AdUnit Billboard

Die Lücken, die wir hinterlassen

Franz Anton Bankuti schaut auf die Plakatwände zur Bundestagswahl

Von 
Franz Anton Bankuti
Lesedauer: 

Überall Plakate und Plakatwände. Was wünscht man sich da? Vielleicht wäre es schön, wenn man eine Druckerei für Großplakate hätte. Oder wenigstens eine Leimfabrik. Der Wahltag zur Bundestagswahl steht vor der Tür. Und da klopfen 6211 Bewerber zwischen 18 und 82 Jahren an. Sie alle wollen einen Sitz im Bundestag.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

In erster Linie sind es Parteien. Aber nicht nur: Einzelbewerber kämpfen ebenso um die Stimmen der Wähler. Insgesamt sind es bundesweit etwa 200 Einzelbewerber, 15 davon in Baden-Württemberg. Zugegeben, wer sich als „Seelenwärmer“, als „Wadenbeißer“ oder etwa als „Adonis“ empfiehlt, wird nicht unbedingt politisch überzeugen. Dass es aber auch sachlich mit kompetentem Wissen und klaren Vorstellungen und Zielen möglich ist, sich zur Wahl zu stellen, wird bei einem jungen Einzelbewerber aus Hockenheim deutlich.

Schwer haben es Einzelbewerber schon immer gehabt: Eigentlich ist es bisher nur einem gelungen, direkt in den Bundestag gewählt zu werden, 1949, als Richard Freudenberg aus dem Wahlkreis Mannheim-Land direkt in den Bundestag einzog. Bei seiner zweiten Kandidatur 1953, als es erstmals zwei Stimmen bei der Wahl gab, schaffte es Freudenberg allerdings nicht mehr.

Das bedeutet aber nicht, dass Einzelbewerber immer schlecht abgeschnitten haben. Denken wir beispielsweise an den in Baden-Württemberg bestens bekannten Vielfach-Kandidaten Helmut Palmer. Bei der Bundestagswahl kam er einmal auf 20 Prozent. Außerdem trat Palmer bei 300 Bürgermeisterwahlen an, auch in Hockenheim. In Schwäbisch Hall hatte er 1972 mit über 40 Prozent bei der OB-Wahl für viel Aufsehen (und Aufregung) gesorgt.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Engagierte Einzelbewerber beleben den sonst mitunter eher einförmigen Bundestagswahlkampf im großen Parteienrahmen. Auch an rechtliche Ansprüche ist für sie gedacht. Nach Paragraf 49b des Bundeswahlgesetzes erhält ein Einzelbewerber eine Wahlkampfkostenerstattung, also einen Fixbetrag pro Wählerstimme, wenn er mindestens zehn Prozent der Erststimmen in seinem Wahlkreis erhält.

Die Endphase eines solchen Wahlkampfes kann ganz schön nervig werden. Nicht nur für die Akteure, auch für uns Zuschauer und Zuhörer. Zwar ist schon alles gefragt, aber noch nicht von jedem einzelnen Fernsehsender. Das war früher einfacher: Da gab es eine „Elefantenrunde“, man sah die Kandidaten kaum vor lauter Rauch, Nikotin gehörte schließlich dazu und die Moderatoren ließen auch mitunter die Politiker (ehedem auf dieser Ebene meist nur männlich) aufeinander losschimpfen, griffen oft, einem Boxringrichter nicht unähnlich, nur ein, um sich allzu sehr politisch verharkende Rededuellanten zu „neutralisieren“.

Die Zeiten ändern sich, die Fernsehsendungen auch, die Politik nicht minder, obgleich die Aussage des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. – „Die ganze Kunst der Politik besteht darin, sich der Zeitumstände richtig zu bedienen“ – gar nicht so falsch zu sein scheint.

Es geht um viel, man will gewählt werden, man kämpft um einen (fast) Halbmillionenvertrag für vier Jahre. Fest steht: Es wird strahlende Gewählte geben und enttäuschte Nicht-Gewählte und Nicht-Wiedergewählte, die sich dann die Frage stellen, wie (und ob überhaupt) es ohne sie weitergeht.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Darüber sollte man sich aber keine zu großen Sorgen machen, denn die Lücke, die wir hinterlassen, ersetzt uns voll und ganz.

Freier Autor

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1