COVID-19 positiv: Andrea Brixner ist eine von 19 Infizierten in Hockenheim / Die Uniklinik Heidelberg bescheinigt ihr einen mäßigen Verlauf / Symptome im Bekanntenkreis sind komplett unterschiedlich Das Gedankenkarussell verstärkt die Angst

Von 
Sandra Kettenmann
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Andrea Brixner wartet auf das Ende ihrer Quarantänezeit und fühlt sich gesundheitlich schon besser. © Brixner

Hockenheim. Ein trockener Husten, Kopfschmerzen, der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns sowie erhöhte Temperatur - so beschreibt Andrea Brixner ihre Symptome des Coronavirus. Seit über einer Woche ist sie mit ihrer Familie in Quarantäne. Am Freitag, 27. März, erhielt sie die Diagnose: COVID-19 positiv.

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„Ich dachte zuerst, es sei eine normale Erkältung“, schildert die 38-Jährige im Telefonat mit unserer Zeitung. „Selbst meine Hausärztin ging von einer Bronchitis aus.“ Aber Brixner hatte einen Verdacht und der trockene Husten war ein Indiz, das sie nicht zur Ruhe kommen ließ. Tage zuvor hatte sie Kontakt mit ihrer Mutter und einer Freundin gehabt. Beide Frauen klagten ebenfalls über Symptome, jedoch andere als es bei Brixner waren. Ihrer Mutter bereitete ausschließlich der trockene Husten Probleme, ihre Freundin klagte über einen „Klos im Hals“ und leicht erhöhte Temperatur.

Die examinierte Altenpflegerin kontaktierte frühzeitig das Gesundheitsamt. Dort vertröstete man sie, da sie weder in einem Risikogebiet war noch einen verdächtigen Kontakt gehabt habe, wäre ein Test nicht notwendig. Sie informierte sich weiter und fand heraus, dass ihr als medizinisches Personal ein COVID-19 Test bei einem Verdacht zustünde. Erneut meldete sie sich beim Gesundheitsamt und bekam wenige Tage später einen QR-Code und eine Nummer für den Drive-In-Test in Schwetzingen. 24 Stunden später kam das Ergebnis: Sie war COVID-19 positiv, wie sie es vermutet hatte. Da die 38-Jährige eh Urlaubsstunden abbaute und in der Woche zuvor nicht arbeiten war, stellte sie für die Patienten im Nachhinein auch kein Risiko dar. Eine Erleichterung für sie.

Jedoch grübelte sie Tage und Nächte, wo sie überall war, woher sie den Virus hatte und an wen sie ihn wohl weitergegeben habe. Gemeinsam mit ihrer Familie, ihrem Mann und ihrer vierjähriger Tochter, musste sie in Quarantäne. Die Einkäufe erledigte die Schwiegermutter und auch Nachbarn und Freunde boten Hilfe an. „Ich war wirklich sehr positiv überrascht von dem großen Hilfsangebot und dem Entgegenkommen der Menschen um uns herum“, berichtet sie. Andrea Brixner musste gesundheitsbedingt einige Tage das Bett hüten, denn der Husten und die erhöhte Temperatur setzten ihrem Körper zu. Ihren Zustand beschreibt sie im Gespräch als „Krankheitsgefühl - wenn man sich einfach nicht gut fühlt“.

Fehlender Geruchssinn

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Am zweiten Tag des Krankheitsverlaufes verlor sie ihren Geschmacks- und Geruchssinn. Bei einer normalen Erkältung, beschreibt sie, hätte sie extreme Gerüche wie Essig trotzdem noch riechen oder auch schmecken können. Das war hier nicht der Fall. In der Universitätsklinik Heidelberg erklärte man ihr später, dass bei 80 Prozent der COVID-19-Patienten der Geruchs- und Geschmackssinn für die Krankheitsdauer verlorengeht. Ihr Mann und auch die Tochter haben bis heute keinerlei Symptome. Allerdings muss die Familie eine tägliche Meldung über den Gesundheitszustand und die Temperaturwerte an das Gesundheitsamt weiterleiten. „Alle zwei Tage ruft auch jemand von der Uniklinik Heidelberg an und erkundigt sich nach uns. Das finde ich doch sehr entgegenkommend“, empfindet Brixner. „Natürlich muss das Virus erst noch erforscht werden und jede Veränderung oder Abweichung von der Norm braucht die Klinik für die Forschung. Ganz klar. Aber es ist zur Abwechslung eine schöne Aufmerksamkeit, wenn man so oft nach dem Gesundheitsstand gefragt wird. Dabei fühlt man sich nicht alleine gelassen und das tut zur Abwechslung dann doch mal ganz gut.“

Ihre Fröhlichkeit und ihren Humor hat sich die Altenpflegerin von dem Virus nicht nehmen lassen, wenn auch sie von der Angst getrieben war. „Das Schlimmste war das Warten auf das Testergebnis. Man ahnt es irgendwie, hat es aber nicht schwarz auf weiß und somit auch keine Bestätigung“, erklärt sie. Für Brixner war die Ungewissheit über die Folgen schlafraubender als die Krankheit selbst.

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„In Gedanken wiederholt man jeden Schritt, jeden Tag, wo man war, was man angefasst hat oder wen man getroffen hat. Auch überlegt man sich, wie das Virus zu einem selbst kommen konnte. Ich wasche mir ständig die Hände, in meinem Beruf ist Hygiene äußerst wichtig und das praktiziere ich auch zuhause. Wie konnte ich also damit in Kontakt kommen?“ Fragen, die sie beschäftigen. Denn die Frage nach dem „Woher kommt der Virus“ ist eine Sache, die andere Frage lautet „An wen habe ich es unbewusst weitergegeben?“

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Brixner berichtet von ihren Eltern, die beide der Risikogruppe „über 60“ angehören sowie von der Sorge um ihren Mann und ihre Tochter, zu denen sie versucht, den Kontakt zu vermeiden - was in einem gemeinsamen Haushalt nicht sehr einfach ist.

Suche nach Gleichgesinnten

Im Laufe des Gesprächs hustet Andrea Brixner immer wieder. „Die Temperatur ist wieder im Normalbereich, aber der Husten ist sehr hartnäckig“, entschuldigt sie sich. Ihre Mutter ginge es mit dem Husten ähnlich, ihr Vater sei bisher gesund und habe keinerlei Symptome genau wie ihr Mann und die gemeinsame Tochter. „Ich bin froh, dass es für uns alle so glimpflich ausgegangen ist. Wenn man die Bilder aus Italien sieht, bekommt man es mit der Angst zu tun und natürlich macht man sich umso mehr Sorgen“, erklärt sie, „diese Ungewissheit zehrt an den Nerven und schlägt auf die Psyche. Nachdem ich das Ergebnis hatte, ging es mir besser. Denn dann hatte das Unbekannte einen Namen und ich hatte die Bestätigung.“

Andrea Brixner bat nach der Diagnose eine Freundin um das Verfassen eines Facebook-Posts, dass sich doch andere COVID-19-Infizierte zum Austausch bei ihr melden könnten. Brixner wollte über deren Symptome erfahren, den Verlauf und einfach den Austausch von Informationen und dem persönlichen Befinden anregen. Denn über das Coronavirus wird viel berichtet und geschrieben. „Die Angst ist den Leuten anzumerken, denn keiner weiß so wirklich, was auf einen zukommt“, ergänzt sie.

Aktuell sind in Hockenheim 19 Personen erkrankt, die Zahlen sind steigend. Sobald Brixner 48 Stunden keinerlei Symptome wie Husten oder Fieber aufweist, gilt sie als geheilt, ist nicht mehr ansteckend und gegen das aktuell grassierende Coronavirus immun.