Stadtbus-Linie - Neues Fahrzeug seit zwei Wochen in Betrieb / Corona-Krise wirkt sich auch auf die Firma Jahnke aus / Haltestelle Waldstraße/Friedhof wird ab 1. Juli verlegt Der Blaue fährt jetzt den „Ringjet“-Kurs

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Volker Widdrat
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Fahrerwechsel an der Haltestelle Kaiserstraße: Ralf Stolz (l.) übernimmt im neuen Stadtbus der Linie 731 das Steuer von seinem Chef Klaus Jahnke. © Volker Widdrat

Das blaue Fahrzeug fällt sofort auf. Seit gut zwei Wochen ist der neue Stadtbus der Firma Jahnke auf dem sogenannten „Ringjet“-Rundkurs unterwegs. Eigentlich hätte der schmucke Mercedes-Benz Citaro K schon Mitte Dezember zum Einsatz kommen sollen, doch erst Anfang Februar wurde der Bus vom französischen Werk in Ligny ausgeliefert – und musste gleich wieder zurück. Wegen technischer Probleme sei eine Nachbearbeitung notwendig gewesen, sagt Geschäftsführer Klaus Jahnke.

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Jetzt fährt der Blaue mit dem Stern wie gehabt über die Linie 731 durch alle Stadtteile. Die halbstündige Rundtour mit 21 Stopps startet am Bahnhof und endet für gewöhnlich auch dort. Montags bis freitags für 13 Stunden jeden Tag und samstags bis kurz vor 14 Uhr.

Der Citaro K (das K steht für „Kurz“) bietet 31 Sitz- und 53 Stehplätze. In dem Hybrid-Fahrzeug ist ein robuster Elektromotor zwischen Verbrennungsmotor und Automatikgetriebe integriert, der beim Bremsen und beim Gaswegnehmen als Generator arbeitet und Schubenergie in Strom umwandelt. Das spart Kraftstoff und reduziert Emissionen.

Der Stadtbusverkehr der Firma Jahnke begann Mitte der 1980er Jahre. Das erste Fahrzeug war ein VW-Bus LT 28, schildert Jahnke die Entwicklung. 1995 wurde die Stadtlinie in der Form umstrukturiert, wie sie heute noch betrieben wird. Die Busse müssen robust sein und lange halten. Schließlich habe das erste Fahrzeug rund 82 000 Runden gedreht, so Jahnke. Seit 2012 erfüllt das 1974 von Heinz Jahnke gegründete Unternehmen die Vorgaben des Verkehrsverbundes, zu dem die Stadtbuslinie gehört. 2013 schaffte die Firma für die „Ringjet“-Linie einen Mercedes-Benz mit Kovex-Aufbau an. Das neue Fahrzeug, das jetzt auch schon 5000 Kilometer auf dem Tacho hat, kostet knapp 240 000 Euro, fast soviel wie ein großer Reisebus.

Spuckschutzscheibe ist bestellt

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Der Einstieg vorne ist wegen der Corona-Pandemie noch gesperrt. Für den Fahrerbereich ist eine Spuckschutzscheibe bestellt. Auch das kostet Geld. Ein normaler Fahrkartenverkauf durch den Fahrer kann derzeit nicht stattfinden. Wer nicht auf elektronischem Weg einen Fahrschein lösen kann, darf das Entgelt auch in eine Dose beim hinteren Einstieg werfen. Manche Zeitgenossen nutzen das aber aus und geben oft nicht den korrekten Ticketbetrag in den „Klingelbeutel“, klagt Jahnke.

Die Firma beschäftigt sieben Fahrer, sechs davon sind in Kurzarbeit. Die Busunternehmen haben keine Einnahmen mehr, alle geplanten Reisen sind storniert worden. Mit Protestaktionen in Heidelberg, Stuttgart und Freiburg haben Reisebüros und Bustouristikunternehmen unlängst auf die schwierige Lage aufmerksam gemacht. Die Branche fordert vom Bund einen Sonderfonds, um die Rückzahlung der stornierten Reisen abwickeln zu können. Die baden-württembergischen Busunternehmen, die seit Mitte März keine Fahrten zu touristischen Zwecken mehr durchführen dürfen, stehen mit dem Rücken zur Wand. Der Schülerverkehr hat auch erst gerade wieder verhalten angefangen. Jahnke rechnet mit 60 bis 70 Prozent Umsatzrückgang in diesem Jahr. Dass Verkehrsminister Winfried Hermann den Einbau von Trennscheiben in Linien- und Bürgerbussen nun finanziell unterstützen möchte, ist für die von Corona gebeutelten Busunternehmen nur ein geringer Trost.

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Eine Änderung für die Linie 731 steht ab Mittwoch, 1. Juli, an: Die Haltestelle Waldstraße/Friedhof wird von der Straße In der Clamm umgelegt. Die neue Haltestelle ist dann an der Kreuzung Continentalstraße und Waldstraße.