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"Dschungelbuch - das Musical" in Hockenheim vor ausverkauftem Saal

Das Theater Liberi führt mit „Dschungelbuch – das Musical“ eine mitreißende Adaption des Disney-Klassikers vor ausverkauftem Saal auf.

Von 
Corinna Perner
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Gefahr überstanden: Mogli (Ali Marcel Yildiz, oben rechts) bleibt im Dschungel bei seinen Freunden und möchte mit Narami (Mitte) die Welt der Menschen kennenlernen. © Perner

Hockenheim. Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, das neue Jahr hat begonnen und viele Familien kommen in der ersten Januarwoche noch in den Genuss einiger freier Tage, die mit gemeinsamen Erlebnissen gefüllt werden wollen. Die Produktion „Dschungelbuch – das Musical“, die das Theater Liberi in die Stadthalle brachte, kam da überaus gelegen und sicher hatte die eine oder andere Eintrittskarte auch unterm Weihnachtsbaum gelegen, sodass das Tourneetheater vor ausverkauften Reihen spielte.

Ein halbes Dutzend Darstellerinnen und Darsteller aus dem Bereich Musical und Schauspiel nimmt Groß und Klein ab vier Jahren mit auf die Reise in den tiefen Dschungel, wo am Ende trotz manch lauernder Gefahr vor allem ein Happy End wartet und das Gute sowie allem voran die Freundschaft siegen.

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Theater Liberi führt in Hockenheim „Dschungelbuch – das Musical“ auf

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Der Junge Mogli erfährt, dass er durch einen Überfall des Tiger Shir Khan auf seine Eltern bei seinem Wolfsrudel landete und kein Wolfsjunge ist, wie er bisher glaubte. Diese Erkenntnis setzt dem Findelkind zunächst schwer zu, fürchtet es doch, durch sein Menschsein irgendwann die Gesetze des Dschungels zu brechen. Der stets Mogli besorgte Panther Baghira versucht, ihm diese Sorge zu nehmen, und auch Bär Balu kann den Jungen aufmuntern. Die Gefahr durch Shir Khan jedoch steigt und auch die Schlange Kaa zieht Mogli in ihren Bann. Als Mogli von einer wilden Affenbande entführt wird, die ihn trotz fehlender Leidenschaft für „Bananas“ zu ihrem Anführer machen möchte, wird Baghira und Balu die Sache zu brenzlig und sie beschließen, Mogli solle zu den Menschen zurückkehren.

"Dschungelbuch - das Musical" in Hockenheim: Tapferer Kampf gegen Tiger

Das sieht der Junge jedoch überhaupt nicht ein – auch wenn er mit Narami einen Menschen kennengelernt hat und überaus angetan von dem Mädchen ist. Er beschließt, eben alleine im Dschungel zu bleiben, wenn er auf seine Freunde nicht zählen kann. „Ohne Freunde geht es nicht“, sind sich jedoch zwei Geier einig, als sie Mogli entdecken und es gelingt ihnen tatsächlich, den Jungen gut zuzureden, sodass er wieder an die Freundschaft glaubt und gleichzeitig die Entscheidung trifft, Shir Khan besiegen zu wollen.

Während die Geier sich auf die Suche nach Balu und Baghira machen, kämpfen Mogli und der Tiger. Recht wehrlos und dennoch gefestigt und selbstbewusst steht das Menschenkind dem wilden Tier gegenüber. Dank der Hilfe alter und neugewonnener Freunde samt Narami, die einen brennenden Stock mitgebracht hat, siegt Mogli schließlich tatsächlich. Er weiß nun, dass sein Zuhause weiter der Dschungel bleibt, er mit Narami aber auch die Welt der Menschen entdecken wird: „Ich will bleiben und Neues kennenlernen“, teilt er voller Überzeugung mit, der Identitätsfindungsprozess ist abgeschlossen.

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Auch wenn die jüngsten Besucher manches Mal wegen Shir Khan und Kaa auf dem elterlichen Schoß Zuflucht suchen, gibt es mit zwölf Liedtiteln aus verschiedenen Genres und von langsam bis schnell, mit kreativen Kostümen und fast schon philosophischen Gedankengängen für jedes Alter etwas. Das Bühnenbild bietet mit Dschungelgrün, Felsen und Kletterbaum Verstecke und Aufenthaltsorte auf verschiedenen Ebenen, geringfügige Umbauten passen es an Szenenwechsel an und dennoch tritt es hinter Schauspiel, Gesang und Tanz stimmig in den Hintergrund. Lichttechnik und Nebelmaschine vervollständigen das Ganze.

Während Ali Marcel Yildiz dank jugendlichen Aussehens und einer gewissen Portion gut gespielter Naivität tatsächlich als Mogli hätte durchgehen können, verkörpert Edy Edwards als Shir Khan den typischen Bösewicht, dem es alleine um Rang, Ansehen und das eigene Wohl geht. Jede Menge Sympathiepunkte sammeln dagegen Simone Appel als Baghira und Markus Peters als Balu.

Abgesehen von Mogli schlüpften die Darsteller, zu denen auch Lisa Marie Breithaupt und Maren Teichmann zählen, mühelos in verschiedene Rollen, sodass der Eindruck entsteht, während der gut eineinhalbstündigen Aufführung allerlei Dschungelbewohnern zu begegnen.

Besonderes Augenmerk hat Regisseurin Carolin Pommert auf die Nachahmung der jeweils passenden Bewegungsmuster der vertretenen Tiere gelegt. So bewegt sich Panther Baghira geschmeidig über die Bühne und auch bei Wölfen und Geiern sind die für sie typischen Haltungen und Bewegungsabläufe wiederzuerkennen. Gleichzeitig sind auch menschliche Züge deutlich wahrnehmbar und jedes Wesen präsentiert in Auftreten, Aussehen und Ausdruck einen ganz eigenen Charakter.

"Dschungelbuch - das Musical" in Hockenheim: Guter Rat von Balu und Baghira

Während sich Schlange Kaa listig zeigt und ihre Blindheit so manches Mal wohl eher als Ausrede für ihr Handeln nutzt, legt Bär Balu seine wohlbekannte sorgenfreie Art an den Tag und rät, sich öfters mal auf die faule Haut zu legen. Als ihm während des Geschichtenerzählens wiederholt die Augen zufallen, dürfte sich manch ein Elternteil an die abendliche Einschlafbegleitung erinnert gefühlt haben. Baghira zeigt sich nicht nur überaus vorsichtig und besorgt, wenn es um Mogli geht, sondern auch philosophisch: „Wir alle haben böse und schlechte Seiten und müssen entscheiden, welchen Weg wir gehen. Wir können Dinge verhindern, wenn wir wissen, dass das Böse ein Teil von uns ist“, ermutigt der Panther Mogli, sich nicht allein aufgrund seines Menschseins zu verurteilen.

Besonders drollig muten die Versuche Moglis an, die von Balu gelernte Sprache und Bewegungen der Menschen gegenüber Narami einzusetzen und die einzig und allein „Bananas“ im Kopf habenden Affen sorgen ebenso wie die Wortwiederholungen liebenden Geier für Lacher. Einfallsreichtum beweisen die Kostüme, die tierisch anmutende Fellelemente mit menschlichen Kleidungsstücken wie Strickmütze samt Bärenohren oder Glitzershirt kombinieren. Schlange Kaa führt einen mehrere Meter langen Körper mit sich und setzt diesen neben ihrem hypnotisierenden Blick gerne ein.

Musikalisch setzt die Inszenierung auf eigene Hits, dank Wiederholungen und eingängigen Melodien reißen diese auch die beim Finale ordentlich mit. Statt des wohl bekanntesten Dschungelbuchhits „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ heißt es bei Balu „Lach das Leben an“ und der „Banana-Song“ dürfte auf dem Nachhauseweg manchen Ohrwurm beschert haben.

Auch Tiger Shir Khan (Edy Edwards) kann freundlich – wenn er sich in seiner Rolle als „der King“ bestätigt fühlt wie hier von den Affen. © Corinna Perner

Freie Autorin Freie Mitarbeiterin für Hockenheim und Umgebung rund um die Themen Kultur, Religion sowie Land und Leute.