Hockenheimer Gespräche: Michael Krumm zeigt Multivisionsschau über den Jakobsweg Die Mühen der Pilger werden reich belohnt

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Elke Barker

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Er ist der wohl berühmteste Wanderweg und der letzte noch bestehende mittelalterliche Pilgerweg in Europa: der Jakobsweg. Zwar ist die Zahl der Pilger, die sich auf den Weg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela machen - im Mittelalter waren es noch rund eine Million - auf beschauliche 150 000 geschrumpft. Dennoch hat der Weg auch heute noch eine große Anziehungskraft.

Sie alle suchen etwas, ob sie nun Hape Kerkeling, Paulo Coelho oder Otto Normalbürger heißen, Ruhe, Befreiung, Selbstfindung, den Kontakt zu anderen, manche zu Gott. "Die Motivationen, den Jakobsweg zu wandern, sind vielfältig. Ich habe aber keine Pilger getroffen, die das aus rein sportlichen Gründen machen", erklärte Georg Krumm.

Der Berufsfotograf, Kunsthistoriker, Ethnologe und Geograf, der mit seinen Multivisionsschauen schon mehrfach bei den Hockenheimer Gesprächen zu Gast war, wanderte diesmal mit rund 270 Besuchern - der kleine Saal der Stadthalle platzte aus allen Nähten - den "Camino Frances", den wichtigsten, auch Französischen Weg genannt, der bei Roncesvalles die Pyrenäen überschreitet und über Pamplona, Logrono, Burgos und Léon dem Apostelgrab zustrebt. Veranstaltet wurde der Abend von der Sparkasse und der Volkshochschule.

Sehenswertes abseits des Weges

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In St.- Jean- Pied de Port, wo sich die Wanderer ihren Pilgerpass abholen, begann die Reise. "Gleich die erste Etappe, wo es die steilen Pyränen hoch geht, ist eine der schwierigsten", erinnerte sich Georg Krumm. Viele Pilger würden schon hier aufgeben, wie überhaupt nur 15 von 100 registrierten Pilgern wirklich in Santiago de Compostela ankämen.

Wer die Mühen nicht scheut, wird jedoch reich belohnt. Zum Beispiel mit einem Besuch der im Stil der frühen französischen Gotik erbauten Stiftskirche von Roncesvalles, von wo aus dicht bewaldete Pyrenäentäler in Richtung Pamplona führen.

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Als schön, aber nicht zur "Kompaktheit des Weges" passend, empfand Georg Krumm Pamplona, die Stadt, in der man Ernest Hemingway auch heute noch verehrt und in der jedes Jahr in der zweiten Juliwoche das sieben Tage andauernde "Sanfermines"-Fest gefeiert wird.

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Besser gefielen ihm idyllisch in die Natur eingebettete Baudenkmäler wie die inmitten von Weizenfeldern gelegene Kirche "Ermita de Eunate" oder die berühmte Brücke "Puente La Reina". Oder Natur pur, von der der Jakobsweg bekanntlich viel zu bieten hat.

Stundenlanges Wandern durch die Weinberge der Navarra oder Rioja, das Durchqueren von fruchtbarem Land auf dem Weg nach Logrono oder die einzigartige Passhöhe "Montes de Oca". Begeistert erzählte Krumm auch von der historischen Herberge von Cranon, wo sich Unterkunft und Kirche in einem Gebäude befinden, eine Mauer nur die Schlafenden von den Betenden trennt.

Wer Georg Krumm kennt, der weiß auch von seiner Vorliebe für Kurioses. Der Hühnerkult in dem Städtchen Santo Domingo de la Calzada war da nur ein Beispiel von vielen. Warum es dort sogar in der Kathedrale gackert und kräht und an der Westwand des Querhauses eine schneeweiße Henne nebst weißgefiedertem Hahn in einem Käfig lebt, davon erzählte der Weltenbummler schmunzelnd. Genauso wie von einem Taxiunternehmen, das müde Pilger aufnimmt und zum nächsten Etappenziel fährt sowie einem Pfahl, wo Steine als Sinnbild für menschliche Laster abgelegt werden können.

In lockerem und doch stets kenntnisreichen Ton führte Georg Krumm durch den Abend, bereiste Berge und Flusstäler, karge Hochebenen und fruchtbare Becken, machte Halt in traditionsreichen Städten. Atemlos folgten ihm seine Zuhörer und wie so oft, wenn der Weg das Ziel ist, glich das Ende einem Erstaunen. Dass man schon da war, am Ort der Orte, in Santiago de Compostela.