da wir unseren Onlineshop bereits vor zwei Jahren aktualisiert haben, um unsere spezialisierte Produktpalette deutschlandweit verkaufen zu können, waren wir auf die veränderte Lage zum Glück gut eingestellt“, erklärt Rosario Bonafede. Nachdem inzwischen das Abholen bestellter Waren wieder erlaubt ist, kommen viele Kunden aus der Region auch kurz in der Rösterei vorbei. Dank der Lage im Gewerbegebiet ist das unkompliziert möglich – ganz anders als bei vielen Geschäften in den Innenstädten, wie Rosario Bonafede aus Gesprächen mit Kollegen weiß.

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Und doch hat die Corona-Lage auch Auswirkungen auf seine Privatrösterei. Weil er nicht mehr in seinem Eiscafé gebunden ist und gleichzeitig die Abläufe seines Kaffeegeschäfts trotz des Nachfrageanstiegs einfacher geworden sind, hat Rosario Bonafede inzwischen zu viele Mitarbeiter. „Das ist eben die Kehrseite des Versandhandels: Man benötigt weniger Personal, also fallen Arbeitsplätze weg. Große Konzerne würden darauf wohl schnell und konsequent reagieren, aber wir inhabergeführten Betriebe versuchen natürlich alles, unseren Angestellten eine Perspektive zu geben“, sagt Rosario Bonafede.

Vier Mitarbeiter in Vollzeit und drei Teilzeitkräfte arbeiten in der Rösterei, die meisten schon seit vielen Jahren. „Da entsteht ein Vertrauensverhältnis, das man auch in einer Krise nicht aufgibt“, sagt der Unternehmer. Wobei auch diese Einstellung irgendwann an Grenzen stoße. „Am Ende darf ein Unternehmen eben nicht dauerhaft rote Zahlen schreiben. Bei meinem Eiscafé konnte ich die Arbeitsplätze leider nicht retten.“

„Es hängt eben alles zusammen“

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Trotz seiner halbwegs guten Lage mit einem weiterhin funktionierenden Geschäftszweig sieht Rosario Bonafede die langfristige wirtschaftliche Lage durch die Corona-Maßnahmen sehr kritisch. Vielen seiner Kollegen gehe es bereits jetzt deutlich schlechter: Weil sie ihre Waren nicht in gleichem Maße online vertreiben können und mit ihren Geschäften schlechter erreichbar sind.

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Auch weiterhin zu zahlende Mieten und Fixkosten summieren sich nach fast einem Jahr mit massiv eingebrochenem Geschäft. „Und es hängt eben alles miteinander zusammen: Wenn andere Branchen leiden, haben die Menschen weniger Geld, das sie ausgeben können. Am Ende müssen sie dann am hochwertigen Kaffee sparen, so dass auch wir darunter leiden. Wenn wir nicht aufpassen, gibt das eine immer stärkere Abwärtsspirale“, befürchtet Rosario Bonafede.

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.